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Konflikt um die Erntedankkollekte

Frühjahrssynode Konflikt um die Erntedankkollekte

Die landeskirchliche Kollektenordnung, der ambulante Hospizdienst der Johanniter und die Bildung von Kooperationsräumen im Kirchenkreis Kirchhain waren Themen der Frühjahrssynode.

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Professor Dr. Lutz Friedrichs (stehend von links) sprach über die Kollektenordnung. Emmi Frenzl, Vorsitzende der Synode, überreichte ihm eine Stellungnahme zur Erntedankkollekte, die Pfarrer ­Dr. Matthias Franz verlesen hatte.

Quelle: Manfred Schubert

Kirchhain. Eine längere Diskussion um die Widmung sowie die geplante Handhabung von Kollekten prägte die Frühjahrssynode. Eine Gegenposition zur Landeskirche hatte sich bereits bei der Herbstsynode im vergangenen Jahr gezeigt, jetzt griff man das Thema erneut auf und vertiefte es.

Professor Dr. Lutz Friedrichs, Referent für Gottesdienst beim Landeskirchenamt in Kassel, sprach über mögliche Änderungen der landeskirchlichen Kollektenordnung. Diese war erst 2010 beschlossen worden. Dabei sollte die theologische Seite­ ­der Kollekte als Ausdruck des Dankes an Gott und der Solidarität mit Anderen in Not gestärkt werden, sagte Friedrichs. Sie sollte nicht der Finanzierung von Regelaufgaben dienen, sondern von neuen, zusätzlichen Aufgaben.

Kollektenplan 2017 soll überarbeitet werden

Auch die Transparenz und spezifische Kollekten sollten, unter anderem durch sogenannte Wahlpflichtkollekten, gestärkt werden, allerdings habe es Probleme bei der Umsetzung gegeben. Der Kollektenplan 2017 sieht mindestens 24 freie Kollekten für die Gemeinden und vier für die Kirchenkreise vor, mehr als die Hälfte sind nicht von der Landeskirche bestimmt. Bereits 2015 habe die Landessynode beschlossen, die Kollektenordnung neu zu bedenken, zum Beispiel die Abschaffung der Wahlpflichtkollekten. Zurzeit arbeite eine AG die Vorschläge ab, noch gebe es keine Beschlüsse.

Zentrales Anliegen für den Kirchenkreis ist die Verwendung der Erntedankkollekte. Laut Plan ist diese von der Landeskirche „Für Hungernde in der Welt und Opfer von Katastrophen“ vorgesehen. Damit soll auf aktuelle Krisen reagiert werden können, betonte Friedrichs. Bis 2016 lag eine Ausnahmegenehmigung vor, dieses Geld wie bisher dem Langzeit-Hilfsprojekt „Straßenkinder in Addis Abeba“ zuzuführen.

Dr. Matthias Franz setzte sich für das Hilfsprojektein

Die aufgrund der schweren Hungersnot von 1973 in Äthiopien im damaligen Kirchenkreis Marburg-Land 1974 gestartete Hilfsaktion, 1986 offiziell als Partnerschaftsprojekt anerkannt, fördert mittlerweile ständig mehr als 900 Kinder und Jugendliche über die Dauer ihrer Schulzeit. Einen großen Teil zur Finanzierung trugen bisher jeweils die im Kirchenkreis für diesen Zweck vorgesehenen Kollekten an Erntedank und Heiligabend bei. Kirchenkreisvorstandsmitglied Pfarrer Dr. Matthias Franz verlas eine Erklärung, dass viele Menschen nur für diesen Zweck spenden wollen und man weiter daran festhalten möchte.

Pfarrerin Berit Hartmann ergänzte, an dem Projekt hänge viel Herzblut, es habe sogar schon den Vorschlag gegeben, zu „tricksen“ und an Erntedank einen Topf für Addis Abeba und einen für die Landeskirche aufzustellen. Pfarrer Dierk Brüning sagte, man dürfe das Projekt nicht gegen den Hunger in der Welt ausspielen, aber es sei identitätsstiftend für den neu gebildeten Kirchenkreis Kirchhain. Vielleicht könne sich der Landeskirchenrat darauf einlassen, das Projekt unter „Hunger in der Welt“ zu subsumieren oder dem Kirchenkreis ein Sonderrecht einräumen.

Filialschließungen wirken sich auf Kastenmeister aus

Weitere Probleme im Zusammenhang mit den Kollekten wurden ebenfalls angesprochen: die Kastenmeister hätten mittlerweile, wenn sie überhaupt noch eine Filiale vor Ort haben, Schwierigkeiten, Bargeld bei den Banken loszuwerden. Ein Vorschlag lautete, die Landeskirche solle eine entsprechende Vereinbarung zur Annahme mit den Genossenschaftsbanken und Sparkassen aushandeln. Auch die angestrebte Direktüberweisung durch die Kastenmeister statt der Verarbeitung durch das Kirchenkreisamt hielt ein Synodaler „für eine Katastrophe“. Kirchenkreisamtsleiter Gerhard Rödiger meinte, es gehe nicht darum, Arbeit zu verlagern, sondern um Einsparung von Doppelstrukturen.

Köhler war bereits in seinem Dekansbericht auf die Bildung von sogenannten Kooperationsräumen im Kirchenkreis eingegangen, die auch Entlastung bedeuten sollen. „Es muss nicht jede Gemeinde alles anbieten. Auch die Assistenzstellen und der Zweckverband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder sollen Entlastung bringen“, sagte er. Die Vereinbarungen sollen bis Ende 2017 getroffen sein.

Bald gibt es sechs Kooperationsräume im Kirchenkreis

Auf seinen Vorschlag, in bisherigen Gebieten pastoraler Zusammenarbeit Kooperationsräume zu bilden, seien die meisten Gemeinden eingegangen, erläuterte der Dekan den Zwischenstand am Ende der Synode. Aufgrund jahrelanger Zusammenarbeit mit Gemeinden aus dem Kirchenkreis Marburg beabsichtigten Goßfelden-Sarnau und Caldern-Sterzhausen, mit Wehrda und Michelbach einen Kooperationsraum zu bilden. Insgesamt komme man jetzt auf sechs Kooperationsräume.

Einstimmig beschloss die Synode eine Satzungsänderung des Zweckverbandes Kirchenkreisamt der Kirchenkreise Kirchhain und Marburg, durch die der Verbandsvorstand von zehn auf acht Mitglieder verkleinert und zugleich Stellvertreter für die Mitglieder aus den Kreissynoden eingeführt werden sollen.

von Manfred Schubert

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