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„Wir können jetzt schneller reagieren“

Katastrophenschutz „Wir können jetzt schneller reagieren“

Für den Ernstfall gerüstet. Der Aufbau des Katastrophenschutz-Zentrallagers der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen ist abgeschlossen. Auf dem Gelände des DRK-Forums in Cappel lagert ab sofort Notfall-Equipment.

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Die neuen Fahrzeuge stehen auf dem Gelände des DRK-Forums in Cappel für den Ernstfall bereit.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Ob Unfall, Hausbrand oder Stromausfall – im akuten Notfall ist schnelle Hilfe angesagt. Notwendige Ausrüstung ist dabei längst nicht überall in der Region vorhanden. Die Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen haben vorgesorgt: mit der neuen Material-Lagerhalle auf dem Gelände des DRK-Forums ist die Region gewappnet für den Ernstfall, der idealerweise gar nicht erst eintritt.

Rund 500 Quadratmeter umfasst die neue Lagerhalle in Cappel, die eine festgelegte Menge an Material für verschiedene Katastrophenfälle bereithält. Allen voran das nötigste Equipment für eine akute Unterbringung von Notleidenden, darunter 1200 Feldbetten, 800 Schlafsäcke, 20 Großzelte,­ Heizgeräte, Stromerzeuger, Kranken­tragen, Decken, Hygienesets und Klopapier. Alles lagert aufgereiht auf zahlreichen Regalen in der langgezogenen Halle. Ebenso wie Elektronik, Rollstühle, Wasserkanister, Tische und Bänke, bis hin zu ABC-Schutzausrüstung, Reservematerial für den Sanitätszug und die Höhen- und Tiefenrettung.

DRK Kreisverband 
ist einsatzbereit

In der Praxis würde das Equipment zur Versorgung von Katas­trophenopfern schnell bereitgestellt werden können, etwa zum Aufbau von Notunterkünften in Sporthallen oder Bürgerhäusern. Ob bei einem Massenunfall auf der Autobahn, einem liegengebliebenen Zug, einem Hochhausbrand oder auch im Falle einer erneuten Flüchtlingswelle. „Wir können jetzt viel schneller reagieren, wir sind einsatzbereit“, sagt Holger­ Tolde,­ Sachgebietsleiter des DRK Kreisverbands Marburg-Gießen.

Auslöser für den Bau des ­neuen Zentrallagers war die Einwanderungswelle von Geflüchteten in 2015, verbunden mit einer regelrechten Verwaltungskrise, als die landesweite ­Materialvorhaltung stellenweise zusammenbrach. Angesichts der Überlastung von Behörden, ­Sozial- und Rettungssystemen wurde nach effizienteren ­Lösungen gesucht. „Wir haben daraus gelernt und wollen eventuellen Versorgungslücken zuvorkommen“, so Tolde.

Das Besondere am neuen Zentrallager: Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landkreise Marburg-Biedenkopf und Gießen sowie des DRK Kreisverbandes Marburg-Gießen. Ein kreisübergreifendes Materiallager in dieser Form und Größe gilt als bislang einzigartig in Hessen und macht die Region ein Stück weit unabhängiger vom hessischen Katastrophenschutz-Zentrallager in Wetzlar.

Platz für 400 Paletten

Es soll die Flexibilität in beide Richtungen fördern: Wo zuvor „überall ein bisschen gelagert wurde“, soll die zentral aufbewahrte Fachausstattung die Effizienz im Ernstfall steigern, erklärt Kreisbrandinspektor Lars Schäfer.

Das Materiallager soll vorrangig die beiden beteiligten Landkreise entlasten, doch im Ernstfall würden die Retter auch ­anderen Nachbarn Hilfe und ­Material zur Verfügung stellen: „Not kennt kein Gebot – im Notfall geben wir jedem die Hilfe, die er braucht. Nur so funktioniert der Katastrophenschutz“, betont Schäfer. Die neue Lagerhalle wird vom DRK Rettungsdienst Mittelhessen als Grundstückseigentümer und Bauherr an den DRK Kreisverband vermietet, der den Betrieb des Lagers übernimmt. Die Verwaltung ist dabei eine logistische Herausforderung.

Der Lagerbereich mit rund 400 Palettenstellplätzen in Hochregalen (Foto: Tannert) wurde zur besseren Organisation in Module eingeteilt. Für den schnellen Transport in der Halle stehen Ladungsträger, Wechsellader, ein Anhänger sowie ein Gabelstapler zur Verfügung.

Die Anbindung an die Bundesstraße 3 vereinfacht einen schnellen Transport. Dennoch wird auch in der Geschäftsstelle Gießen ein weiteres Wechselladefahrzeug und Abrollbehälter mit einer permanenten Ausstattung für eine Notunterkunft für 100 Betroffene bereit gehalten. „Im Bedarfsfall ziehen wir alles Weitere aus dem Zentrallager nach“, erklärt Schäfer.

Regierungspräsident lobte Zusammenarbeit der Kreise

Der Bau des Zentrallagers begann im vergangenen Jahr, vergangene Woche wurde die Halle offiziell in Betrieb genommen. Während der feierlichen Eröffnung unterzeichneten die Landrätinnen Kirsten Fründt (Marburg-Biedenkopf) und Anita Schneider (Gießen) sowie Christian Betz vom Vorstand des DRK Kreisverbands Marburg-Gießen die gemeinsame Vereinbarung zwischen den Partnern.

Beide Landrätinnen hoben das Projekt als gelungenes Beispiel der kreisübergreifenden Zusammenarbeit im Katastrophenschutz hervor. Das neue Materiallager biete vielfältige Möglichkeiten für eine effiziente Nachbarschaftshilfe und sei „eines der Best-Practice-Beispiele der interkommunalen Zusammenarbeit“, so Kirsten Fründt.

Mit der neuen Halle als regionale Ergänzung zum hessischen Zentrallager sei die ganze Region Mittelhessen „bestens ausgestattet und gerüstet“, ergänzte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Er lobte die Zusammenarbeit der Landkreise, hoffe dabei dennoch, dass die neue Einrichtung möglichst wenig zum Einsatz kommen muss, „das wäre sicher das Allerbeste – noch besser, als das beste Zentrallager“, so Ullrich.

von Ina Tannert

Die Vereinbarung zwischen den Partnern unterzeichneten Landrätin Kirsten Fründt (vordere Reihe, von links), Christian Betz vom Vorstand des DRK Kreisverbands Marburg-Gießen und Landrätin Anita Schneider. Der Feier wohnten bei: Dr. Klaus Döring, Präsident des DRK-Kreisverbands (hintere Reihe, von links), Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Lars Schäfer, Dr. Tobias Bräunlein und Mario Binsch. Foto: Ina Tannert
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