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Jeder vierte Unfall ist ein Wild-Unfall

Polizei informiert Jeder vierte Unfall ist ein Wild-Unfall

Unfallstatistik des Landkreises Marburg-Biedenkopf: Jeder Unfall weniger im Vergleich zu den Vorjahren ist ein gutes Ergebnis. Zum dritten Mal innerhalb von zehn Jahren kamen weniger als tausend Menschen zu Schaden.

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Bei vielen Verkehrsunfällen, wie hier zwischen Niederweimar und Haddamshausen im vergangenen Jahr, müssen auch Einsatzkräfte der Feuerwehr helfen.

Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch

Marburg. Nach 12 Verkehrstoten im Jahr 2015 verloren im vergangenen Jahr fünf Menschen ihr Leben bei einem Unfall im Straßenverkehr. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. 2006 waren es bei deutlich weniger Unfällen 17 Tote. Damals wurden 3793 Unfälle von der Polizei aufgenommen, 2016 waren es 4447. Dabei kam es aber zu deutlich weniger ­Unfällen mit Personenschäden, nämlich genau 701 Mal. Dabei wurden 981 Menschen verletzt. 2006 waren es 855 Fälle mit Personenschäden und insgesamt 1205 Menschen, die verletzt wurden.

Die Statistik weist drei Unfallursachen aus, die für insgesamt fast 52 Prozent aller Unfälle verantwortlich sind: zu geringer Abstand (1043), missglücktes Wenden oder Rückwärtsfahren (755) und Geschwindigkeit (513). „Obwohl nur halb so viele Unfälle wie beim Abstand auf die Hauptunfallursache ­Geschwindigkeit zurückzuführen sind, liegt die Zahl der dabei verunglückten Menschen deutlich höher, sagt Martin Frank, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Marburg-Biedenkopf. Durch unangepasste Geschwindigkeit verloren zwei Menschen ihr Leben, wobei damit nicht gesagt ist, dass es dabei jeweils den Verursacher traf. Überhöhte Geschwindigkeiten können sich auch auf andere Verkehrsteilnehmer auswirken.

„Trotz der sich insgesamt positiv entwickelnden Verkehrsunfallstatistik gilt es, die Ursachen genau zu analysieren, um die Zahlen zu senken und damit gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu steigern“, sagt Manfred Kaletsch, Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf. Der Polizei ist es wichtig, den Fokus auch auf die Gefahren durch Ablenkung am Steuer zu lenken. So stellt sie heraus, dass einem Bericht des Deutschen Verkehrssicherheitsrats in einer repräsentativen Umfrage mehr als die Hälfte der befragten Autofahrer angaben, schon einmal durch Ablenkung in brenzlige Situationen geraten zu sein. Nach Schätzung der Unfallforschung spielt Unaufmerksamkeit beziehungsweise­ Ablenkung bei jedem vierten schweren Unfall eine Rolle. Statistisch hängt sehr viel an jeden vierten Unfall. So begeht jeder vierte Verursacher Fahrerflucht. Kaletsch sagt dazu: „Eine Unfallflucht ist absolut kein Kavaliersdelikt. Das Strafgesetzbuch weist ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort als ein Vergehen aus, das eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe nach sich zieht.“ 40 Prozent der Flüchtigen konnten ermittelt werden.

Höhere Aufklärungsquote im Landkreis

Zurück zum Thema „jeder vierte Unfall“. Nach der Statistik ist jeder vierte Unfall auch ein Wildunfall. Seit 2014 liegt die Zahl der polizeilich erfassten Wildunfälle jenseits der tausend Fälle. 2015 gab es gegenüber 2014 noch einmal einen Anstieg um 20 Prozent auf 1 221 Fälle. Im vergangenen Jahr waren es 1 152. Bei elf Zusammenstößen mit Wild erlitten vier Menschen schwere und 14 leichte Verletzungen. Nach wie vor lässt sich kein Schwerpunkt für Wildunfälle ausmachen. Sie ereignen sich über den gesamten Landkreis verteilt. An 1 038 der 4 447 Verkehrsunfälle waren Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren beteiligt. Das bedeutet, dass aus dieser Gruppe bei fast jedem vierten Unfall einer dabei ist.

Hingegen waren Menschen jenseits der 65 nur 666 Mal an Unfällen beteiligt, wobei deren Gruppe deutlich größer ist. Geht man dann mehr ins Detail, lässt sich ablesen, dass es die Fahrer jenseits der 75 sind, die die am zweitstärksten unfallbelastete Altersgruppe nach den 18- bis 24-Jährigen darstellt. Diese Ergebnisse sind ein guter Grund, weiter Präventionsarbeit zu betreiben, sagt Polizeipräsident Bernd Paul. Die Aktion „MAX – Maximal mobil bleiben mit Verantwortung“ gibt es seit 2012, die Aktion BOB für junge Menschen gibt es schon seit zehn Jahren. Dabei geht es darum, dass sich Menschen nicht alkoholisiert ans Steuer setzen sollen.

In Sachen Geschwindigkeit steht ja am kommenden Mittwoch der Aktionstag „Blitzermarathon“ wieder an. Ausführliche Informationen zu den Kontrollen im Landkreis gibt es in der OP-Ausgabe am Dienstag.

von Götz Schaub

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