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Hunderte gucken in die Röhre

Umstellung des Fernsehsignals Hunderte gucken in die Röhre

Ansturm auf Marburger Elektrofachmärkte: Weil der Netzbetreiber Unitymedia vergangene Woche das analoge Fernseh-signal abschaltete,versuchten Hunderte an einen digitalen Receiver zu gelangen.

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Eine Frau sitzt vor einem Fernseher und hält eine Fernbedienung in der Hand. Am 13. Juni wurde beim Anbieter Unitymedia das analoge Signal abgeschaltet. Foto: Monika Skolimowska

Quelle: Monika Skolimowska

Marburg. Es ist eines der liebsten Hobbys vieler Deutscher - nach einem anstrengenden Arbeitstag ab aufs Sofa und sich von der Flimmerkiste berieseln lassen. Doch aus einem gemütlichen Fernsehabend wurde für viele Marburger am vergangenen Dienstag nichts.

Der Netzbetreiber Unitymedia, der viele Haushalte in der Umgebung versorgt, hatte an diesem Tag das analoge Signal abgeschaltet. Der Empfang von TV-Programmen ist seither nur noch mit einem relativ neuen Fernseher oder einem digitalen Empfangsgerät - dem sogenannten Receiver möglich. Eine Änderung, die viele offenbar überraschte - auch wenn Unitymedia im Vorfeld bereits darüber informiert hatte.

„Es waren schon sehr viele, die sich deswegen gemeldet haben - man hat das Gefühl, das Telefon klingelt den ganzen Tag lang nur deswegen“, erklärte ein Mitarbeiter von Expert Medialand im Kaufpark Wehrda bei einem Anruf der OP. Ein Eindruck, den auch Abteilungsleiter Martin Pottharst bestätigte. „Es waren sehr viele Kunden deswegen da“, sagte er.

Die meisten hätten den Grund für ihre Empfangsprobleme gekannt und gezielt nach Receivern gesucht. Andere hingegen hätten trotz der Vorabinformationen gar nicht gewusst, was mit ihrem TV-Gerät passiert sei. Sie seien auf die Verkäufer zugegangen und hätten nur gesagt: „Plötzlich war alles weg“. Das seien viele Senioren gewesen, „aber auch querbeet ab Anfang 20“, so Pottharst. Am Tag seien „bestimmt 50-60 Kunden da gewesen, die keinen Receiver mehr bekommen haben“.

Neue Empfangsgeräteab „Anfang der Woche“

„Ja - es gab auch bei uns einen Ansturm und ja - es sind im Moment alle Receiver ausverkauft“, antwortete auch Marc Broger vom Mediamarkt am Erlenring auf die Nachfrage der OP. „Eigentlich war es ja jedem bekannt, daher waren wir schon überrascht über die Menge der Menschen, die zu uns kamen“, berichtete er. „Viele haben wohl die Einblendungen im Fernsehen gesehen, sich aber gedacht, es betreffe sie nicht“, so Broger.

Wie auch bei der Konkurrenz von Expert, profitierte der Mediamarkt ein wenig davon. In beiden Geschäften wurden nicht nur viele Receiver verkauft, auch der ein oder andere Fernseher ging über die Ladentheke. In neueren Geräten ist der digitale Empfang bereits enthalten - ohne das ein zusätzlicher Receiver nötig wäre. Den ein oder anderen Marburger verleitete das zu einem spontanen Kauf, ob nun die Neuanschaffung ohnehin geplant war - oder auch „weil manche wahrscheinlich nicht warten wollten“, sagt Broder.

Sowohl bei Expert als auch bei Mediamarkt wurden bereits neue Receiver nachgeordert. Sie sollen jeweils ab „Anfang der Woche“ erhältlich sein.

Aus Sicht von Unitymedia sei die Umstellung insgesamt „gut gelaufen“, sagte Unternehmenssprecherin Eva-Maria Ritter. Allerdings habe sich gezeigt „dass eben doch viele Menschen bis zum letzten Tag gewartet haben - das liegt wohl in der Natur des Menschen“, so Ritter.

Unitymedia rät:Sendersuchlauf starten

Kunden seien im Vorfeld gezielt angeschrieben worden, zudem informierte ein Laufband, das seit April immer wieder durch das Fernsehbild lief, über die bevorstehende Änderung. Dennoch sei „unsere Hotline im Moment gut frequentiert“, sagte Ritter. Allerdings habe es „weniger Beschwerden“ gegeben. Stattdessen gehe es meist darum, was nun zu tun sei, um wieder ein Fernsehbild zu erhalten.

„Erst einmal raten wir dazu, einen Sendersuchlauf zu starten“, so die Sprecherin. Viele Menschen „sind bereits digital, wissen das aber gar nicht“. Die digitalen Programme seien nämlich im Suchlauf weiter hinten als die analogen zu finden gewesen. Sollte der Fernseher nicht zum digitalen Empfang fähig sein, würden auch Unitymedia-Shops die entsprechenden Receiver verkaufen - in Marburg etwa in der Marktgasse.

Dass das analoge Signal überhaupt abgeschaltet wurde, liege daran „dass es einfach nicht mehr zeitgemäß ist - gerade im Zuge von HD“. Die Digitalisierungsquote bei Unitymedia-Kunden habe schon vor der Abschaltung bei 95 Prozent gelegen. Vorteile seien eine größere Senderauswahl sowie eine höhere Bild- und Tonqualität.

von Peter Gassner

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