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Herrn Schmidts Gespür für Schnee

OP-Experte über Winter und Wetter Herrn Schmidts Gespür für Schnee

Am Freitag heißt es: Obacht. Denn das Wetter am 12. Januar verrät, wie der September wird. Das und mehr erläutert OP-Wetterexperte Roland Schmidt im Interview. 

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Die Elisabethkirche in weißer Pracht wird es wohl demnächst wieder zu sehen geben, wenn Roland Schmidt denn Recht behält.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Winter war bislang eher enttäuschend. Und er wird wohl nicht besser. ­Roland Schmidt muss es wissen. Er kann den Schnee riechen.

OP: Herr Schmidt, wo bleibt der Schnee?
Roland Schmidt: Die Chancen auf Schnee sind gerade nicht besonders groß. In der zweiten Januarhälfte wird es zwar kälter werden und wir werden Schneeflocken zu sehen bekommen. Aber einen ausgeprägten Winter mit dauerhaft Schnee in den Tälern – danach sieht es nicht aus.

OP:  Wie sicher sind Ihre Vorhersagen?
Schmidt: Generell gilt: je kürzer der Zeitraum desto sicherer. Prognosen für ein bis drei Tage haben eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent. Ich kann also mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es in den nächsten drei Tagen nicht schneien wird.

OP: Wann gibt es denn hierzulande prinzipiell die besten Chancen auf Schnee?
Schmidt: Im so genannten Hochwinter – vom 15. bis zum 25. Januar – ist die Chance auf kaltes Winterwetter am größten. Aber kalt heißt nicht unbedingt Schnee. Häufig ist der Februar der schneereichere Monat als der Januar. Aber der Schnee hält sich dann oft nicht mehr so gut.

OP: Geben Ihnen Pflanzen oder Tiere Hinweise auf nahenden Schnee?
Schmidt: Nein, das kann man nicht aus Zeichen der Natur ablesen. Ich glaube aber, dass es Menschen gibt, die nahenden Schnee spüren, die am Dienstag sagen, dass die Luft nach Schnee riecht, und am Mittwoch schneit es dann tatsächlich. Das ist aber noch nicht erforscht.

OP:  Können Sie den Schnee riechen?
Schmidt: Nicht sehr gut. Ich kann das manchmal zwei, drei Stunden vorher riechen.

OP:  In der vergangenen Woche hat es vor allem geregnet. Ist dieser Winter ungewöhnlich nass?
Schmidt: Nein. Auch wenn das viele anders wahrgenommen haben. Das mag daran liegen, dass der letzte Winter extrem trocken war. Ungewöhnlich war, dass wir 2017 in der zweiten Jahreshälfte doppelt so viel Niederschlag hatten wie in der ersten. Seit Juli waren alle ­Monate zu nass. Der Dezember allein war allerdings nicht außergewöhnlich verregnet.

Grafik: Nikola Ohlen

OP:  Hat es sich denn jetzt ausgeregnet?
Schmidt: Erst einmal: ja. Allerdings war es in der Vergangenheit so, dass auf einen nassen Dezember oft ein deutlich zu nasser Januar folgte, zum Beispiel 1994 und 2012. Deshalb spricht nach meiner Einschätzung viel dafür, dass wir – nach der momentanen, ruhigen Hochdruckwetterlage – in der dritten Januardekade noch eine nasse Phase bekommen.

OP: Ist das unterm Strich noch ein normaler Winter oder spüren wir schon den Klimawandel?
Schmidt: Ich glaube, die Variationsbreite unseres Klimas wird häufig unterschätzt. Wir hatten jetzt etliche milde Winter, aber richtig kalte hatten wir auch, zum Beispiel 2009, 2010 und dann gab es noch den unendlich langen Winter 2013 mit Schnee bis in den März. Also:­ Das, was wir hier gerade erleben, ist für mich ein völlig normales, mitteleuropäisches Wetter.

OP: Lau und grau – ein ganz normaler Marburger Winter?
Schmidt: Ja. Wobei wir, was die Sonnenscheindauer betrifft, in den letzten sechs bis acht Wochen am unteren Rand des Spektrums fristen. Wir hatten Orte, die im ganzen Dezember nur zwei Sonnenscheinstunden hatten.

OP: Die Schneeaussichten sind bescheiden. Haben wir von der Sonne mehr zu erwarten?
Schmidt: Hm. Da bin ich jetzt nur verhalten optimistisch. Bei Hochdruckwetterlagen wie jetzt haben wir in den Tälern häufig eine ausgeprägte Hochnebeldecke, also eine geschlossene Nebeldecke, die nicht auf dem Boden aufliegt, unter der es grau und relativ dunkel ist. Ich fürchte ehrlich gesagt, die Chancen­ auf Sonne stehen schlecht. Mehr als im Dezember wird es wohl werden, schon allein weil die Tage länger werden – und weil der Dezember kaum zu unterbieten ist.

OP: Eine Bauernregel besagt: „Wie viel Regentropfen ein Januar, so viel Schneeflocken im Mai.“ Klingt, als würde der Frühling ungemütlich?
Schmidt: Das kann man so nicht sagen. Wir haben zwar einen nassen Januar. Immerhin haben wir heute schon fast das Monatssoll an Niederschlag erreicht. Aber Schnee im Mai ist schon ausgesprochen selten.

OP: Sie halten nicht viel von Bauernregeln?
Schmidt: Ich halte sogar sehr viel von Bauernregeln. Das ist ein großer Erfahrungsschatz. Viele wurden auch schon statistisch überprüft. Interessant ist, dass viele Bauernregeln etwas mit Heiligen zu tun haben. Nicht weil die Menschen glaubten, der Heilige macht das Wetter, sondern weil die Menschen keinen Kalender wie wir hatten. Sie hatten eine Abfolge von Heiligentagen. Der Name­ des Heiligen funktioniert in den Regeln also als zeitlicher
Marker.

OP: Welche Bauernregel taugt denn für die kommenden Tage?
Schmidt: „Wie das Wetter zu Makarius war, so wird‘s im September – trüb oder klar.“ Das Wetter um den Makariustag gibt also einen Hinweis auf die Witterung im September.

OP:  Wann ist St. Makarius?
Schmidt: Das ist etwas kompliziert. St. Makarius ist eigentlich am 2. Januar. Allerdings funktioniert die Regel für dieses Datum nicht besonders gut. Wahrscheinlich ist die Regel älter als der Gregorianische Kalender. Als dieser 1582 eingeführt wurde, wurden zehn Tage aus dem Kalender gestrichen. Zählt man die zehn Tage zum 2. Januar hinzu, sind wir beim 12. Januar. Und für den 12. Januar hat die Makariusregel eine Trefferquote von 70 Prozent.

von Friederike Heitz

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