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Für wen der Piks jetzt sinnvoll ist

Grippeschutzimpfung Für wen der Piks jetzt sinnvoll ist

Jedes Jahr im Herbst bieten Ärzte und auch viele Unternehmen die Grippeschutzimpfung an. Doch für wen ist sie geeignet? Und was passiert nach dem Piks?

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Ein kleiner Piks, der nicht nur dem Geimpften, sondern auch gefährdete Menschen in dessen Umfeld, vor der Influenza schützen kann.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) mit Sitz in Marburg bietet dienstags von 10 bis 12 Uhr eine telefonische Sprechstunde für Laien rund um das Impfen im Allgemeinen an. Unter 0 64 21 / 29 31 88 beantworten Experten vom DGK die Fragen der Anrufer.

Dr. Ute Arndt verrät, welche Fragen die Anrufer häufig zur Grippeschutzimpfung stellen. Neben den Fragen zum optimalen Zeitpunkt der Impfung, interessiert viele Menschen, ob sie sich trotz einer Grunderkrankung gegen Grippe impfen lassen sollen. „Gerade Menschen, die etwa an Diabetes oder COPD erkrankt sind, sollten sich erst Recht impfen lassen“, sagt Arndt. Bei ihnen verlaufe die ­Influenza nämlich häufig ­besonders heftig.

Impfung kann auch kranke Angehörige schützen

Auch für Angehörige von Menschen mit Risikofaktoren sei ­eine Impfung sinnvoll, erklärt Arndt. Schließlich schütze man damit auch die Menschen, für die eine Grippe gefährlich werden kann (siehe unten). Häufig suchen auch Menschen bei der Impfsprechstunde Rat, die wegen der Inhaltsstoffe der Grippeimpfung Bedenken haben. „Tatsächlich wird der Impfstoff auf der Basis von Hühner-Eiern hergestellt. Wer ganz schwere Reaktionen auf Hühnereier zeigt, sollte sich nicht impfen lassen“, rät Arndt.

Außerdem könne der Impfstoff aus der Produktion in sehr seltenen Fällen Antibiotika-Rückstände aufweisen. Auch hier gilt: Wer auf bestimmte Antibiotika hochgradig allergisch reagiert, sollte von einer Impfung absehen. Wer sich wegen eventueller Unverträglichkeit unsicher ist, sollte diese mit seinem Arzt besprechen, rät die Expertin vom Grünen Kreuz. Weil sich die Berater bei der Telefonsprechstunde Zeit nehmen und viele Menschen anrufen, solle man nicht aufgeben, wenn beim ersten Versuch besetzt ist. Alternativ ist es möglich, die Fragen per E-Mail an impfen@dgk.de zu stellen.

Fragen und Antworten zur Grippeschutzimpfung

  • Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung Menschen mit besonderen Risiken – zum Beispiel im Alter ab 60 Jahren. Auch Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeheimen, Ärzte und Pflegekräfte gehören dazu.

  • Warum sollen sich gesunde ­ältere Menschen impfen lassen?

Da ihr Immunsystem häufig nicht mehr so stark ist, kann eine Grippeinfektion für ältere­ Menschen sehr gefährlich werden. Gleichzeitig ist die Immunantwort auf den Impfstoff bei Betroffenen nicht mehr so gut. Aus diesem Grund steht für Menschen ab 65 Jahren auch ein Impfstoff mit Wirkverstärker zur Verfügung.

  • Warum wird die Impfung nicht jedem ausdrücklich empfohlen?

Weil der Körper von gesunden Kindern und Erwachsenen in der Regel mit einer Grippeinfektion fertig wird. Das RKI betont aber auch: Gesunden Menschen unter 60 Jahren wird nicht von der Impfung abgeraten. Jeder entscheidet selbst, ob er sich schützen möchte oder nicht. Hausärzte empfehlen, das eigene Risiko in den Blick zu nehmen: Wer jeden Tag zwei Mal mit der Tram oder mit dem Bus fährt, ist mehr Viren ausgesetzt, als jemand, der das Fahrrad nimmt. Außerdem kann man sich selbst fragen, wie anfällig man ist. Hat jemand öfter Infekte, kann eine Impfung sinnvoll sein.

  • Sollten Eltern ihre Kita- und Schulkinder impfen lassen?

Die Stiko empfiehlt die Impfung nur chronisch kranken Kindern und eventuell deren Geschwistern. Hermann Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte,­ findet das bedauerlich: „Wir würden es jedenfalls begrüßen, wenn alle geimpft würden.“ ­Gerade da, wo viele Kinder zusammenkommen, haben Viren leichtes Spiel.

  • Kann man sich wegen des Impfstoffs erkälten?

Eigentlich nicht. In der Regel enthält der Impfstoff nur abgetötete Grippe-Erreger. Lediglich für Kinder gibt es einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Da dieser sich nicht als effektiver herausgestellt hat als der Totimpfstoff, wird er seit dieser Saison jedoch nicht mehr vorrangig empfohlen. Auch bei einem Totimpfstoff reagiert aber das Immunsystem
– das ist ja Sinn der Sache. Daher kann die Einstichstelle vorübergehend etwas wehtun, rot werden oder anschwellen, wie das RKI erklärt. Es kann auch sein, dass man hinterher müde ist, Fieber bekommt, fröstelt oder schwitzt. Das geht normalerweise nach kurzer Zeit vorbei.

  • Aber manche Menschen berichten, dass sie nach der Impfung richtig krank wurden?

Natürlich kann es vorkommen, dass jemand in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung krank wird. Dafür muss aber nicht die Impfung an sich die Ursache sein. Hausarzt Mühlenfeld vermutet eher, dass sich die Menschen in seinem Wartezimmer bei Erkrankten anstecken, wenn sie zum Impfen kommen. Zudem lassen sich die meisten im Herbst impfen – wenn die ersten Erkältungserreger umgehen.

  • Kann sich, wer geimpft ist, noch erkälten?

Ja. Die Grippe-Schutz-Impfung schützt – wie der Name sagt – vor Grippeviren. Eine herkömmliche Erkältung kann sich der Geimpfte also immer noch zuziehen. Wie gut die Impfung gegen Grippeviren schützt, hängt davon ab, welche Virusstämme kursieren. Zu 100 Prozent voraussagen lässt sich das nicht. Entsprechend ist der Impfstoff in manchen Jahren besser und in anderen weniger gut auf die kursierenden Virusstämme abgestimmt. In der Regel schützt er laut RKI vor gut der Hälfte der Influenza-Erkrankungen. Zudem verlaufen sie bei Geimpften, die es trotzdem trifft, milder – also mit weniger Komplikationen.

  • Ist, wer vergangenes Jahr geimpft wurde, immer noch geschützt?

Leider nein. Viren verändern sich. Die Entwickler der Impfstoffe versuchen, dem so gut es geht Rechnung zu tragen. Deshalb ist es sinnvoll, sich jedes Jahr mit dem aktuellen Impfstoff impfen zu lassen. Der Impfschutz lässt zudem mit der Zeit nach.

  • Wann sollte die Impfung stattfinden?

Die Grippesaison geht meist im Januar los. Der Körper braucht aber ungefähr zwei Wochen, bis er sich nach der Impfung gegen die Viren gewappnet hat. Das RKI empfiehlt deshalb die Impfung im Oktober oder November. Man kann sich aber auch später noch impfen lassen.

von Philipp Lauer und Teresa Nauber

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