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Ehe für alle – jetzt auch überall im Kreis

Gesetz wird umgesetzt Ehe für alle – jetzt auch überall im Kreis

Seit Sonntag dürfen auch gleichgeschlechtliche ­Paare die Ehe schließen oder ihre eingetragenen Lebenspartnerschaften zur Ehe umwandeln. Im Landkreis stehen nun auch die ersten Termine an.

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Ralf Gockel und Bernd Barkholt-Gockel schnitten am 2. Oktober nach ihrer Eheschließung im Rathaus von Hamm ihre Hochzeitstorte an.

Quelle: Ina Fassbender

Marburg. Seit am Samstag auch die Software in den hessischen Standesämtern aktualisiert wurde, ist sicher: Seit dem Stichtag, 1. Oktober, können gleichgeschlechtliche Paare auch in allen hessischen Gemeinden den Bund der Ehe eingehen. Dies versicherte Gerhard Bangert, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Standesbeamten in Bad Salzschlirf. Auch Umwandlungen bisher eingetragener Lebenspartnerschaften zur Ehe sollen problemlos möglich sein.

Am 1. Oktober sind die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen geschlossen worden.

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Bei einer OP-Umfrage in der vergangenen Woche hatte der eine oder andere Standesbeamte im Landkreis Marburg-Biedenkopf noch Bedenken angemeldet, ob hinter den Kulissen alles glattlaufen würde. Denn das Programm, mit dem die Behörden die Eheschließungen erfasst, sah bislang noch nicht vor, zwei gleichgeschlechtliche Eheleute zu registrieren.

Die meisten Beamten waren sich jedoch, wie die Kirchhainer Standesbeamtin Karin Grix, sicher: „Wir schicken niemanden nach Hause, der heiraten will. Das machen wir schon möglich.“

Das Gesetz

Der deutsche Bundestag hat am 30. Juni die Reform des Gesetzes zur Ehe im Bürgerlichen Gesetzbuch beschlossen. Damit stehen homosexuellen Paaren die gleichen Rechte zu wie heterosexuellen Paaren. Im Paragrafen 1353 steht nun im ersten Absatz: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen. Die Ehegatten sind einander zur ehelichen Lebensgemeinschaft verpflichtet; sie tragen füreinander Verantwortung.“

In Marburg wird heute zwar noch keine Ehe neu geschlossen, aber eine eingetragene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt, teilte die Pressesprecherin Sabine Preisler mit. Die Paare können sich dabei für einen „reinen Verwaltungsvorgang“ entscheiden, bei dem die Formalitäten geklärt und neue Urkunden ausgestellt werden, erklärt Preisler.

Alternativ sei auch eine Zeremonie möglich, die die Eheleute mitgestalten können. „Aktuell liegt der Stadt zwar noch keine formale Anmeldung vor, aber zwei gleichgeschlechtliche Paare haben sich bereits erkundigt und angekündigt, in Marburg heiraten zu wollen – das freut uns sehr“, sagt Preisler.

Ähnlich sieht es bei den umliegenden Gemeinden im Landkreis aus. In Weimar, Lahntal, Wetter, Cölbe, Bad Endbach und in Ostkreis-Gemeinden ­etwa haben bereits einige Paare den Wunsch geäußert, ihre Partnerschaften umwandeln zu lassen – sich dazu aber bislang noch nicht konkret angemeldet.

Im Ebsdorfergrund hat sich bereits ein Paar zur Eheschließung im Oktober angemeldet, drei Paare wollen ihre Partnerschaft zur Ehe umwandeln, berichtet Standesbeamte Gabriele Löchel-Vincon.

"Vielleicht ist das noch nicht bei allen angekommen"

Irmgard Wagner, Standesbeamte in Fronhausen berichtet, dass sie voraussichtlich im Dezember ein Paar trauen wird, für Umwandlungen habe sich noch niemand gemeldet. Auch im Ostkreis werden noch mindestens zwei Mal die „standesamtlichen Hochzeitsglocken“ läuten.

Ein Paar hatte sich in Dautphetal bereits für eine Lebenspartnerschaft angemeldet, bevor der Bundestag die Gesetzesreform Ende Juni beschlossen hat. Nun kann das Paar eine Ehe schließen, sagt die Standesbeamte Jutta Spänhoff.

In den Gemeinden Münchhausen, Gladenbach, Angelburg, Steffenberg, Biedenkopf, Breidenbach und Rauschenberg hat sich noch niemand erkundigt. „Vielleicht ist das noch nicht bei allen angekommen“, vermutet die Rauschenberger Standesbeamtin Gudrun Thiessen.

"Wir sollten auch die gleichen Rechte haben"

Auf jeden Fall gut angekommen ist das neue Gesetz beim Marburger Verein Margays. „Wir mussten lange darauf warten“, sagt Vorstandsmitglied Christian Eng. „Meiner persönlichen Meinung nach ist das nur gerecht – schließlich haben wir in allem die gleichen Pflichten und sollten auch die gleichen Rechte haben.“

Nur weil das Gesetz jetzt raus ist, sollte niemand dieses Versprechen leichtfertig geben, findet Eng. Die Ehe sei schließlich ein Bund für das Leben. Dass bis zur vergangenen Woche noch nicht sicher war, ob die Standesämter die Ehe für gleichgeschlechtliche Partner auch technisch umsetzen können, findet Eng schade. „Die Zeit hätte dafür ausreichen sollen.“

Dem widerspricht Bangert vom Verband der Standesbeamten. „Das Gesetz kam für uns doch etwas überraschend, innerhalb von einer Woche“, sagt der Experte. Üblicherweise habe man für die Umsetzung neuer Gesetze neun Monate Vorlaufzeit. Die Reform in drei ­Monaten zu realisieren habe eine ­Herausforderung dargestellt. Die Standesbeamten im Landkreis Marburg-Biedenkopf würden am 25. Oktober auf einer Fortbildung auch in Sachen „Ehe für alle“ geschult.

von Philipp Lauer

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