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Fenster auf, Müll raus und weg

Unrat am Straßenrand Fenster auf, Müll raus und weg

Jetzt im Frühjahr fällt er wieder ins Auge: der wild entsorgte Müll an den Straßen. Wenn es nicht außergewöhnliche Mengen oder gefährliche Substanzen sind, haben die Verursacher kaum mit einer Verfolgung zu rechnen.

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Achtlos stehengelassener Müll auf dem Parkplatz an der B 3 Marburg-Nord.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wilde Müllentsorgung - ein weites Feld. Es beginnt tatsächlich mit der Zigarettenkippe oder dem ausgespuckten Kaugummi und der achtlos stehengelassenen Getränkedose und endet beim Einlassen von gefährlichen Subs­tanzen in Bäche oder Flüssen. Und irgendwo dazwischen befindet sich das Themenfeld Müll an den Straßenrändern und auf Parkplätzen. Man kann so viel darüber diskutieren und lamentieren, an Deutschlands Straßen gehört der Müll einfach mit dazu. Einer fängt immer damit an, irgendwo seinen Müll aus dem Fahrzeug zu werfen, natürlich eher da, wo langsam gefahren werden muss, ­etwa im Bereich von Autobahnabfahrten und Kreisel oder da, wo man sowieso schon steht, auf einem Rastparkplatz. „Wo schon Müll liegt, kommt schnell mehr hinzu, weil offenbar dann die Hemmschwelle sinkt“, sagt Sonja Lecher, Sprecherin vom hiesigen Hessen Mobil Standort in Marburg.

Einmal im Jahr, so informiert sie, präzise gesagt, im Frühling, organisiert Hessen Mobil eine­ große Müllsammelaktion an den Straßenrändern von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. An autobahnähnlich ausgebauten Straßen wie etwa die B3 auch noch mal im Herbst.

Dabei wird also alles eingesammelt, was in der dunklen Jahreszeit so alles aus den Fahrzeugen geflogen ist. Die Arbeit gehört fest zur Jahresplanung. Diejenigen, die das dann übernehmen, können nur zähneknirschend ihren Job machen und sich über die Rücksichtslosigkeit ihrer Mitbürger ärgern. Und sie können sich sicher sein, im nächsten Jahr nicht weniger einsammeln zu müssen. Denn von den Verursachern wird so gut wie keiner erwischt. Wie auch? Fenster auf, Müll raus und weg, heißt die Devise. Nur wer etwas zu dreist wird, der läuft dann doch Gefahr, ermittelt zu werden. In der Gemeinde Weimar gab es beispielsweise im vergangenen Jahr zwei Fälle von größerer Sperrmüll-Entsorgung. „Da schauen wir uns die Sachen schon genauer an und versuchen, Hinweise auf den Verursacher zu finden“, sagt Uwe Hahn vom Ordnungsamt Weimar. Und peng, peng, zweimal Volltreffer. Beide Verursacher konnten ermittelt und zur Kasse gebeten werden. Anders sieht es derzeit in einem aktuellen Fall aus. Da hat einer einfach mal so seine ausrangierte alte Badewanne in die Natur gestellt. „Da können wir nur hoffen, dass jemand davon weiß und es uns sagt“, meint Hahn.

Müll aufsammeln als gerichtliche Strafe

Der Lückenschluss der B3 und die B-255-Ortsumgehung für Niederweimar und Oberweimar hat in Sachen Müll für neue wilde Entsorgungsplätze gesorgt. Insbesondere an der Straße neben dem Kreisel am Kieswerk, die gerne auch von Lkw-Fahrern angesteuert wird, um dort Pause zu machen. Da kann man in regelmäßigen Abständen aufräumen. Nicht immer müssen die eigenen Mitarbeiter ran. Mitunter werden dazu auch Menschen herangezogen, die gerichtlich angeordnete Arbeitsstunden zu absolvieren haben.

„Die offiziellen Parkplätze an den überregionalen Straßen werden im Zuge unserer allgemeinen Streckenkontrolle betreut“, sagt Sonja Lecher von Hessen Mobil. Darunter fallen etwa die Rastplätze an der B3 nach der Abfahrt Marburg-Wehrda und Cölbe sowie am Ortsausgang von Schönstadt in Richtung Kassel. Obwohl es auch Mülleimer gibt, benehmen sich gerade an solchen Orten Mitbürger gerne mal daneben. Das fängt mit dem einfachen Ausschütten des Aschers aus dem Auto an.

Statistiken sind relativ schwer zu führen, aber es gibt „Hausnummern“. Im Nachbarbundesland Nordrhein Westfalen werden an den Straßen jährlich rund 16000 Tonnen Müll eingesammelt. Das kostet die Allgemeinheit ungerechnet sieben Millionen Euro. Geld, das dann an anderer Stelle schmerzlich fehlt. Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt.

von Götz Schaub

Kommentar von Götz Schaub

Es bleibt ein ewiges Ärgernis

Ist die Bezeichnung Grünstreifen für Auto- und Lkw-Fahrer eigentlich ein Synonym für „Hallo, hier kannst du bequem deinen Müll loswerden“? – Wenn man auf Deutschlands Autobahnen und Bundesstraßen unterwegs ist, drängt sich dieser Verdacht leider auf. Und das unverändert seit vielen Jahrzehnten. Warum machen das Menschen? Warum können sie ihren Müll nicht einfach fachgerecht und umweltbewusst entsorgen? In letzter Konsequenz, weil sie dazu einfach zu faul sind. Schade, dass es keine gute Fee gibt, die den Müll direkt wieder aufsammelt und den Verursachern einfach zu Hause vor ihre Haustür schmeißt. Tja, das könnte Früchte tragen, Umweltbewusstsein zu erzwingen. Denn auf Einsicht wird kaum zu hoffen sein. Das Traurige daran ist, dass diese Feen-Variante noch realistischer ist, als dass die „Drohungen“ aus dem tatsächlich vorhandenen Bußgeldkatalog zur Anwendung kommen. Millionenfach werden Pappbecher und Zigarettenschachteln auf die Straße geschmissen, Aber kennen Sie einen, der dafür tatsächlich mal 10 Euro berappen musste? Ohne sozialen Druck wird es jedenfalls nie besser.

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