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Einen Euro pro Tag für ein Jahr Mobilität

Einführung des Schülertickets Hessen Einen Euro pro Tag für ein Jahr Mobilität

Mit der Einführung des bundesweit einmaligen und landesweit gültigen Schülertickets wird nicht nur die Fahrt zur Schule günstiger. Auch in der Freizeit dürfen Schüler das Ticket nutzen.

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Schüler warten in den Mittagsstunden an der Haltestelle Radestraße in Marburg auf ihren Bus. Mit dem Hessenticket sind sie ab dem Sommer erheblich flexibler mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter

Marburg. Einstimmig beauftragte der Kreistag den Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung, die notwendigen Vereinbarungen mit dem Regionalen Nahverkehrsverband (RNV) und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zur Einführung des neuen „Schülertickets Hessen“ zum Schuljahr 2017/18 abzuschließen. Dadurch sollen Hessens Schüler mobiler werden – für einen Euro pro Tag.

Kreisausschuss stimmt Schülerticket in Hessen zu

„Der Sommer wird gut, für Schüler, Schulen, Lehrer, für den Bus- und Bahnverkehr in Hessen“, freute sich der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow, als er den Antrag erläuterte. Spätestens ab August könne jeder Schüler in Hessen für 365 Euro ein Ticket kaufen, mit dem er hessenweit ein Jahr lang fahren dürfe. „Das ist deutschlandweit einmalig, eine Verbesserung, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann, vor allem natürlich für die Schüler“, betonte er. Schon allein aus finanzieller Hinsicht: Im Landkreis zahlten sie bisher für die „Clever-Card“ 450 Euro, mancherorts seien bis zu 800 Euro fällig gewesen.

„Ich glaube, das wird ein Quantensprung für außerschulisches Lernen und Erleben. Für ein Referat über den Jugendstil kann man einfach mal auf die Mathildenhöhe in Darmstadt fahren. Ich vermute, das wird mehr Verbesserungen für den Unterricht bringen als manche pädagogischen Reform der vergangenen Jahre. Und es wird ein Umdenken zur Folge haben, wenn die Schüler die Attraktivität des ÖPNV kennenlernen“. sagte Marian Zachow. Er fahre jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, „weil ich sie über das Semesterticket als Student kennengelernt habe“.

Wenn eine Seite spare, zahle die andere meist drauf

Das Hessenticket sei „eine organisatorische und finanzielle Herkulesaufgabe“ gewesen, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete. Eine Lösung müsse man noch finden bezüglich der Ungerechtigkeit bei Schülern, die weniger als drei Kilometer Schulweg und damit keinen Anspruch auf Kostenerstattung hätten.

Patricia Agricola (SPD) hielt es ebenfalls für eine gute Nachricht, dass Bus- und Bahnfahrten für die überwiegende Zahl der Schüler, insbesondere in der Oberstufe, billiger würden. Doch wenn eine Seite spare, zahle die andere meist drauf, verwies sie auf Mindereinnahmen für die Kreisverkehrsverbände. Die SPD fordere, dass das Ticket über die dreijährige Pilotphase hinaus vom Land finanziert werde. Auch bleibe abzuwarten, ob die vorgesehenen 20 Millionen Euro ausreichten. Wenn die Schüler das Ticket tatsächlich nutzten, um zum Beispiel nach Darmstadt zu fahren, kämen Mehrkosten auf die Kreise und kreisfreien Städte zu, sagte Agricola und forderte ebenfalls eine Nachbesserung für die ­nahe ihrer Schule wohnenden Schüler und merkte an. „Was nutzt es, wenn ich überall hinfahren könnte, aber kein Bus fährt? Wir fordern ein nachhaltiges Mobilitätskonzept.“

Ticket ermöglicht Wahlfreiheit der Schule und Verkehrsmittel

Grünen-Fraktionsvorsitzende­ Sandra Laaz sagte, sie könne sich der Rede Zachows nur anschließen. Die Erstattung sei eine Frage des Hessischen Schulgesetzes, das könne man auch ändern. Schüler und Eltern würden sich freuen, die CleverCard habe nicht für die Kinder in Marburg gegolten. Und es gehe nicht nur um Ausflüge, sondern auch um die „gesellschaftliche Lebenswirklichkeit mit Patchworkfamilien und an verschiedenen Orten wohnenden Elternteilen“. Als das Semesterticket eingeführt worden sei, habe es auch Bedenken gegeben, „heute würde niemand mehr dieses Erfolgsmodell infrage stellen“, betonte Laaz.

Jürgen Reitz, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, sagte, er teile die Sorgen seiner SPD-Vorrednerin nicht. Das Ticket ermögliche echte Wahlfreiheit der Schule und Verkehrsmittel, der ÖPNV in Hessen werde gestärkt, es gebe einen großen Schub für die Mobilität. Das Ticket könne junge Nutzer vom ÖPNV überzeugen und für morgen binden.

Er verwies darauf, dass der Beschluss auch die Aufforderung an den RMV enthalte, mit angrenzenden Verkehrsverbünden in Nordrhein-Westfalen über Sonderregelungen für Schüler aus dem Landkreis zu verhandeln, die dortige Schulen – vor allem in Bad Laasphe – besuchten, und deshalb kein Schüler­ticket Hessen kaufen dürften.

von Manfred Schubert

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