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Ein Piks bringt Hilfe für drei Menschen

Mobile Blutspende Ein Piks bringt Hilfe für drei Menschen

Zwischen vier und fünf Prozent der Deutschen haben schon einmal Blut gespendet. Über 30 Prozent sind in ihrem Leben in irgendeiner Art und Weise auf eine Spende angewiesen.

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„Jetzt weiß ich, wie sich das anfühlt“

Völlig entspannt: Valentina Nachtigal ist bereits ein „alter Hase“, wenn es um das Thema Blutspenden geht.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Ausreden gibt es immer: Die fehlende Zeit. Der lange oder umständliche Anfahrtsweg. Dazu die fehlenden oder teuren Parkplätze. Manche haben Angst vor Spritzen, andere wissen gar nicht, wie aufwendig oder eben nicht das Blutspenden überhaupt ist. Fakt ist: Die Spende rettet täglich Leben. Und niemand ist davor gefeit, nicht doch einmal selbst in die Situation zu kommen, auf Fremdblut angewiesen zu sein.

Natürlich wissen auch die Institutionen, die die Spenden so dringend benötigen, um die Bequemlichkeit mancher Zeitgenossen. Und wenn der Prophet nicht zum Berg geht, dann muss der Berg eben zum Propheten kommen.
Der Berg ist in diesem Fall ein achtköpfiges Team des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) mit Namen „Campus-Spende“.

Dieses mobile Team um Transfusions-Ärztin Naema Al Ahmad ( Foto unten) war in der vergangenen Woche bei der Arbeitsagentur Marburg zu Gast.

In einem Raum, der sonst für Konferenzen genutzt wird, stehen an diesem Tag sechs Feldbetten. „In vier Stunden sammeln wir so etwa 50 Spenden“, sagt Al Ahmad. Natürlich komme das auch immer auf die Bereitschaft der Angestellten an. Generell sei es jedoch so, dass sich mehr Freiwillige finden, wenn die oben aufgeführten „Ausreden“ wegfallen und das Team direkt vor Ort sei.

„Ich finde das total super. Ich muss nicht extra hoch zur Klinik und kann das hier bequem während der Arbeit erledigen“, sagt Valentina Nachtigal. Die Auszubildende spendet nicht zum ersten Mal Blut und sieht auch deshalb nur Vorteile in dem Angebot.

Jährlich 50.000 Spenden notwendig

Die Arbeitsagentur Marburg nimmt eben jenes Angebot bereits zum dritten Mal wahr, unter anderem um die eigenen Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren, erklärt Pressesprecherin Dr. Heike Beber (Foto unten). Und mit dem ganzen Equipment vor Ort sei dies „natürlich die Komfortvariante“ einer gemeinsamen Spende.

Auf ein aufkommendes „Wir-Gefühl“ in den jeweiligen Unternehmen setzt der leitende Krankenpfleger Hans-Joachim Misterek. Unter Kollegen fiele der kleine Piks dann wahrscheinlich doch etwas leichter. Allein das UKGM benötige jährlich rund 50 000 Blutkonserven erklärt Misterek. Etwa 45 000 würden dabei durch Spenden abgedeckt. Der Rest müsse teuer zugekauft werden.

Die häufigste Frage, die das mobile Team zu hören bekommt, beschäftigt sich mit der Verwendung der Spende. „Die Menschen fragen uns immer, was denn mit ihrem Blut passiert“, sagt Misterek. Seine Antwort erstaunt dann sicherlich viele Fragende, denn nachdem das Blut getestet wurde, komme es bereits innerhalb von 24 Stunden zum Einsatz.

Generell werde am UKGM etwa alle zehn Minuten eine Konserve für einen kranken Patienten benötigt. Damit aber nicht genug. Eine einzige Spende könne gleich drei  Menschen zugutekommen, erklärt Misterek. Denn neben den Blutzellen, würden auch -plasma und -plättchen aus einer Spende gewonnen. Eine starke Ausbeute für einen Vorgang, der gerade einmal  zehn Minuten in Anspruch nimmt, wie Al Ahmad erklärt.

Blutspende senke Herzinfarkt-Risiko

Auch der gesundheitliche Vorteil der Blutspende sei nicht von der Hand zu weisen, erklärt Misterek. „Immerhin wird bei jedem der Blutdruck gemessen und zusätzlich ein kleines Blutbild angefertigt.“ Zudem weiß der leitende Krankenpfleger von einer amerikanischen Studie zu berichten, die den Nachweis erbracht habe, dass die regelmäßige Blutspende das Herzinfarkt-Risiko für Männer senke.

Wer beim Thema Blutspenden jedoch ausschließlich an Transfusionen denkt, wird erstaunt sein, dass der „Saft des Lebens“ auch für andere, wichtige Zwecke benötigt wird. So zum Beispiel für Impfseren. Dafür werden unter anderem aus Blutkonserven Antikörper extrahiert.

Aber auch der Gewebekleber, der unter Umständen bei einer Operation verwendet wird, besteht zu Teilen aus menschlichem Blut, erklärt Misterek.  Die „Campus-Spende“ sammle jährlich etwa 2 000 Spenden. Eigentlich eine stolze Zahl, doch „noch lange nicht genug“, wie Hans-Joachim Misterek feststellt. Es bleibt die Hoffnung darauf, dass sich weitere Unternehmen engagieren.

von Denis Siepmann

Hintergrund

Hintergrund

Das Mindestalter für die Spende beträgt 18 Jahre. Bei gegebener Gesundheit gibt es kein Mindestalter für einen Spender. Das Mindestkörpergewicht sollte 50 Kilogramm betragen. Bei der Spende werden etwa 500 Milliliter entnommen. Bereits nach einigen Wochen ist der Blutverlust durch eine Spende wieder ausgeglichen. Männer können alle acht Wochen und Frauen alle zwölf Wochen Blut spenden. Gesundheitliche Schäden durch regelmäßige Blutspenden sind bislang nicht bekannt. Männer dürfen sechs Mal in zwölf Monaten spenden, Frauen vier Mal.

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