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Diese Krankheit kann jeden treffen

Welt-Parkinson-Tag Diese Krankheit kann jeden treffen

Parkinson ist eine Krankheit, die die Lebensqualität stark verändert. Je offener Betroffene mit ihrer Erkrankung umgehen, je mehr Selbstsicherheit können sie zurückgewinnen.

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Bereits verstorbene bekannte Menschen, die an Parkinson erkrankt waren: Papst Johannes Paul II. obere Reihe von links), Boxer-Legende Muhammad Ali, Schauspieler Robin Williams, Fußball-Meistertrainer Udo Lattek (Zweite Reihe von links) und Schauspielerin Deborah Kerr. Leben mit Parkinson: der 1991 geborene Schauspieler Michael J. Fox bereits seit mehr als 25 Jahren.

Quelle: Archivfotos

Marburg. Parkinson. Von dieser Krankheit haben auch sehr viele nicht betroffene Menschen wenigstens eine kleine Idee. Warum? Weil immer wieder Prominente, die daran erkrankt sind, damit an die Öffentlichkeit getreten sind, um zum einen zu zeigen, dass sie nicht wie Unmündige zu behandeln sind, zum anderen aber auch, um auf die Besonderheiten, die mit dieser Krankheit einhergehen, aufmerksam zu machen. – Allen voran schritt der beliebte Schauspieler Michael J. Fox, der zu den wenigen Menschen gehört, die schon sehr früh daran erkrankten. Er mit 29 Jahren.

Faktencheck

1.  Die offizielle Entdeckung der Parkinson-Krankheit geht zurück auf das Jahr 1817. In diesem Jahr hat der englische Arzt James Parkinson die Symptome und den fortschreitenden Charakter der Krankheit beschrieben. Viele­ Parkinson-Symptome sind aber schon seit der Antike bekannt.

2.  Parkinson ist eine fortschreitende, neurologische Erkrankung, deren Ursache im Gehirn zu suchen ist. Lange Zeit vor dem Auftreten eindeutiger Symptome klagen Betroffene zum Beispiel über ein nachlassendes Riechvermögen oder Rückenschmerzen.

3.  Parkinson kann jeden treffen. Zu den berühmten Persönlichkeiten, die an Morbus  Parkinson erkrankten, zählen unter anderem neben den im Bild zu sehenden auch Mao Tsetung, Franklin D. Roose­velt, Leonid Breschnjev, Salvador Dali, Raimund Harmstorf und Johnny Cash.

4.  In den meisten Fällen bricht die Krankheit zwischen 50 und 60 Jahren aus. In seltenen, aber zunehmend mehr Fällen erkranken Menschen wie Michael J. Fox schon vor dem 40. Lebensjahr an Parkinson. Fox erhielt die Diagnose bereits mit 29 Jahren.

5.  Die Deutsche Parkinson Vereinigung ist eine Selbsthilfe-Vereinigung, die 1981 gegründet wurde und heute zu den größten Patienten-Organisationen in Deutschland zählt. Insgesamt zwei Landesverbände, 13 Landesorganisationen und 430 Regionalgruppen und Kontaktstellen setzen sich für die Belange von Parkinson-Erkrankten und deren Angehörigen ein.

6.  Die Deutsche Parkinson Vereinigung schätzt, dass rund 300.000 Menschen in Deutschland an Parkinson erkrankt sind. Tendenz steigend: Vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen wird erwartet, dass sich die Zahl der Parkinson-Betroffenen in den nächsten 20 Jahren verdoppelt.

7.  Die Zahl der weltweit an Parkinson erkrankten Menschen wird auf rund 6,3 Millionen geschätzt. Aufgrund einer längeren Lebenserwartung rechnet man auch hier mit einer Verdopplung in den nächsten 20 Jahren. 

Parkinson gibt es weltweit, überall, damit auch hier im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Unter dem Dach der Deutschen Parkinson Vereinigung hat sich schon vor langer Zeit eine ­Regionale Selbsthilfegruppe ­gegründet. Sie zählt aktuell 78 Personen. Gruppenleiterin ist Helgard Bernsee aus Cölbe.

Die Mitglieder kommen aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus. Einmal im ­Monat sind alle nach Kirchhain eingeladen, um im „Kirchhainer Hof“ einen gemeinsamen Nachmittag zu verbringen. „Mal haben wir Fachleute da, die etwas erzählen können, wir genießen aber auch nur die Geselligkeit“, sagt Bernsee.

Natürlich sind da nicht alle 78 Mitglieder dabei, aber im Schnitt zwischen 18 und 28, sagt Wilhelm Stock, Bernsees Stellvertreter. Jeden Montag trifft sich in Kirchhain aber auch noch eine Schwimmgruppe. Denn wenn eins wichtig ist für an Parkinson Erkrankte, dann Bewegung. „Das Sofa ist die schlechteste Wahl“, meint Bernsee. Bei den Treffen spricht sie gerne auch aktuelle Themen an, etwa aus der Forschung oder die Schwierigkeiten bei der Verschreibung der Medikamente, etwa wenn Patienten plötzlich damit konfrontiert werden, nicht mehr ihre gewohnten, sondern aus Kostengründen ähnliche nehmen zu sollen.

Das Thema Medikamente ist nämlich ein sehr sensibles. Um ein möglichst gutes Alltagsleben haben zu können, spiele es nicht nur eine Rolle, bei den Medikamenten zu bleiben, mit denen der Körper gut zurecht kommt, sondern sich auch, so lange es geht, an ­einer „Dosis-Treue“ zu halten. Die Medikamente in falscher ­Dosierung verabreicht, könne schnell mal sehr unangenehme Nebenwirkungen entfalten bis hin zu einer Psychose.

Deshalb sei es immer wichtig, ein Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt zu haben und mit diesem alles genau zu besprechen, sagt Bernsee. An dieser Stelle muss auch gesagt werden, dass im Laufe der Jahre Medikamente auch ihre Wirkung verlieren können, so dass komplizierte, individuell abgestimmte medikamentöse Therapien erforderlich werden, bei denen die Betroffenen zahlreiche Medikamente zu sich nehmen müssen.

Wer sich gerne mal mit anderen Parkinson-Erkrankten austauschen möchte oder auch mal Referentenvorträge hören möchte, ist immer willkommen, an den Monatstreffen in Kirchhain teilzunehmen. Auch wer nicht Mitglied der Regionalgruppe ist, kann gerne vorbeikommen, hebt Bernsee hervor. Der Altersschnitt der Mitglieder liegt etwa bei 72 Jahren. „Es sind aber auch deutlich jüngere Menschen dabei, die zum Teil noch berufstätig sind“, sagt Helgard Bernsee.

  • Kontakt: Helgard Bernsee, Schützenrain 10, 35091 Cölbe, Telefon 0 64 21 / 36 01 54.
 
Krankheit ist noch unheilbar

Spätestens eine Studie von 2008 belegte den Zusammenhang zwischen Parkinson und dem Auftreten von Osteoporose, dem sogenannten Knochenschwund. Menschen mit Parkinson weisen nach der Studie eine geringere Knochendichte auf als diejenigen, die nicht von der Krankheit betroffen waren. Mit zunehmenden Verlust von Knochensubstanz steigt die Gefahr von Knochenbrüchen. Die Knochendichte steht dabei in direktem Zusammenhang mit der Schwere und Dauer der Parkinson-Krankheit. Zur Förderung der eigenen Knochenstabilität­ wiederum kann jeder etwas durch regelmäßige Bewegung beitragen. Vor dem Hintergrund, dass Parkinson immer mehr Menschen um die 40 Lebensjahre betrifft, hat die Deutsche Parkinson Vereinigung ­eigens einen Internet-Auftritt für solche Menschen, informiert Magdalene Kaminski, Vorsitzende der Deutschen Parkinson Vereinigung.

Gerade erst im Februar gaben die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Parkinson Gesellschaft bekannt, dass es Neurologen gelungen ist, vor Ausbruch der typischen Bewegungseinschränkungen mittels einer kleinen Hautprobe die Parkinson-Erkrankung festzustellen. Die Neurowissenschaftler Dr. Kathrin Doppler, Professorin Claudia Sommer aus Würzburg und der Marburger Professor Wolfgang Oertel  legen dar, dass bei Risikopatienten der Biomarker Alpha-Synuclein in der Haut identifizierbar ist, und das bereits Jahre bevor der Patient sichtbar erkrankt.

Forscher aus Dresden entdeckten eher zufällig, dass Glykolat und D-Laktat, die in gewöhnlichen Lebensmitteln vorkommen, in der Lage sind, die im Zuge einer Parkinson-Erkrankung geschädigten Neuronen zu heilen, wobei abgestorbene Neuronen nicht mehr reaktiviert werden können. D-Lactat ist eine linksdrehende Milchsäure, die von bestimmten Joghurt-Bakterien hergestellt wird, aber in der Regel nicht in Joghurts aus dem Supermarkt enthalten ist.

 
Mobil sein und mobil bleiben durch Training

Unter welchen Umständen kann ich noch sicher ein Auto steuern? Diese Frage stellen sich alle verantwortungsbewussten­ Menschen im fortgeschrittenen Alter. Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, sollten diese Frage nicht allein für sich beantworten. Ein gründlicher Check der verkehrsmedizinischen Befundlage sowie eine Überprüfung der Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit im Verkehr bietet gleich in mehrfacher Hinsicht Vorteile. Denn: Ist die Fahr-Fitness in Ordnung, dann sind die Betroffenen von Sorgen oder Unsicherheiten befreit und können ihre Mobilität genießen. Hinzu kommt, dass sie etwas Schriftliches in der Hand halten, informiert die Deutsche Parkinson Vereinigung. Damit ist man auch rechtlich auf der sicheren Seite, zum Beispiel bei Auseinandersetzungen mit Versicherungen. Sollten Einschränkungen beim Fahren zu berücksichtigen sein, erhalten Parkinson-Erkrankte eindeutige Auskünfte und hilfreiche Empfehlungen für sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Mit Trainings kann eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit auch wieder verbessert werden. Entsprechende Untersuchungen bietet der TÜV Süd Life Service an.

von Götz Schaub

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