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„Berufswettkampf mit Tradition“

Landesleistungshüten „Berufswettkampf mit Tradition“

Sieben Schäfer aus Hessen traten am vergangenen Samstag mit ihren Hunden beim Landesleistungshüten gegeneinander an. Volker Schuhmacher aus Usingen-Eschbach erzielte den ersten Platz.

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Leistungshüten bei herrlichem Sonnenschein: Mehrere hundert Schafe laufen im freien Feld vor dem Kirchhainer Stadtteil Stausebach.

Quelle: Ina Tannert

Stausebach. Wo lässt sich ­besser ein Landesentscheid der Schäfergemeinschaft ausrichten, als im schafreichsten Landkreis Hessens, in dem mehr als 15 000 Schafe leben? Daher fiel bereits am frühen Samstagmorgen der Startschuss zum Landesleistungshüten auf dem Gelände rund um die Grillhütte in Stausebach.

An verschiedenen Stationen zeigten die Hütehunde der hessischen Kreissieger ihr Können. Ein- und Auspferchen, Beweiden, Verhalten im engen oder ­offenen Gehüt, Verkehrstauglichkeit – der Parcours simulierte alltägliche Herausforderungen im Schäferalltag. Unter den Augen eines wachsenden Publikums bewiesen die Hund-Mensch-Teams bis zum Nachmittag ihre­ Hütequalitäten. Im kritischen Blick der Preisrichter stand vor allem der Haupthund, der nach Fleiß, Gehorsam und guter Führung bewertet wurde. Beim Hüten muss der Hund selbstständig arbeiten können, der Schäfer dirigiert den tierischen Kollegen mit Rufen und Handzeichen aus der Entfernung, setzt nur bei ­Bedarf den Beihund ein.

Die Hunde überwachen die Schafe aus der Distanz, „wehren“ an den Wiesenrändern und gehen „in die Furche“, wie es im Jägerjargon heißt. Je nach Aufgabe treiben sie die Schafe in die gewünschte Richtung. Respekt verschafft sich der Hund durch den sogenannten „Griff“. Das Schnappen in die Seite eines Schafes, das sich von der Herde entfernt hat, ist wichtiger Teil der Bewertung. Sanft geht der Hund dabei nicht vor, darf die Tiere dabei aber nicht in Panik versetzen.

Wertung

Platzierungen, maximale Punktzahl 100:
Volker Schuhmacher (90)
Frank Meyenberg (89)
Manfred Damm (87)
Stefan Heintz (84)
Harald Bangert (80)
Manfred Jauernig (71)
Peter Safranek (65)

Das war vor allem im engen Gehüt schwierig, bei dem die Schafe auf engstem Raum ruhig fressen sollten: Das von der heftigen Gewitternacht noch feuchte, niedergetrampelte Gras fand jedoch wenig Zuspruch bei den Tieren, hie und da stahl sich ein Ausreißer aus der Gruppe. Die Hunde hatten gut zu tun, alle 300 Schwarzkopf-Schafe in Reihe zu halten.

Auch die hügelige Wiesenlandschaft war eine besondere Herausforderung für die Schäfer, die Schafe wie Hunde im Blick behalten mussten. „Das Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch ist faszinierend und jede Station hat ihre eigenen Tücken, gerade auf diesem Gelände“, erklärte Hüteleiter Hans Jürgen Westmeier. Dennoch passe das zu dem gehobenen Anspruch eines Landesentscheids, der seit vielen Jahren unter den Schäfern der Regionen ausgetragen wird. „Es ist ein Berufswettkampf mit Tradition“, so der Kommentator.

Treisbacher Manfred Damm auf dem dritten Platz

Das schwül-warme Klima forderte den Tieren viel ab. „Das Wetter ist sehr drückend – das macht allen zu schaffen, auch den Hunden“, befand Wettbewerbssieger Volker Schuhmacher, der mit seinen beiden Hunden „Pia“ und „Lux“ aus Usingen-Eschbach angereist war. Trotz aller Anstrengung errang er mit 90 von 100 möglichen Punkten den ersten Platz und tritt in wenigen Wochen beim Bundeswettbewerb gegen die Sieger anderer Bundesländer an. Zweiter wurde Schäfer Frank Meyenberg aus Hüttenberg.

Den dritten Platz holte sich Manfred Damm aus Treisbach, der den Landkreis Marburg-Biedenkopf vertrat. Er gewann mit seinen beiden Schäferhunden „Luna“ und „Peggy“ bereits Ende Juli beim Kreisleistungshüten. Der gelernte Maurer ist seit mehr als 27 Jahren Schäfer aus Leidenschaft und hält 100 Schafe im Nebenerwerb. Der zeitaufwendige Nebenjob ist für ihn der perfekte Ausgleich: „Die Arbeit in der Natur mit Hunden und Schafen – das ist einfach etwas Besonderes und macht mir großen Spaß“, berichtete Damm.

 
Schäfer Volker Schuhmacher mit seinen Hunden „Pia“ und „Lux“. Foto: Tannert

Den erfolgreichen Wettkampf feierten Schäfer und Besucher bis in den späten Abend hinein beim großen Schäferfest des Kreisschäfervereins Marburg-Kirchhain-Biedenkopf. Allerorts wurde an diesem Tag der jahrtausendealten Tradition gedacht. Schäfer aus der Region­ stellten auf dem Festgelände ­ihre hübschesten Vertreter alter Schafrassen vor. Darunter fanden sich weiße und graue Heidschnucken sowie braun-schwarze Juraschafe.

Einen festen Platz bei einem Schäferfest hat auch stets der Schäferlauf. Dabei tritt traditionell der unverheiratete Nachwuchs der Schäferfamilien der Umgebung gegeneinander an. Und das barfuß. Am Samstag warfen sich mehrere Jugendliche ins Rennen und sprangen auf der großen Wettbewerbswiese über Hürden oder Gatter und versuchten sich gegenseitig abzuhängen. Den Sieg holten sich Jacki Scholl aus Erksdorf und Michael Reniger aus Spangenberg. Die beiden Gewinner wurden am Abend zu Schäferkönigin und Schäferkönig gekrönt und werden für ein Jahr die Schäfergemeinschaft bei offiziellen Anlässen vertreten.

Am Abend des Festtages stand der Kreisschäferverein im Mittelpunkt, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. „Weit über tausend Besucher sind gekommen, es war ein ganz gelungener Tag“, freute sich Norbert Fett, Geschäftsführer des Kreisschäfervereins.

von Ina Tannert

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