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Batterien haben im Müll nichts zu suchen

Was kommt in die Schwarze Tonne? Batterien haben im Müll nichts zu suchen

Blaue Tonne, Grüne Tonne, Gelber Sack. Was da vom üblichen Hausmüll nicht reinkommt, wandert in der Regel zum „Restmüll“ in die Schwarze Tonne. Doch auch da gibt es Grenzen, die definitiv nicht ignoriert werden sollten.

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Auch wenn das Synonym für die Schwarze Tonne Restmüll heißt, kann da nicht wirklich alles einfach so rein.

Quelle: Archivbild

Marburg. Dass Gefahrstoffe und Elektromüll in der Schwarzen Tonnen nichts zu suchen haben, dürfte klar sein, denn was sich in dieser Tonne befindet, wird ausschließlich der Verbrennung zugeführt. Wer jetzt meint, es mit der Trennung nicht ganz so ernst nehmen zu müssen, irrt gewaltig.

Johanna Achenbach, vom Umwelt- und Ressourcenmanagement der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF) berichtet von einem Brand der Müllumschlaghalle in Wabern Ende November vergangenen Jahres. Auch wenn es nicht hundertprozentig bewiesen werden konnte, fiel der Verdacht auf eine falsch entsorgte Lithiumbatterie oder ein -akku. Das sei jedenfalls ein schlüssiger Grund für die Selbstentzündung des Abfalls. Und wie das mit der Selbstentzündung von Batterien oder Akkus gehen kann, konnte erst im April, ebenfalls in Wabern, beobachtet werden.

„Ein Lkw ist da über ein kleines sehr flaches Teil gefahren, vielleicht zehn mal fünf Zentimeter groß“, berichtet Achenbach. Dann sprühten Funken und das durch das Gewicht des Lkw beschädigte „Ding“ fing wenig später an zu brennen. Es handelte sich um einen Akku, möglicherweise für ein ferngesteuertes Monstertruck-Spielzeugauto. Es verursachte dort, wo es lag, keinen weiteren Schaden, doch zeigte es eindringlich, wie gefährlich solche Gegenstände werden können.

Deshalb ausdrücklich dieser Hinweis: Lithiumbatterien und -akkus sind in vielen Geräten des täglichen Gebrauchs, wie Handys, Uhren, Taschenrechner und Notebooks verbaut und fallen somit auch in jedem Haushalt als Abfall an. Sie gehören jedoch nicht in den Restmüll oder Gewerbeabfall, sondern müssen einem Rücknahmesystem zugeführt werden. Es ist ­sogar gesetzlich vorgeschrieben, dass vor dem Entsorgen von beispielsweise Kameras, Handys und Laptops Batterien und Akkus, die nicht fest verbaut sind, entnommen und getrennt den jeweiligen Entsorgungswegen zugeführt werden müssen. So viel dazu. Anderes Thema, das auch jüngst Gegenstand der OP-Berichterstattung war: Altmedikamente.  

 „Auf gar keinen Fall dürfen Tropfen, Tabletten und Salben in der Toilette oder im Waschbecken landen“, erklärt Johanna Achenbach.

„Selbst viele moderne­ Kläranlagen können­ ­einige Stoffe derzeit noch nicht abbauen, beziehungsweise zurückhalten. So gelangen Wirkstoffe wie etwa Antibiotika in Flüsse oder Seen oder werden über den Klärschlamm auf landwirtschaftliche Flächen aufgebracht und kommen so unerkannt in den Nahrungskreislauf des Menschen.

Und wie werden die nicht mehr gebrauchten oder abgelaufenen Altmedikamente richtig entsorgt? „Seit 2005 ist das im Landkreis Marburg-Biedenkopf eigentlich recht einfach, denn seit dieser Zeit wird der Restmüll nicht mehr auf einer Deponie, sondern im Müllheizkraftwerk Kassel entsorgt und damit können Altmedikamente auch in die Restmülltonne gegeben werden“, sagt Achenbach. „In der Müllverbrennungsanlage unseres Entsorgungspartners werden ­alle Wirkstoffe der Medikamente bei mehr als 800 Grad vollständig zerstört“, ergänzt Dr. Peter Zulauf, Geschäftsführer der ALF. Und weiter führt er aus: „Dank moderner Rauchgasreinigungstechnik gelangen auch über den Luftpfad keine Schadstoffe in die Umwelt.“

Hintergrund

Die Abholung des Restmülls im Landkreis Marburg-Biedenkopf organisieren die Kommunen und der Müllabfuhrzweckverband Biedenkopf. Bis auf die Stadt Marburg, die ihre Abfalleinsammlung selbst ausführt, sind für die Kommunen des Landkreises beauftragte Unternehmen tätig. Das Ziel der mit Müll beladenen Fahrzeuge ist aber immer dasselbe: die Müllumladestation Marburg-Wehrda der Abfallwirtschaft Lahn-Fulda (ALF). Dort wird der Müll, wie der Name schon verrät, nicht gelagert, sondern umgeladen, und zwar in Großraumfahrzeuge. Diese bringen ihre Ladung dann zur Verbrennung zum Müllheizkraftwerk Kassel. Der aktuelle Vertrag mit der Müllheizkraftwerk Kassel GmbH über die Entsorgung des Hausmülls aus dem hiesigen Landkreis läuft noch bis Jahresende 2020.

Aber auch wenn die bequeme Entsorgung über die Restmülltonne möglich ist, ein paar Regeln gilt es dennoch zu beachten. „Am wichtigsten ist es, sicherzustellen, dass Kinder und Tiere durch die Altmedikamente nicht gefährdet werden. Deshalb sollten die Altmedikamente immer vermischt mit weiteren Abfällen so in der Restmülltonne verstaut werden, dass man sie beim Öffnen des Deckels nicht sieht“, so Achenbach.

Aber halt, es gibt auch Ausnahmen. Achenbach dazu: „Auf jeden Fall zur Sonderabfallsammlung gehören flüssige Medikamente mit mehr als 250 Milliliter pro Flasche sowie Krebsmedikamente (Zytostatika) und virushemmende Medikamente (Virusstatika)“.

Okay, und was ist mit DVDs und CDs? Die werden reichlich genutzt und landen auch vermehrt im Müll. „Ja, das ist Restmüll“, sagt ­Johanna Achenbach und schiebt ein „noch“ nach. Denn derzeit wird eine Diskussion darüber geführt, für die dünnen Scheiben einen gesonderten Entsorgungsweg anzubieten. Und Kosmetika? Lösungsmittelhaltige Produkte wie Nagellackentferner müssen, wenn nicht restentleert, zum Schadstoffmobil gebracht werden. Alles andere­ kann in den Restmüll, Verpackungen natürlich in den Gelben Sack. Feuchttücher gehören hingegen in den Restmüll, keinesfalls in die Toilette. Sie zersetzen sich nicht oder einfach viel zu langsam im Wasser, verstopfen daher die Kanalisation und ­bereiten auch den Abwasserwerken Ärger.

von Götz Schaub

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