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Austausch verändert Blick auf die USA

Patenschafts-Programm Austausch verändert Blick auf die USA

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm bietet Austauschschülern ein Stipendium, um kostenfrei ein Jahr in den USA zu verbringen. Drei Teilnehmer berichten über ihre Erfahrungen.

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Paul Finkel (von links) geht als Nächster in die USA, Melody Unger war im vorigen Schuljahr dort. Bundestagsabgeordneter Sören ­Bartol traf sich mit ihnen sowie der US-amerikanischen Austauschschülerin Maeve Mikulski.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Ich habe gelernt ich selbst zu sein. In der Heimat hat man sich an die Gesellschaft angepasst, im Ausland hat man die Chance, sich zu ändern. Und nach der Rückkehr nach Deutschland besteht wieder die Chance, neu zu beginnen. Ich bin jetzt viel zufriedener, als ich es vor dem Austausch war,“ berichtete Melody­ Unger. Die 17-Jährige aus Rauschenberg verbrachte das Schuljahr 2015 / 16 in den USA, in York in Pennsylvania.

Eine ähnliche Empfehlung gab Maeve Mikulski anderen Austauschschülern. Die 16-jährige Amerikanerin, die aus der Nähe­ von Chicago kommt, wohnt derzeit in Dautphetal-Holzhausen bei einer Gastfamilie.

Sören Bartol übernimmt Patenschaft für Austauschschüler

Die beiden jungen Frauen sind Teilnehmerinnen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms beziehungsweise­ des entsprechenden Gegenstücks des US-Kongresses. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol traf sich mit ihnen sowie dem nächsten Teilnehmer aus dem heimischen Landkreis, dem 14-jährigen Paul Finkel aus Marburg, der im August in die USA geht, zu einem Erfahrungsaustausch im Café Rotkehlchen.

„Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass die jungen Menschen nach ihrem Auslandsaufenthalt mit sich im Reinen und viel selbstsicherer als vorher sind. Sie kommen begeistert und gereift zurück. Eine Mutter sagte einmal zu mir ‚ein anderes Kind ist zurückgekommen‘, im positiven Sinne,“ ­bestätigte Bartol die Aussagen der Schülerinnen. Das Treffen und die Berichterstattung darüber soll auch andere animieren, sich um eine Teilnahme zu bewerben, unterstrich er. Oder auch, einen Gastschüler bei sich in der Familie aufzunehmen. In Deutschland wie den USA sei es schwierig, Gastfamilien zu finden.

Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA

„Viele können es sich nicht vorstellen, jemanden für ein Jahr aufzunehmen. Sie sehen nur die Belastung, nicht die Vorteile. Viel offener sind Familien,­ wenn sie bereits einmal teilgenommen haben,“ sagte ­Melody, die mittlerweile vor Ort ehrenamtlich Gastschüler bei der Austauschorganisation AFS (American Field Service) Interkulturelle Begegnungen mitbetreut. Auf die kulturellen Unterschiede würden die Teilnehmer bereits vorher vorbereitet. „Wir haben sehr vorgeprägte Bilder von den USA. Vieles hat sich für mich bestätigt, aber die USA sind sehr vielfältig,“ betonte sie. In Pennsylvania habe sie die Amish-Leute kennengelernt, die ohne Elektrizität leben und mit Pferdekutschen herumfahren, eine Freundin von ihr habe zu 80 Prozent lateinamerikanische Mitschüler gehabt.

Maeve war mit der Vorstellung hergekommen, die Gebäude in Deutschland seien wesentlich größer. In der Schule müsse man aktiver in der Klasse sein, mehr sprechen. Etwas Heimweh nach den USA und ihrer Familie habe sie vor allem an Thanksgiving gehabt. „Ich wurde in viele Familien meiner amerikanischen Freunde herzlich aufgenommen. Man wird dort eher integriert, hier kenne ich oft die Familien meiner Freunde kaum“, sagte Melody.

  • Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) bietet Schülern sowie jungen Berufstätigen und Auszubildenden eine spannende und einzigartige Möglichkeit, für ein Jahr in den USA zu leben und dort zur Schule zu gehen oder zu studieren und zu arbeiten. Bei anderen Organisationen koste­ so ein Austauschjahr etwa 12.000 Euro, somit sei das eine Chance für Familien, die sich das sonst nicht leisten könnten, betonte Bartol. Seit 1983 fördert das PPP den Austausch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Deutschland und den USA. Bisher ­haben über 23.000 Deutsche sowie Amerikaner an dem Programm teilgenommen.

von Manfred Schubert

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