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29 Handynutzer bestraft

Polizeikontrolle 29 Handynutzer bestraft

In ganz Mittelhessen hat die Polizei am vergangenen Mittwoch Verkehrskontrollen durchgeführt.

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Lars Kreimeyer (links) und Thorsten Samsa kontrollierten am Mittwoch am Amöneburger Tor in Kirchhain.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Hintergrund war ein Aktionstag, mit dem die Beamten auf die Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam machen wollten. Hier lesen Sie unseren Bericht dazu. Nun hat die Polizei die Ergebnisse für den Landkreis vorgelegt.

Während sechs jeweils dreistündigen Kontrollen erwischten die Polizisten insgesamt 29 Lkw- oder Autofahrer, die während der Fahrt mit ihrem Handy beschäftigt waren. Darüber hinaus ahndete die Polizei insgesamt knapp 100 weitere Verstöße, hauptsächlich Zuwiderhandlungen gegen die Gurtpflicht.

"Im Auto mal eben die Brille suchen und aufsetzen, den Bordcomputer oder das Navi bedienen oder auch einfache soziale Interaktion, wer sich im Auto ablenken lässt, riskiert bei 40 Stundenkilometer pro Sekunde einen Blindflug von 11, bei 50 Stundenkilometer bereits von 14 und bei 80 Stundenkilometer sogar einen von über 22 Metern und verdoppelt dabei zugleich das Unfallrisiko. Die Folgen liegen auf der Hand!" merkt Mittelhessens Polizeipräsident Bernd Paul an und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Autofahrer. "Wir kontrollieren, um insbesondere schweren Unfällen mit tragischen Folgen durch die Ursache Ablenkung vorzubeugen!", so Paul weiter.

Ablenkung bedeutet Blindflug

Immer wieder und gefühlt in der Anzahl zunehmend, so die Polizei, passieren Verkehrsunfälle, bei denen Fahrzeuge ohne erkennbare Ursache von der Straße abkommen, in den Gegenverkehr geraten oder einfach auffahren. Ein vermuteter, möglicher Grund "Ablenkung" erhält Unterstützung durch Schätzungen der Unfallforschung, wonach jeder vierte schwere Unfall auf Unaufmerksamkeit bzw. Ablenkung zurückzuführen ist.

Nach Studien steht die Ablenkung durchs Mobiltelefon dabei an erster Stelle, gefolgt von der Bedienung der fahrzeugeigenen Technik. Ablenkung bedeutet quasi "Blindflug", weil die notwendige Aufmerksamkeit in den heute komplexen Verkehrssituationen des dichten Verkehrs deutlich beeinträchtigt ist.

Beispiele

  • Brille aufsetzten dauert etwa 3 Sekunden. In dieser Zeit bewegt sich der Fahrer bei 80 Stundenkilometer über 66 Meter weiter
  • Eingaben am Navi oder Radio dauern vier Sekunden und bedeuten bei 80 Stundekilometer fast 89 zurückgelegte Meter
  • Wer telefoniert, SMS schreibt, surft, mailt oder nach Audiodateien sucht und dafür 7 Sekunden benötigt, fährt bei der gleichen Geschwindigkeit über 155 Meter.

Natürlich verschlossen die Kontrolleure die Augen auch nicht vor allen anderen Verstößen, die ihnen am Mittwoch unterkamen. In Mittelhessen waren das bis 14 Uhr rund 140, im Landkreis Marburg-Biedenkopf mehr als 60 weitere Verfehlungen. Defekte Beleuchtungen, die Nichtnutzung des Sicherheitsgurtes, Abstandsverstöße, Rotlichtmissachtungen, Ladungssicherung, aufgefundenes BTM und ein noch offener Haftbefehl konnten beispielsweise festgestellt werden.

Zwei Fahrzeugführer aus dem Bereich Wetzlar mussten die Polizei sogar zur Blutentnahme begleiten, weil der Verdacht besteht, dass sie unter dem Einfluss von Drogen unterwegs waren. Trotz der zu erwartenden Anzeige wegen Überladung hatte der  Fahrer des Brummis mit dem Schotter  auf der Ladefläche richtig Glück in die Kontrolle in Dautphetal zu geraten. Als er losfahren wollte, trat ein technischer Defekt auf, der die komplette Bremsanlage des Lastwagens von jetzt auf gleich blockierte. Nicht auszudenken, wenn der Defekt während der Fahrt aufgetreten wäre.

Die Kontrollen dauern weiter an und werden zukünftig fortgesetzt. Der Polizei ist der Appell an die Einsicht der Autofahrer und die Aufklärung über die Gefahren der Handynutzung dabei wesentlich wichtiger als die Abschreckung durch die Strafe.

von Dominic Heitz und Katja Peters

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