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Aus Helfen entsteht ein Miteinander

Paten für Flüchtlinge Aus Helfen entsteht ein Miteinander

27 Bürger werden Menschen, die nach der Flucht in Marburg leben, im ­Alltag zur Seite stehen - ob beim Ausfüllen eines Formulars oder beim Gang zum Arzt.

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Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz (von links), Verena Leowald vom Internationalen Bund in Marburg sowie Pascal Kolbe vom Flüchtlings-Portal in Gisselberg stellten das Patenschaftsprojekt vor.

Quelle: Geesa Cordes/Stadt Marburg

Marburg. Wer sich ebenfalls engagieren möchte, kann sich beim Zentrum für Flüchtlinge melden.

„Es ist nicht nur ein Helfen, es ist ein Miteinander“, erzählt Klaus Denfeld, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Silvia Lerch-Denfeld bereits seit Frühjahr eine geflüchtete Familie mit vier Kindern unterstützt. Jeden Freitagabend trifft sich das Ehepaar mit den Neu-Marburgern, die vor dem Krieg aus Syrien geflohen sind.

Die Denfelds helfen zum Beispiel, wenn Elternbriefe von der Schule kommen, E-Tickets aufgeladen, Fotos auf die Gesundheitskarte geklebt, Lebensläufe geschrieben oder Wohnberechtigungsscheine ausgefüllt werden müssen.

Oft tauschen sich die Menschen im Patenschaftsprojekt aber auch einfach über das Leben in Deutschland aus. Regelmäßig werden die Denfelds zu syrischem Essen eingeladen. Auch beim Kindergeburtstag waren sie schon dabei - „da tanzen auch die Erwachsenen. Das ist ein sehr schöner Kontakt“, berichtet das Paar.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) freut sich über den gelungenen Start des Projekts: „Das Projekt macht das Ankommen in der Universitätsstadt Marburg leichter, wichtig ist dabei eine Begegnung auf Augenhöhe“, betont er.

Wer sich für das ehrenamtliche Patenschaftsprojekt interessiert, sollte für die Dauer von sechs Monaten wöchentlich mindestens eine Stunde Zeit erübrigen können, informiert die städtische Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz. Zudem ist die Teilnahme an einer Supervision verpflichtend, die in der Regel einmal pro Monat stattfindet.

120 Kinder und Jugendliche leben in 11 Wohngruppen

Dort können sich die Ehrenamtlichen über Erfahrungen, Erwartungen, kulturelle Unterschiede, Sorgen und Ängste austauschen. In Schulungen werden sie auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zusätzlich gibt es Unterstützung durch die städtische Koordinierungsstelle für Flüchtlinge, den Internationalen Bund, die Freiwilligenagentur und die Supervisorin Sarah Kaluza.

Für das Kooperationsprojekt existieren zwei Varianten: Bereits seit mehr als drei Jahren besteht das sogenannte Tandem-Projekt des Internationalen Bundes zur Unterstützung von jungen Flüchtlingen bis zum Alter von 27 Jahren. Das Patenprojekt der Universitätsstadt Marburg funktioniert im Prinzip genauso, ist aber auch für ältere Flüchtlinge geöffnet.

Aktuell leben 860 geflüchtete Menschen in der Universitätsstadt. Unter ihnen sind 300 bereits anerkannt.

Unter den Geflüchteten sind etwa ein Drittel Familien sowie zwei Drittel alleinstehende oder junge Männer, die zum Teil noch ihre Familien nachholen wollen.

Wie Fleck-Delnavaz berichtet, ist dies allerdings seit Sommer dieses Jahres vor allem für Syrer schwieriger geworden. Sie bekommen nur noch einen sogenannten subsidiären Schutz, mit dem sie ihre Familien nicht mehr nachziehen lassen können. „Die Familie sitzt dann irgendwo in Ägypten oder der Türkei“, sagt Fleck-Delnavaz.

Zudem hat die Universitätsstadt Marburg noch einmal 120 geflüchtete Kinder und Jugendliche aufgenommen, die in elf Wohngruppen in Marburg leben.

Eine hohe Bleibeperspektive haben die Geflüchteten aus Syrien, Iran, Irak, Eritrea und Somalia.

  • Weitere Informationen: Portal Gisselberg, Telefon 06421/2012222, www.marburg.de/fluechtlinge, oder Internationaler Bund, Telefon 06421/ 681889.
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