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„Aus Bildung wird zunehmend Abfertigung“

Hochschulen „Aus Bildung wird zunehmend Abfertigung“

„Bildung vom Discounter - Was ist ein Studium noch wert?“ Unter diesem Titel lief eine Podiumsdiskussion im Hörsaalgebäude, die vom Arbeitskreis Unterfinanzierung organisiert und von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) moderiert wurde.

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Auf dem Podium diskutierten Achim Meyer auf der Heyde (von links), Professorin Susanne Buckley-Zistel, Bürgermeister Dr. Franz Kahle, Juko Marc Lucas und Daniel May. Foto: Julia Krekel

Marburg. Welchen Stellenwert hat die Hochschulbildung in Hessen? Warum wird eine universitäre Laufbahn immer unattraktiver? Wie viel Quantität kann die Qualität ertragen? Viele Fragen rund um den universitären Alltag beschäftigten die Diskussionsteilnehmer und die Zuhörer.

Zu Beginn berichteten Vertreter der Statusgruppen von den Problemen in ihrem Unialltag. Forschung und Lehre, befand Professorin Susanne Lin-Klitzing, seien in Hessen zwar gut verknüpft, Tariferhöhungen könnten jedoch ein Ziel für die Zukunft sein. Zudem sei die Grundfinanzierung nach den Studentenzahlen problematisch. Dr. Ansgar Dorenkamp betonte, dass auch die Prüfungsämter mit steigenden Studentenzahlen mehr zu bewältigen hätten.

Befristete Stellen der Lehrenden würden eine Familiengründung vor eine große Herausforderung stellen. „Es fehlt der Anreiz, gute Lehre zu machen, denn gute Publikationen sind ausschlaggebender“, so Dr. Dorenkamp. Geld für notwendige Sanierungen fehle und überfüllte Lehrveranstaltungen stünden an der Tagesordnung.

Lena Schick als Vertreterin der Studierenden ging auf die zwei zentralen Probleme Planungsunsicherheit und strukturelle Unterfinanzierung ein. „Aus Bildung wird zunehmend Abfertigung“, fand sie. Durch die Reduzierung des Personals seien Wartezeiten länger, die Regelstudienzeit nicht immer möglich und das Betreuungsverhältnis überschritten.

Im Anschluss diskutierten Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Daniel May (Landtagsabgeordneter der Grünen), Professorin Susanne Buckley-Zistel und Juko Marc Lucas als Vertreter der Studierenden auf dem Podium. Meyer auf der Heyde betonte dabei, es sei fatal, dass die Länder sich durchgesetzt hätten, das Bafög auf den Bund zu übertragen. Hessen wolle dieses nun vorhandene Geld in die Universitäten führen.

„Die Politik wollte hohe Studentenquoten, aber die Kapazitäten werden nur partiell und nicht ausreichend bereitgestellt“, so Meyer auf der Heyde, der sich keine „Schwafelei“ der Politiker, sondern Handlungen wünschte und auf künstliche Studienzeitverlängerungen aufmerksam machte: „Mehr Studenten in geringerer Zeit durchschleusen zu wollen, war eine Milchmädchenrechnung.“

Professorin Buckley-Zistel vom Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung sorgte sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs und deren zum Teil prekären Arbeitsverhältnissen: „C4 oder Hartz IV?“ Die Lehre mit der Familie zu verbinden, sei nicht immer leicht: „Wie attraktiv ist eine Professur für Frauen?“

Juko Marc Lucas betonte den geringen finanziellen Handlungsspielraum der Universität. „Es fehlt an Kreativität in der Politik, neue Gelder loszumachen“, so Lucas.

Landtagsabgeordneter May verwies darauf, dass das Land Hessen keine Möglichkeit habe, aus dem Vollen zu schöpfen. Hessen sei in der Minderheit der Länder, die Bafög-Mittel weiterhin den Universitäten zur Verfügung zu stellen. „Unser Ziel ist die Stärkung der Grundfinanzierung. Der Cluster-Preis für jeden Studenten soll nicht weiter sinken.“

von Julia Krekel

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