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Soziale Netzwerke

Aus Betroffenen werden Experten

Die Kommunikation über soziale Netzwerke gehört heute zum Alltag von Schülerinnen und Schülern. Ein Projekt im Schulamt bildete Lehrer und Schüler zu Experten aus, die bei Problemen helfen sollen.
Die ausgebildeten Schüler und Lehrer mit Schulleitungen, Vertretern des Schulamtes und des Marburger Vereins Make-IT-safe, der die Schulungen durchgeführt hat.Foto: Freya Altmüller

Die ausgebildeten Schüler und Lehrer mit Schulleitungen, Vertretern des Schulamtes und des Marburger Vereins Make-IT-safe, der die Schulungen durchgeführt hat.

© Freya Altmüller

Marburg. Ein Mädchen trägt einer Gruppe von Schülern ihr Problem vor: Als sie mit ihrem Freund noch zusammen war, hat sie ihm Fotos von sich im Bikini geschickt. Dann hat sie Schluss gemacht, und er hat die Fotos auf Instagram gepostet. Seitdem wird sie von ihren Mitschülern gemobbt.

„Situationen wie diese kommen zum Glück nicht allzu häufig vor“, so Ulrich Müller, Leiter der pädagogischen Unterstützung im Schulamt. Auf solche Fälle wolle das Amt nicht immer nur reagieren, so der stellvertretende Leiter Burkhard Schuldt, sondern auch präventiv tätig werden. Daher rief das Schulamt das Projekt „Schule und soziale Netzwerke“ ins Leben, das nach einem Jahr nun abgeschlossen wurde.

Bei der Veranstaltung im Schulamt war die Situation nur gespielt. Die Jugendlichen der vier teilnehmenden Schulen, die im Rahmen des Projekts zu „Peer-Experten“ ausgebildet worden waren (darunter versteht man Menschen, die ihre Erfahrungen in einer bestimmten Sache weitergeben), simulierten ein Beratungsgespräch. Sie boten den Betroffenen an, mit Lehrern, Eltern, aber auch dem Ex-Freund zu reden. Außerdem schlugen sie vor, gemeinsam zu der Beratungsstelle Pro Familia und zum Marburger Verein Wildwasser zu gehen.

Schüler simulieren Online-Dating-Dilemma

Als Peer-Experten bieten die Jugendlichen aber nicht nur eine solche Sprechstunde an, sondern informieren auch im Unterricht Schüler der fünften und sechsten Klassen.

Die Marburger Elisabethschule beispielsweise hat dort einen Chatverlauf zwischen einem Jungen und einem Mädchen simuliert, in dem der Junge das ihm fremde Mädchen sexuell anmachte. Aufgabe der Klasse war es, dem Mädchen zu helfen, darauf angemessen zu reagieren.

Auch an der Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf spielten die Peer-Experten mit den Fünftklässlern Online-Dating-Dilemmata und Identitätsdiebstahl fiktiv durch und versetzten sich danach in die Rolle von Detektiven, die die Fälle aufklären.

Neben jeweils vier Schülern pro Schule wurden auch jeweils zwei Lehrkräfte zu Jugendmedienschutzbeauftragten ausgebildet und die Schulleitungen juristisch geschult. Zudem gehörten Elternabende zum Programm.

Die Marburger Martin-Luther-Schule versendet von nun an einen Infobrief an die Eltern von Fünftklässlern vor der Einschulung, zum sicheren Umgang mit Smartphones.

Schüler der Mittelpunktschule Hartenrod erklärten, das Projekt habe ihnen viel Spaß gemacht, nur das teilweise Desinteresse ihrer Mitschüler sei enttäuschend gewesen. „Das ist wirklich schade, weil das Thema so wichtig ist.“ Bisher hatten die ausgebildeten Schüler nur wenige Fälle zu bearbeiten. Die Vernetzung der vier Schulen untereinander soll die Arbeit weiter vorantreiben, zudem ist der Einsatz der Peer-Experten auch an anderen Schulen möglich.

Demnächst soll eine neue Schüler-Generation ausgebildet werden.

von Freya Altmüller


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