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Aufsichtsrat nicht unabhängig

Lehren aus dem VW-Skandal Aufsichtsrat nicht unabhängig

Welche Lehren können aus dem VW-Skandal für die Überwachung von Unternehmen gezogen werden? Diese Frage versuchten die Experten zu beantworten.

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Claus Döring (Chefredakteur der Börsen-Zeitung, von links), Professor Wolfgang Bessler (Uni Gießen), Professor Christian Strenger (Leipzig), Daniela Mattheus (Unternehmensberaterin bei Ernst & Young) und Professor Markus Roth (Uni Marburg) diskutierten.

Quelle: Heinz-Dieter Henkel

Marburg. Eingeladen dazu hatte die Doris- und Dr.-Michael-Hagemann-Stiftung unter Mitwirkung der Wissenschaftler der Marburger Forschungsstelle für Institutionenökonomie und der Fachschaft Wirtschaftswissenschaft an der Universität Marburg. Professor Marc Steffen Rapp, Lehrstuhlinhaber für BWL und Corporate­ Governance­ (CG) an der Uni Marburg, gab den mehr als 100 Besuchern, vornehmlich Studenten des Fachbereichs, einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des heutigen Weltkonzerns „Volkswagen“.

Der von Adolf Hitler initiierte­ Bau eines Volkswagens zu einem Preis von 1000 Reichsmark wurde mit beschlagnahmten Mitteln aus Gewerkschaftsvermögen noch in der Vorkriegszeit realisiert. Nach dem Kriege wurde das Unternehmen mit der Auflage eines großen Einflusses der Arbeitnehmervertreter (VW-Gesetz) an das Land Niedersachsen übergeben. Nachdem Ferdinand Piech 1993 als Vorstandsvorsitzender die Geschäftsführung übernommen hatte, wehte ein neuer Wind. Mit Jose Ignatio Lopez wurde auf „Just-in-time-Produktion“ umgestellt, um Kosten zu sparen. Mit der Ausrichtung, den VW-Konzern zum größten Autoproduzenten der Welt zu machen, wurden neue Risiken eingegangen, die Verkaufszahlen zu erhöhen, die schließlich 2015 zum „Dieselgate“ führten.

Hauptproblem ist, neutrale Personen zu finden

Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, leitete die anschließende Podiumsrunde. Die Diskussion um die Grundsätze der Unternehmensführung mit einem Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen (GC) durch die Aufsichtsratsmitglieder bei Kapitalgesellschaften sind in Deutschland noch nicht abgeschlossen, hieß es. Viel wesentlicher sei jedoch, ob die eigenen Grundsätze, des Wirtschaftens zum Wohle des Unternehmens und seiner Mitarbeiter nicht nur beschrieben, sondern auch durch Transparenz und Offenlegung nachgekommen wird.

Gerade im VW-Aufsichtsrat könne aber keines der Mitglieder als unabhängig bezeichnet werde. Entweder seien sie den beteiligten Eigentümerfamilien Piech oder Porsche zuzurechnen, stünden dem Land Katar als Miteigentümer nahe, oder seien Vertreter des Landes Niedersachsen. Gerade Politiker, welche die Interessen der Arbeitnehmer im Auge haben sollten, müssten an die nächsten Wahlen denken und seien in keiner Weise als unabhängig zu bezeichnen, meinte Daniela Mattheus.

Das Problem bestehe darin, neutrale Personen in den Aufsichtsrat gewählt zu bekommen, welche die Funktionen von Kontrolle und Offenlegung der Unternehmensgrundsätze übernehmen könnten. Aufgrund der Eigentümerstruktur sei dies gerade bei VW besonders schwer. Während in anderen Ländern wie Amerika die Aufarbeitung der „Diesel-Affäre“ in vollem Gange sei, wofür VW 18 Milliarden Euro veranschlagt hat, habe man von VW Deutschland noch nichts gehört.

Noch immer seien die Verantwortlichen für die größte ­Krise des Unternehmens nicht benannt worden.

von Heinz-Dieter Henkel

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