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Aufklärungs-Kritik auf dem Prüfstand

Philosophen-Tagung Aufklärungs-Kritik auf dem Prüfstand

Das Buch „Dialektik der Aufklärung“ der Sozialwissenschaftler Max Horkheimer und Theodor W. Adorno steht im Mittelpunkt einer Tagung der Philosophen an der Marburger Universität.

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Eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Die Ideale der Aufklärung“ findet seit Freitag im Uni-Hörsaalgebäude statt. Der Marburger Dietrich Schotte hielt einen Vortrag über „Bacon und die logischen Positivisten in der Dialektik der Aufklärung“.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Aufklärungs-Kritik und Aufklärungs-Mythen: Horkheimer und Adorno in philosophiehistorischer Perspektive“: Das ist der Titel der Tagung im Marburger Uni-Hörsaalgebäude. Im Mittelpunkt steht ein Kultbuch der 68er-Bewegung, das von den Protagonisten der Frankfurter Schule - den ­Sozialwissenschaftlern Max Horkheimer und Theodor W. Adorno bereits 1944 verfasst, jedoch erst 1947 veröffentlicht wurde.

„Die Ideale der Aufklärung - Emanzipation, Autonomie, Fortschritt, die Kritik überkommener Wahrheits- und normativer Geltungsansprüche - waren stets umstritten. Ihre wohl radikalste Infragestellung erfuhren sie jedoch in Horkheimers und Adornos ‚Dialektik der Aufklärung‘“, erläutert Professor Winfried Schröder (Marburg), Mitorganisator der Tagung.

Denn der 1947 publizierte Text sei weit mehr als ein philosophischer Klassiker. Er inspiriere vor allem seit der Neuauflage Ende der 60er-Jahre die Modernitäts- und Rationalitätskritiker bis heute. „Es gibt kein Buch, das so einflussreich ist, wenn es um die Sicht auf die Aufklärung gibt“, sagt Schröder. Darin werde ein sehr negatives und dunkles Bild der Aufklärung gezeichnet.

Eher verhängnisvolle Folgen

Die These von Horkheimer und Adorno habe gelautet, dass die Aufklärung, statt der Beförderung von Emanzipation und Humanität im Gegenteil eher verhängnisvolle Folgen gezeitigt habe. Diese These habe sich einerseits auf eine grundsätzliche Rationalitätskritik und andererseits auf eine Analyse der Philosophien von Autoren gestützt, die die beiden Sozialwissenschaftler als Protagonisten der Aufklärung einstufen: Francis Bacon, Spinoza, Immanuel Kant und den Marquis de Sade. Aufklärung im Sinne Horkheimers und Adornos sei aber nicht mit der gleichnamigen historischen Epoche gleichzusetzen, sondern sei vielmehr als ein von Anbeginn mit der abendländischen rationalen Kultur verbundenes Phänomen. Die fatale Natur der Aufklärung sei aber erst bei den Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts vollends zutage getreten und sei schließlich sogar in die faschistischen Ideologien des 20. Jahrhunderts gemündet.

Ist diese radikale These wirklich haltbar? Ein Ziel der Marburger Tagung ist es, dieses von Horkheimer und Adorno gezeichnete Gesamtbild der Aufklärung auf den Prüfstand zu stellen.

Zu diesem Zweck sind Spezialisten für Bacon, Spinoza, Kant und de Sade aus mehreren Ländern, darunter Frankreich und USA, nach Marburg gekommen. Auch soll ein Blick auf andere Philosophen geworfen werden, die wie etwa Bentham möglicherweise Horkheimers und Adornos Sicht bestätigen. Zudem kommen Autoren wie Moses Mendelssohn in den Blickpunkt, die Diagnosen gestellt haben, die einer „Dialektik der Aufklärung“ nahekommen.

Die wissenschaftliche Tagung, die der Marburger Philosophie-Professor Winfried Schröder zusammen mit seiner Kollegin Professorin Sonja Lavaert (Freie Universität Brüssel) organisiert hat, hat bereits am Freitag begonnen.

Schon bei mehreren anderen Tagungen zur Geschichte der Aufklärung haben das Archiv „Kant und die Aufklärung“ der Uni Marburg und die belgische Universität kooperiert. Auch dieses Mal wird die Tagung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert.

von Manfred Hitzeroth

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