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Aufgeweckte Spürnasen auf großer Suche

OP erfüllt Kindern Wünsche Aufgeweckte Spürnasen auf großer Suche

Wer liegt denn da im Wald versteckt? Was schnüffelt da durchs Gebüsch? Es sind die Rettungshunde vom THW, die „vermisste“ Kinder aufspüren. Am Samstag huschten zahlreiche kleine Zwei- und Vierbeiner durch den Cappeler Wald

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Die Suchtruppe mit Hündin Coco checkt noch einmal ihre Ausrüstung: Funkgeräte funktionieren, Karte ist eingenordet, die Kinder vollzählig. Also kann es los gehen. Wo sind bloß die anderen Hundeführerinnen hin?

Quelle: Ina Tannert

Cappel. Ein Knacken im Unterholz, aus einem Busch rumort es, über eine kleine Lichtung schießt blitzartig ein hoch konzentrierter Suchhund, leises Schnüffeln - und dann: aufgeregtes Bellen schallt durch den Wald. Mission erfüllt, vermisste Person gefunden.

Am 17. August trafen sich elf Jungen und Mädchen mit der Rettungshundestaffel des Technischen Hilfswerks Ortsverband Marburg (THW). Acht Hunde waren mit ihren Besitzern und Trainern mit von der Partie und zeigten den Kindern ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. Erste Station war der große Hof der THW-Zentrale in Marburg. Reihum stellten die Mitglieder der Hundestaffel ihre pelzigen Kollegen vor, erklärten Charakter, Aufgabengebiete und besondere Talente der Vierbeiner. Kinder und Hunde „beschnüffelten“ sich ausgiebig und erste Leckerlis wechselten heimlich den Besitzer.

Dann führten die Hunde ihr athletisches Können auf dem Trainingsparcours vor, kletterten über Leitern, balancierten auf Wippen und krochen durch Röhren. Rettungshunde müssen sich in schwierigem Gelände trittsicher bewegen können, erklärten die THW-Mitglieder.

Und vor allem ihren Hundeführern vertrauen, eine enge Bindung des Hund-Mensch Teams ist daher besonders wichtig. Alle Tiere der Staffel sind private Hunde und leben mit ihren Besitzern ganz normal in einem Haushalt zusammen. Die Hundeführer sind alle ehrenamtlich tätig und haben mit ihren Begleitern eine rund dreijährige Rettungshund-Ausbildung in den Kategorien Flächen-, Trümmersuch- oder Personenspürhunde absolviert. Ihre Talente führten sie den Kindern auch gleich im Cappeler Wald vor. Im „Einsatzgebiet“ angekommen, erhielten die Hunde ihre Arbeitskleidung - THW-Leuchtwesten, „Kenndecken“ genannt, mit Glöckchen dran. „Damit man sie als Rettungshunde erkennt“, folgerte Lena Bartsch (12 Jahre) aus Langenstein richtig. Damit sind sie im Dunkeln gut zu sehen und auch im dichtesten Unterholz zu hören.

Dann begann die erste große Suchübung. Abwechselnd machten sich die Kinder auf in den Wald, suchten sich besonders gute Verstecke und legten sich auf mitgebrachten Matten auf den Boden.

Die Suchteams warteten derweil am Waldeingang auf ihren Einsatz. Bevor es richtig los ging, wurde erst mal die Geheimwaffe Babypuder ausgepackt. „Wie bitte, Babypuder?“, wunderten sich die Kinder. Um die Windrichtung zu bestimmen und den Suchhund entsprechend anzusetzen, erklärten die Hundeführer. Anschließen hieß es „Leinen los“ für die vierbeinigen Retter, die es kaum noch erwarten konnten los zu legen und sich voller Eifer in die Arbeit stürzten. Die Führer gaben das Signal, die Hunde sausten los. Im Zick Zack ging es über Stock und Stein, unter Wurzeln hindurch, kreuz und quer über den Waldboden. Die feinen Hundenasen am Boden oder witternd in die Luft gereckt. Einen Rettungshund auf Mission darf man übrigens auf keinen Fall ablenken, ansprechen oder füttern erklärten die THW-Mitarbeiter. „Er muss sich konzentrieren“, verstand Nils Textor (6 Jahre) aus Marburg gleich. Rund fünf bis zehn Minuten lang dauerten die einzelnen, rasanten Suchaktionen. Lautes Gebell verriet den Anwesenden den Erfolg der flinken Retter.

„Die Hunde waren super“, lachte Nele Thomsen (8 Jahre) aus Marburg, die von Golden-Retriever-Hündin Klara „erschnüffelt“ wurde.

„Flächenhunde“ laufen ohne Leine bei der Suche

Die Flächenhunde, die sich in einem großflächigen Gebiet auf die Suche begeben, laufen übrigens immer ohne Leine frei umher. Da sie wesentlich schneller als Menschen sind, spart dies eine Menge wertvolle Zeit. Der Hundeführer folgt seinem pelzigen Kollegen so gut er kann. Findet der „Schnüffler“ eine auffällige Person, die sich untypisch verhält, zeigt er dies durch lautes, stetes Bellen an. Dieses anstrengende Verhalten, „Verbellen“ genannt, hält er so lange durch, bis der Hundeführer hinzu kommt und erste Hilfe leisten kann. Ausnahme dabei war Klara. Die Hundedame bellt nicht gerne, daher hat Besitzerin Carina Birx mit ihr eine andere Anzeige-Methode trainiert. Wenn Klara eine Person gefunden hat, bellt sie nicht, sondern rennt zu Carina und springt sie aus vollem Tempo an, als Zeichen, dass sie etwas gefunden hat, und läuft wieder zurück. Diese Methode wird „Selbstverwalter“ genannt. Hundedame Amy, ein slowenischer Jagdhund, stöberte Anne Thomsen (12 Jahre) aus Marburg in einer Kuhle im Wald auf. Die Hundeführer fragten nach: Warum hat Amy dich jetzt angezeigt? „Weil ich auf dem Boden lag“, erkannte Anne sofort. Genau, denn das ist ein untypisches Verhalten, auf das die Hunde gelernt haben zu reagieren. Auch alle anderen „entlaufenen“ Kinder konnten von der Hundestaffel wieder eingesammelt werden. Als Belohnung bekamen die fleißigen Sucher besondere Leckereien zu fressen und ihr liebstes Spielzeug. Denn auch wenn es für die Menschen bei einer Rettungsaktion eventuell um Leben und Tod gehen kann, ist die Suche für die Hunde “nur“ ein Spiel.

Im Anschluss führten die THW-Mitglieder gemeinsam mit den Kindern eine professionelle Suchaktion durch. Mitsamt wichtiger Ausrüstung wie Wasser, Schreibuntensilien, Landkarte, Beschreibung der vermissten Person, Funkgeräte um mit der Einsatzleitung Kontakt halten zu können, Hundeleckerli und Spielzeug. Anne übernahm die Karte und bestimmte das Suchgebiet. Die erfahrene Labrador-Dame Coco wurde als Rettungshund bestimmt. „Einsatzleitung von Team Coco bereit“, übermittelte Funkhelfer Leon Schmidt (9 Jahre) aus Wenkbach an die Leitstelle. „Hund wird zur Suche eingesetzt“. Und schon rennt Coco davon, durchstöbert den Wald, wo und wer die gesuchte Person ist, weiß niemand. „Das schaffst du Coco“, feuert Jason Luca Heller (6 Jahre) aus Stadtallendorf die Hündin an. Gemeinsam zieht die Gruppe durch das Gelände, versucht den schnellen Suchhund nicht aus den Augen zu verlieren. Dann plötzlich - Gebell. Coco hat etwas gefunden. „Anzeige“ rufen alle und laufen los. An einem steilen Hang liegt die „verletzte“ Hundeführerin Nicole Hetzel. Die Kinder rufen die Einsatzleitung samt „Rettungswagen“ und lotsen die Helfer zum Unfallort. „Wir beenden nun die Suche“, kann Funker Leon die erfolgreiche Mission beenden. „Das hat mir super gut gefallen“, freute sich Verena Schwitalla (12 Jahre) aus Ronhausen über die spannende Suchaktion.

Schließlich konnte ein weiterer Star der Hundestaffel seinen feinen Spürsinn vorführen. Vizsla-Rüde Pepe, ein ungarischer Vorstehhund, ist voll ausgebildeter „Mantrailer“, von denen es nur eine Handvoll in ganz Hessen gibt, beim THW bundesweit nur diesen einen. Diese Personenspürhunde sind in der Lage dem individuellen Geruch einer bestimmten Person über weite Strecken zu folgen. Gemeinsam mit Teampartnerin Diana Reintjes zeigte Pepe seinen erstaunlichen Geruchssinn.

Anfangs war er durch die anwesenden Kinder und verschiedenen Gerüche etwas verwirrt, schnüffelte aufgeregt mal hier mal dort, fand jedoch schließlich die richtige Spur. Quer durchs Gebüsch zog er seine Besitzerin, verfolgte hochkonzentriert die Fährte. Nach einigem hin und her gelangte er ans Ziel und stöberte erfolgreich die „vermisste“ Kollegin auf. Zum Abschluss der Aktion gab es für die Kinder noch eine Schatzsuche im Wald per GPS-Gerät, die nach erfolgreicher Ortung ihren Schatz bestehend aus Süßigkeiten mit nach Hause nehmen durften.

UNSER PARTNER: Die Rettungshundestaffel des Technischen Hilfswerks Marburg: Das Technische Hilfswerk (THW) leistet seit 1950 im Auftrag der Bundesrepublik technische Hilfe bei Katastrophen, öffentlichen Notständen und Unglücksfällen im In- und Ausland. In Marburg haben sich rund 80 ehrenamtliche Helfer zu dem freiwilligen Dienst im Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz verpflichtet.

Das THW besteht aus verschiedenen Abteilungen, mit unterschiedlichen Aufgabengebieten. Die Fachgruppe Ortung setzt geprüfte Rettungshunde und technische Ortungsgeräte zur Lokalisierung von Personen ein, die nach Unglücksfällen vermisst werden. Dies können Unfallopfer, ältere oder demenzkranke Personen, verirrte oder verwirrte Personen, sowie Kinder und Personen mit Suizidabsichten sein. Die Einheit der Rettungshundestaffel hilft hier bei der Suche nach vermissten oder verschütteten Personen. Durch ihr hervorragend ausgeprägtes Gehör und feinen Geruchssinn eignen sich Hunde besonders gut bei der Suche.

Das Team besteht zurzeit aus acht ehrenamtlichen, speziell geschulten Rettungshundeführern und zehn Hunden. Die Mitglieder haben sich freiwillig verpflichtet, zu jeder Tages- und Nachtzeit in Bereitschaft zu sein. Beim THW Marburg gehen jährlich rund zehn bis zwölf Alarmierungen zur Personensuche ein.

Dabei werden die Rettungs-, Trümmer- und Personensuchhunde als erste eingesetzt. Die dreijährige Ausbildung der Hund-Mensch-Teams umfasst unter anderem die Bereiche Hundeausbildung, Einsatztaktik, Kartenkunde und natürlich auch Erste Hilfe.

von Ina Tannert

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