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Auferstehung aus Ruinen?

"Wasserschlösschen" Auferstehung aus Ruinen?

Im Juni soll mit der Fertigstellung der Bauruine in Gisselberg begonnen werden. Das versicherte der Bauherr Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) am Freitag in einem persönlichen Gespräch.

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Die Bauruine „Wasserschlösschen“ ist im Ortsteil Gisselberg seit vielen Jahren ein Ärgernis für die Anwohner.

Quelle: Thorsten Richter

Gisselberg. Schon in der übernächsten Woche sollen Aufräumarbeiten an der Baustelle beginnen, auch neue Baumaterialien seien laut Bauherr Nihat Aslan bereits bestellt. Nach dem „positiven Gespräch“ am Freitag, verabredete das Stadtoberhaupt weiterführende Unterredungen für den September. Nachdem Aslan „signalisiert hat, dass es weitergeht“, müsse man nun abwarten „ob es auch positiv ausgeht“, so Vaupel.

Die Bauruine, auch „Wasserschlösschen“ genannt, steht seit 1998 unberührt am Ortseingang von Gisselberg und stellt seitdem aus Sicht vieler Anwohner einen Schandfleck an Marburgs südlichem Einfalltor dar. Aslan war damals ins Ausland verschwunden.

Dr. Franz Kahle (Grüne) hatte schon im Bauausschuss am Donnerstagabend verkündet, dass Aslan auf den Magistrat zugekommen sei. So gebe es „im Hintergrund ernsthafte Bemühungen“ das Projekt wieder aufzunehmen. In einer E-Mail an den Magistrat, die der OP vorliegt, hatte Brigitte Aslan, Frau des Bauherrn und Eigentümerin des Grundstücks, am Montag, 18. Mai um einen Erlass von Kanalbenutzungsgebühren sowie deren Säumniszuschläge aus dem Jahr 1999 in Höhe von 6000 DM, also rund 3000 Euro  gebeten. „Nach unserem langjährigen Auslandsaufenthalt mussten wir jedoch leider feststellen, dass die durch Sie eingetragene Sicherungshypothek in Höhe von zirka 6000 DM  immer noch eingetragen ist“, heißt es in dem Schreiben.

Baugenehmigung läuft nur noch knapp zwei Jahre

Dadurch sei „ein nicht unerheblicher finanzieller Schaden und somit die Verzögerung der Fertigstellung des Wohn-  und Geschäftshauses“ entstanden. Bedauern über die 17 Jahre lang unbefriedigende Situation kommt in der E-Mail nicht zum Ausdruck. Weiter heißt es dort: „Da bereits erfolglose Vollstreckungsmaßnahmen Ihrerseits eingeleitet worden sind, bitten wir um eine baldige wohlwollende Beurteilung, damit überhaupt die Fertigstellung gemäß der neu erteilten Baugenehmigung vom 11. September 2013 umgehend durch unsere Investorengruppe in die Wege geleitet werden kann.“ Aslan war gestern für die OP leider nicht erreichbar.

Wie Kahle im Bauausschuss erläuterte, läuft die Baugenehmigung noch knapp zwei Jahre. In dieser Zeit hat die Stadt keine Handhabe gegen den Investor. Sollte sie eine Zwangsvollstreckung einleiten, würde sie daraus selbst kein Geld erhalten, da sie nicht der größte Gläubiger ist. „Es ist eine Abwägung, wie viel wir in eine solche Zwangsvollstreckung investieren wollen, ohne etwas wiederzubekommen“, so Kahle. Sollte sich trotz der neuen Hoffnungen nichts an dem Gebäude tun, sei das aber „vielleicht irgendwann die einzige Möglichkeit“.

Der Antrag der Fraktion Die Linke wurde im Bauausschuss verändert und dann einstimmig  zur Annahme empfohlen. Im ursprünglichen Antrag sollte die Stadt aufgefordert werden, dem Eigentümer eine „letzte Frist“ zu setzen und die Ruine andernfalls abzureißen. In der abgeänderten Version soll der Magistrat nun lediglich „darauf hinwirken, dass die Situation um die Bauruine zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt wird“.

von Peter Gassner

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