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Auf diese Steine kann Marburg bauen

Stadtentwicklung Auf diese Steine kann Marburg bauen

Jahr für Jahr strömen immer mehr Studenten nach Marburg. Die Einwohnerzahl hingegen sinkt. Ein Expertenteam aus Bochum soll nun auf Ursachenforschung gehen.

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Dicht an dicht durch die Oberstadt: Knapp 87 000 Menschen wohnen in Marburg. Wie es in Zukunft aussehen wird, das will das Institut InWis herausfinden.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Etwas mehr als 86890 Menschen lebten 2012 in Marburg. 2008 waren es noch mehr als 89242. Was bedeutet diese Entwicklung in Zeiten von Rekordstudentenzahlen für die Stadtverwaltung, ist die Universitätsstadt kein Ort, wo es sich gut leben lässt? „Das hat damit nichts zu tun“, sagt Stadtentwicklungsreferent Wolfgang Liprecht. Die Ursache für den Rückgang habe mehrere Gründe.

  • Nicht jeder Student, der nach Marburg kommt, wohnt auch in Marburg.
  • Die Bereitschaft, Studenten in der Wohnung aufzunehmen, sei nur noch gering.
  • Die Wohnfläche pro Einwohner steige, der benötigte Platz, um den Trend auszugleichen, werde durch geringe Wohnungsbautätigkeit nicht erreicht.

Mehr Studenten in der Stadt bedeutet also nicht gleich steigende Einwohnerzahl. Was genau auf den Marburger Wohnungsmarkt in den kommenden Jahren zukommen wird, diese Frage stellt sich das Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung, kurz InWis. Das Forschungs- und Beratungsinstitut aus Bochum gilt als führend auf dem Gebiet Stadtentwicklung und hat schon mit zahlreichen Städten und Kommunen zusammen gearbeitet. „InWis gehört zu den besten Adressen Deutschlands. Ich verspreche mir eine sachliche Aufarbeitung in der Breite und ein fundiertes Bild des Marktes mit seinen Herausforderungen“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD).

Ein Thema, für das er kein Expertenteam braucht, die Debatte um günstigen Wohnraum in zentraler Lage und barrierefrei. Davon gebe es in Marburg zu wenig und dafür müssten Lösungen gefunden werden. Und dafür soll auch die InWis Alternativen außerhalb des Stadtkerns aufzeigen.

Drei Bausteine für eine bessere Lebensqualität

„Die Untersuchung soll die Ausgangslage erläutern, den Blick in die Zukunft richten und Empfehlungen zu geeigneten Instrumenten enthalten, mit denen die Wohnungspolitik weiter entwickelt werden kann“, heißt es von dem Bochumer Unternehmen.

Grundsätzlich soll die Wohnqualität in Marburg weiter entwickelt werden, zumal sich nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Anforderungen an das Wohnen ändern würden.

Das Forschungsinstitut geht im Baukastensystem vor. Schritt Nummer eins: Wie ist der Stand der Dinge? Bei der Situationsanalyse greift das Unternehmen auf Daten vom Statistischen Bundesamt zu, um einen Überblick der bisherigen Einwohnerentwicklung anzufertigen.

Ökonomische Bedingungen wie Kaufkraft und Arbeitslosigkeit spielen ebenso eine Rolle wie das Pendlerverhalten. Dazu kommen Werte von der Mietpreisentwicklung, regionale Vergleiche und auch der Bestand, also wo welche Art von Wohnung oder Haus zur Verfügung steht. Wichtiger Bestandteil der Situationsanalyse wird auch die Frage nach öffentlich gefördertem Wohnraum mit Sozialbindung sein sowie die Quote an altersgerechten, barrierefreien Wohnungen sein. Kurzum: die InWis will umfangreiches Material liefern, woran es in Marburg hapert und was die Ursachen dafür sind.

Auf diesen Ergebnissen basiert Baustein Nummer zwei : Hierbei geht es um die Prognosen und die zukünftigen Anforderungen. Dazu berücksichtigen die Experten Bevölkerungsprognosen, also zum Beispiel die zunehmenden Alterung der Einwohner und das studentischem Wanderungsverhalten. Daraus werden Empfehlungen ausgesprochen, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Die Stadtverwaltung kann daraus Rückschlüsse für neue Bauprojekte schließen und entsprechend auf jeweilige Bedarfe reagieren.

Von Prozessbeginn an, so sieht es das Bochumer Institut vor, werden die Entscheidungsträger von Verwaltung, Wohnbaugesellschaft und Politik mit in die Diskussionen eingebracht. „Das Know-how der handelnden Akteure fließt von Anfang an ein“, heißt es in dem Angebot an die Stadt. Ziel sei es, detaillierte Untersuchungsergebnisse über den Markt, über die Nachfrage sowie Zielgruppe sowie über zukünftige Trends den Akteuren zu vermitteln, die daraus für sich und ihr Unternehmen oder Verwaltung Rückschlüsse ziehen können. Das wäre dann Baustein Nummer drei : Entwicklung von Empfehlungen und Maßnahmen.

Um die Koordination des Projekts kümmert sich Sonja Borchard. Die Geografin steht in ständigem Austausch mit der Verwaltung, hat das Grundkonzept auf Marburg zugeschnitten. Besonders spannend dürften die Empfehlungen sein, wie der sinkenden Nachfrage am Stadtrand entgegen gewirkt werden soll. Denn eins ist klar: Der Wohnraum im Zentrum ist beschränkt, Platz für Neubau gibt es nahezu keinen. Es sollen Strategien für die Erneuerung von Wohnungsbeständen und Weiterentwicklung bestehender Wohngebiete entstehen. Das Ganze, so betont es das InWis, könne nur ein Auftakt für einen strategischen Planungsprozess darstellen.

Für Egon Vaupel ist das InWis-Konzept vor allem eins: ein Papier, mit dem fundiert die Zukunft des Wohnungsmarktes geplant werden kann, ohne in Hektik zu verfallen und Millionen von Euro auszugeben. „Die Analyse wird uns zeigen, wohin der Weg Marburgs führen wird.“

von Carsten Bergmann

Hintergrund

Einwohnerentwicklung Marburg (Hauptwohnsitz/Nebenwohnsitz)

  • 2001: 86 916 (77 782 / 9 134)
  • 2002: 87 341 (77 916 / 9 425)
  • 2003:  86  296 (76 812  / 9 484)
  • 2004: 86 150 (77 507 / 8 643)
  • 2005: 87 141 (78 326 / 8 815)
  • 2006: 89 045 (80 275 / 8 770)
  • 2007: 89 065 (80 746 / 8 319)
  • 2008: 89 242 (81 242 / 8 000)
  • 2009: 88 724 (80 783 / 7 941)
  • 2010: 88 396 (80 450 / 7 946)
  • 2011: 87 512 (79 603 / 7 909)
  • 2012: 86 890 (79 110 / 7 780)
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