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Auf dem Weg in die autofreie Innenstadt?

Stadtparlament Auf dem Weg in die autofreie Innenstadt?

Wenn in Marburgs Parla­ment über Verkehrspolitik diskutiert wird, wird es immer grundsätzlich - so auch am Freitagabend.

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Vorerst letzter Auftritt als CDU-Fraktionsvorsitzender: Philipp Stompfe verabschiedete sich mit einer Grundsatzrede.Foto: Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Ich möchte, dass Marburg so wird wie der FC Bayern, der hinten keine Eigentore schießt und vorne trifft“, charakterisierte der scheidende CDU-Fraktionsvorsitzende Philipp Stompfe seine Grundsatzhaltung in der Verkehrs­politik. Wegfallende Parkflächen müssten kompensiert werden. Nach dem Beginn der Voruntersuchungen auf dem Campusgelände müsse jetzt schnell entschieden werden. Einen Ideen­wettbewerb für die Gestaltung eines Parkhauses zwischen Stadthalle und Hörsaalgebäude, wie von Dr. Hermann Uchtmann (MBL) gefordert, lehnte Stompfe deswegen ab. Das dauere zu lange, sagte Stompfe, der der Koalition vorwarf: „Rot-Grün will die autofreie Innenstadt etablieren!“. Und Manfred Jannasch (CDU), selbst Geschäftsmann, machte die einfache Rechnung auf: „Keine Parkplätze, keine Kunden in die Innenstadt“.

Immerhin wog dieser Vorwurf schwer genug, dass gleich zwei Magistratsmitglieder in die Debatte eingriffen: Bürgermeister Dr. Franz Kahle sagte, moderne Städte müssten nicht zu jeder Zeit kostenlos mit dem Auto erreichbar sein. Kahle plädierte dafür, gegebenenfalls vorhandene Parkflächen unter die Erde zu verlegen, aber nicht zusätzliche. Die Innenstadt sei von den UB-Parkplätzen und dem Marktdreieck komfortabel zu Fuß zu erreichen. Oberbürgermeister Egon Vaupel ergänzte, kostenfreie Parkplätze in der Innenstadt hätten nichts mit deren Attraktivität zu tun. „Sie werden Kunden nur vom Erlebniseinkauf abbringen, wenn Sie Aufenthaltsqualität in der Innenstadt schaffen.“ Henning Köster (Marburger Linke) argumentierte in eine andere Richtung: Eine Tiefgarage sei nur dann sinnvoll, wenn klar sei, was mit dem frei werdenden Raum geschehen solle. „Es fehlt ein Gesamtkonzept für den Verkehr“, sagte Köster, der damit nicht nur Pkw, sondern auch Radfahrer und Fußgänger meinte.

Nicht repräsentative Stichprobe der OP am Freitagabend nach Ende der Verkehrsdebatte: Die 170 Schlachthofparkplätze waren gegen 19 Uhr, nach Ende der Rush hour, zu etwa zwei Dritteln belegt. Im Parkhaus gegenüber waren noch 150 Plätze frei. Ab Montag, wenn 130 Plätze weniger da sind, könnte es knapp werden.

von Till Conrad

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