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Auch ohne Hof geht‘s weiter

Milchviehwirtschaft Auch ohne Hof geht‘s weiter

Helmut Kükemück ist raus aus dem Geschäft mit der Milch. Der 59-jährige Ex-Landwirt aus Bad Gandersheim (Niedersachsen) berichtete auf einer Tagung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen im Schloss Rauischholzhausen vor Milcherzeugern, wie er seinen Betrieb aufgrund roter Zahlen aufgeben musste.

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Manche Milchbauern geben ihren Hof wegen des Kostendrucks auf.

Quelle: Nadine Weigel

Rauischholzhausen. 2014 verkaufen Helmut Kükemück und Familie ihre Betriebsanteile an die zwei verbleibenden Partner in der GbR, die Kükemück fast 20 Jahre geleitet hat. „Weniger ist mehr – die Lebensqualität steigt nicht proportional zur Betriebsgröße“, weiß der Ex-Landwirt heute. 

Ein Stück weiter zurück in die Vergangenheit. 2004 fällen Kükemücks ( Foto: Becker) die Entscheidung, in die Milchviehwirtschaft zu investieren. „Damals hatten wir 140 Kühe – drei Familien mussten davon leben, und es reichte auch mit weiteren Einkünften aus anderen Tätigkeiten nicht aus.“ Der Betrieb wächst von 140 auf 400 Kühe. „Wir haben vergrößert, statt in eine andere Technologie zu investieren. Wir haben unser Geld nur im Kleinen in Biogas gesteckt und im Großen in die Kühe.“

Es kommt zu Schwierigkeiten. „Das erste Jahr nach der Erweiterung hätten wir gebraucht, um Kapital für die Rückzahlungen zu bilden.“ Doch der Milchpreis ist im Keller. „16 Cent, da können Sie heute noch froh sein.“ Die Kühe verfehlen die erwartete Leistung. Sie fressen verdorbenes Futter – die Eutergesundheit leidet, die Milchmenge geht zurück. Der Betrieb verfehlt seine Wirtschaftsziele dauerhaft, kommt mit den Rückzahlungen an die Bank nicht hinterher. Die Kükemücks arbeiten 15 bis 16 Stunden am Tag. Der Druck wächst – und die Bank sagt: „Irgendetwas muss jetzt passieren.“ 

Schließlich gibt die Familie auf. „Dieser Komplettausstieg, das war schon ein Schlag fürs Ego. Aber es geht weiter“, sagt Helmut Kükemück. Inzwischen ist er vollzeitbeschäftigt bei einem Sicherheitsdienst. „Wir haben unser Häuschen und unseren Wald und arbeiten, um unsere Hobbys zu finanzieren“, sagt er und trauert dem Arbeitstag als Landwirt, der um vier Uhr morgens begann, nicht länger hinterher. „Jetzt haben wir Freizeit, das hatten wir früher nicht.“

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