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Auch Pflegende brauchen Unterstützung

Symposium für Palliativmedizin Auch Pflegende brauchen Unterstützung

Häusliche Pflege besser bewältigen – diesen Schwerpunkt hatte sich das Symposium für Palliativmedizin und Hospizarbeit gesetzt.

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Hunderte Pfleger füllten das Audimax – den größten Raum im Hörsaalgebäude der Philipps-Universität.

Quelle: Pascal Ertl

Marburg. Wie schon in den Jahren zuvor fand das 7. Symposium für Palliativmedizin und Hospizarbeit gleichzeitig am Hessischen Palliativtag statt, der von der Landesarbeitsgemeinschaft Palliativversorgung Hessen (LAPH) hervorgebracht wurde und dieses Jahr zum zehnten Mal begangen wurde.

Mehrere hundert Teilnehmer meldeten sich für die Veranstaltung an, die in diesem Jahr den Titel „Wie sollen wir das durchhalten?“ trug. Entsprechend dieser Frage wurde der Fokus des diesjährigen Zusammenkommens besonders auf den Pfleger und weniger auf den Patienten gerichtet.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Konferenz der Palliativmedizin, also der Pflege von Menschen in der Sterbephase, fanden Vorträge und Workshops statt, die vor allem Menschen ansprechen sollten, die selbst in häuslicher Pflege einen sterbenden Menschen versorgen. Unter den Anwesenden waren auch zahlreiche Ärzte sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Hospiz- und Palliativdienste.

Hilfestellung für unerwartete Pflegesituationen

Die Themen der Workshops waren hauptsächlich für die Hilfe von Angehörigen pflegebedürftiger Menschen ausgerichtet. So lernten die Teilnehmer, wie man beispielsweise innerhalb einer Familie Trost spenden oder Angehörige in die Pflege mit einbeziehen kann.

Neben den praktischen Workshops konnten die Teilnehmer in Vorträgen ihren Wissensstand bezüglich Palliativmedizin auf eine verständliche Art und Weise vertiefen. Dadurch sollte vor allem Menschen, die unvorbereitet in eine Pflegesituation eines Angehörigen geraten sind, Hilfestellung geboten werden.

Der Vereinsvorsitzende, Dr. Hans Albrecht Oehler, unterstrich dieses Ziel des Symposiums in seiner Auftaktrede: „Die unerwartete Last der Pflege wird meist von Angehörigen in einem erheblichen zeitlichen Umfang getragen, wie es keine professionelle Pflegekraft leisten könnte.“

Abwegung zwischen Schaden und Nutzen

Oehler legte den Teilnehmern nahe, dass es meist der Pflegende ist, der mehr Unterstützung als der Sterbende braucht. Private Pfleger seien ständig mit der Angst des Scheiterns konfrontiert und hätten zudem die Stabilität in der Familie zu gewährleisten. Aus den Vorträgen und Workshops, so der Vorsitzende, könnten deshalb gerade die häuslichen Pfleger profitieren.

Dr. Birgitt van Oorschot, die Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Würzburg, gab den Pflegenden anschließend einige Denkanstöße mit. So sei in der Pflege immer zwischen Schaden und Nutzen abzuwägen. „Pflegende sollen ermutigt werden, Hilfe anzunehmen“, so Oorschot. Zunehmende Wichtigkeit sprach die Palliativmedizinerin dem bewussteren Einsatz von Medikamenten in verschiedenen Stadien des Sterbens zu. Auf private Wünsche des Patienten bezüglich des Pflegeumfeldes müsse der Pfleger weitgehend Rücksicht nehmen.

Auch Dr. Stefan Bösner, Hochschullehrer für Allgemeinmedizin, begrüßte die Initiative des Vereins, das Thema der Pflege an die Universität heranzutragen. Finanziert wurde die Veranstaltung von Sponsoren aus der Pharmaindustrie.

von Pascal Ertl

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