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Attac-Auktion im Herzen der Stadt

"Kommunen unterm Hammer" Attac-Auktion im Herzen der Stadt

Mit „Kommunen unterm Hammer“ positionierte sich Attac gegen Privatisierung. Vorher hatte Attac im Kaufhaus Ahrens gegen die „Transatlantische Handels- und Interventionspartnerschaft“ (TTIP) demonstriert.

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Im Zentrum des Geschehens: Attac-Mitglied Gabriel hat gerade das Marburger Rathaus versteigert.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Für die Vertreter der Großunternehmen „Krasser-Killer-Konzern“ (KKK), „Fies-Globaler-Mega-Multi“ (FGMM) und „Multi-Billion-Corporate“ (MGC) war es ein guter und äußerst lukrativer Tag. Denn seit Freitag sind das Rathaus, der Markplatz und die Stadtwerke privatisiert, aufgeteilt unter den Großunternehmen. Auf der anderen Seite war es ein dunkler Tag für die Marburger Bevölkerung, denn fortan ist das Betreten von Rathaus und Marktplatz kostenpflichtig.

Zum Glück ist das Ganze nur ein Sketch von Attac, dessen Sommerakademie seit Mittwoch in Marburg stattfindet (die OP berichtete). Die Aktion heißt „Kommunen unterm Hammer“.  Aus Sicht von Attac hat das sarkastische Schauspiel allerdings einen wahren Kern. „Natürlich sind KKK, FGMM und MBC erfundene Unternehmen. Aber wir haben hierzulande häufig das Problem, dass Gewinne privatisiert und Verluste verstaatlicht werden. Diese Aktion ist also ein überspitztes Horrorszenario“, erklärte Attac-Mitglied Fabian Scheidler.

Im Zentrum des „Horrorszenarios“ stand Attac-Mitglied Gabriel, der in der Rolle als Auktionator in bester Marktschreier-Manier das „Tafelsilber Marburgs“ verscherbelte. „Die Kassen der Kommunen sind leer, und die Schuldenbremse greift. Neues Geld muss her“, meinte Gabriel mit süffisantem Lächeln.

Mithilfe illegaler Preisabsprache teilten KKK, FGMM und MGC die „Beute“, wie es einige empörte Attac-Mitglieder nannten, unter sich auf.

An Zuschauern fehlte es der Auktion nicht: Viele Passanten blieben auf dem Marktplatz stehen, um das Spektakel zu verfolgen. Auch die Gäste der Cafés konnten ihre Blicke kaum vom lautstarken Treiben lösen.

Vor der Versteigerung auf dem Marktplatz suchte die Attac-Gruppe das Kaufhaus Ahrens mit einem „Flashmob“ heim, um auf das Freihandelsabkommen TTIP, das zurzeit zwischen der EU und den USA verhandelt wird, aufmerksam zu machen. Das ging für fünf Minuten gut, denn zunächst wandelten die rund 100 Frauen und Männer stumm zwischen den Regalen umher.

Doch dann begann die Gruppe damit, lautstark Parolen wie „Stoppt TTIP!“ zu rufen und mit Trillerpfeifen für einen ohrenbetäubenden Lärm zu sorgen.

Der Trubel rief Ulrich Mücke von der Geschäftsführung des Kaufhauses auf den Plan. „Ich habe im Grunde überhaupt nichts gegen solche Aktionen. Aber der Spaß hört natürlich auf, wenn unsere Kunden beim Einkauf gestört werden“, sagte Mücke, der den Mob freundlich bat, das Geschäft zu verlassen – und der Mob gehorchte.

Den Sinn der Aktion erklärte Attac-Mitglied Fabian Scheidler: „Die Bestimmungen des Freihandelsabkommen TTIP sind ein direkter Angriff der Bundesregierung auf kleine und mittlere Unternehmen, zu denen auch Ahrens gehört. TTIP nützt wieder einmal nur den Großkonzernen.“

Kaufhäuser wie „Ahrens“ müssten sich zusammenschließen und sich gegen TTIP wehren, so Scheidler.

von Benjamin Kaiser

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