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Asthma: Neuartiges Therapiekonzept

Forschung Marburg Asthma: Neuartiges Therapiekonzept

Ein neuer Wirkstoff aus Marburg hat sich in einer ersten klinischen Studie an Menschen als wirksam gegen allergisches Asthma erwiesen.

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Jens Kuhlmann, Diplomingenieur der Biotechnologie, einer der Mitarbeiter  der Firma „Sterna Biologicals“, arbeitet in einem Labor auf den Lahnbergen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Über den Zwischenerfolg der Forschungen berichtet ein Autorenteam um den Marburger Mediziner Professor Dr. Harald Renz von der Philipps-Universität Marburg in der Onlineausgabe der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ vom 17. Mai. Demnach  schwächten sich die Beschwerden von Asthma­patienten um bis zu 34 Prozent ab, wenn sie das Präparat SB010 nahmen. Der speziell auf die Erkrankung zugeschnittene Wirkstoff ist aus jahrelangen Forschungen von Renz und seinem Team hervorgegangen.

Asthma ist mit zirka 300 Millionen Betroffenen eine der häufigsten Krankheiten weltweit. Auch die Krankheitsfolgen sind oftmals sehr belastend. „Die Therapie schwerer Verlaufsformen des allergischen Asthmas ist zurzeit noch unbefriedigend“, erklärt Harald Renz, der das Institut für Laborato­riumsmedizin an der Philipps-Universität Marburg leitet. „Dies macht ein neuartiges Therapieprinzip erforderlich“.

„Unser Wirkstoff SB010 ist das erste Beispiel einer völlig neuen Wirkstoffklasse, der DNAzyme“, erläutert Renz. Darunter versteht man künstliche DNA-Moleküle, die enzymatisch aktiv sind. SB010 hemmt das Protein „GATA 3“, das eine Entzündung auslöst und damit für die typischen Asthmasymptome verantwortlich ist. Die Entdeckung der Bedeutung von TH2-Zellen als Auslöser der Krankheit bei einer großen Zahl von Asthma-Patienten war eine der Voraussetzungen, um die Forschungen voranzutreiben. „Das sind Immunzellen, die der Organismus benötigt, um Infektionen mit Parasiten zu verhindern“, erläutert Renz. Bei den Asthmatikern richtet sich die Aktivität der TH2-Zellen gegen Hausstaubmilben, Pollen oder bestimmte Nahrungsmittel. Dass der Organismus auf den Kontakt mit den Allergenen mit Keuchen, Husten oder Atemnot reagiert, erklärt Renz als eine „Fehlregulation des Immunsystems“. Denn die TH2-Zellen würden fälschlicherweise Entzündungsprozesse im Körper auslösen.

Dann habe man entdeckt, dass in diesen Zellen bestimmte Transkriptionsfaktoren für die Auslösung der Entzündung verantwortlich sind. Diese Proteine sind spezielle „Schalter“, mit denen Gene aktiviert oder blockiert werden können.

Arbeitsgruppe forscht seit Ende der 90er Jahre

Die Idee des Forscherteams unter der Leitung von Professor Renz war es, an dem Transkriptionsfaktor  „GATA 3“, also direkt an dem Schlüssel  für die Auslösung von allergischem Asthma, anzusetzen. Der dafür gefundene Wirkstoff beruht auf einem DNAzym, einem synthetisch hergestellten DNA-Molekül mit Enzymaktivität. Es hat die Eigenschaft sich in der Zelle an eine „Boten-RNA“ zu binden die als Basis für die Herstellung des Transkriptionsfaktors dient, und diese RNA mittels Spaltung zu deaktivieren und somit die allergische Reaktion kurzzeitig abzumildern.

Nachdem in jahrelanger Kleinarbeit in der Forschung an Zellkulturen im Labor das  ideale  DNAzym gefunden wurde, war auch der Weg für die klinischen Studien bereitet, um ein anwendungsreifes Medikament zu generieren.
Die Arbeitsgruppe von Renz forscht seit Ende der 90er Jahre an einer solchen Behandlungsoption. Seit dem Jahr 2007 werden die Arbeiten vom Marburger Biotech-Unternehmen „Sterna Biologicals“ fortgeführt, einer Ausgründung von Wissenschaftlern Marburger Universität.

In den vergangenen 20 Jahren sind weltweit nur zwei neue Asthma-Medikamente so weit entwickelt worden, dass sie zugelassen wurden. Es besteht also Nachholbedarf, erläutert Renz. „Es hat lange gedauert, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen“, erklärt der Allergieforscher. Aufgrund der Ergebnisse der Grundlagenforschung sehen die Marburger Forscher aber  Ansatzpunkte für die Entwicklung von Medikamenten. „Es war die Frage, ob es eine Möglichkeit gab, intelligenter anzugreifen als mit dem Wirkstoff Cortison“, erläutert Renz. Zwar sei die Gabe von Cortison als Anti-Asthma-Wirkstoff bei 80 Prozent der Patienten eine Erfolgsgeschichte. Allerdings helfe es bei rund 20 Prozent der Patienten – vor allem bei schweren und mittelschweren Fällen – nicht.

von Manfred Hitzeroth

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