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Asteroid „Marburg“ zieht ruhig seine Kreise

Tag der Asteroiden Asteroid „Marburg“ zieht ruhig seine Kreise

Einmal im Jahr, am heutigen Asteroidentag, sollen wir nach oben schauen und uns vergegenwärtigen, wie verletzlich die dünne Atmosphärenhülle der Erde und das Leben darunter ist.

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Asteroiden können zur Gefahr für die Erde werden – wie der „Asteroid 2012 DA14“, der im Februar 2013 nur knapp an der Erde (undatierte Video-Illustration) vorbeiflog.

Quelle: NASA Science/dpa

Marburg. Weit draußen im Weltall lauern nämlich auch Gefahren, meint der britische Astrophysiker Stephen Hawking, der mit Gleichgesinnten für heute den internationalen Asteroidentag ausgerufen hat (siehe „Hintergrund“).

„Eine der großen Bedrohungen für intelligentes Leben in unserem Universum ist der Aufschlag eines Asteroiden auf einen bewohnten Planeten“, sagt der Star-Physiker. Die OP befragte daraufhin Andreas Schrimpf, Astronom im Fachbereich Physik der Philipps-Universität Marburg, was es mit diesen gefährlichen Asteroiden auf sich hat.

OP: Herr Professor Schrimpf, zunächst die einfache Frage: Was sind eigentlich Asteroiden und wo lauern sie?

Schrimpf : Asteroiden sind kleinere Körper im Planetensystem. Im Unterschied zu den Planeten, die man schon seit Urzeiten kennt, glaubten die
Astronomen, dass in der großen Lücke zwischen dem Mars und dem Jupiter noch weitere Planeten sein könnten. Als man dann angefangen hat, diese Lücke zu untersuchen, stellte man fast, dass dort viele kleine Brocken sind und nicht ein großer. Anfangs gab‘s die Vermutung, dass das ein auseinandergebrochener Planet ist. Das ist aber nicht der Fall. Das sind ganz einfach kleine Brocken, die nie zu einem Planeten zusammengebacken sind.

OP : Wie viele sind das denn, und wie groß?

Schrimpf : Heute kennen wir mehr als eine halbe Million. Der größte ist der Asteroid Ceres mit einem Durchmesser von etwa 1000 Kilometern. Dann gibt es noch einige, die sind in der hundert Kilometer Klasse und ganz viele kleine. Diese Kleinkörper nennt man dann Asteroiden.

OP : Sind Asteroiden gefährlich für uns?

Schrimpf : Also die Körper im Asteroidengürtel bewegen sich wie die Planeten auf konstanten Bahnen. So wie die Erde ihre Bahn um die Sonne zieht und nicht davon abschwenkt, tun die Asteroiden das auch nicht. Die sind nicht gefährlich. Allerdings sind das sehr, sehr viele Asteroiden, man kennt längst nicht alle. Manche haben etwas exotischere Bahnen, laufen innerhalb der Mars-Bahn durch das Sonnensystem und können in die Nähe der Erde kommen. Kleine Brocken werden von den inneren Planeten angezogen, ändern ihre Bahn und können der Erde auch gefährlich werden.

Der Unterschied zwischen Kometen und Asteroiden

OP : Was unterscheidet Kometen von Asteroiden?

Schrimpf : Die Kometen erkennt man anhand des Schweifs. In Sonnennähe stoßen die Gas aus, was von der Sonne angeleuchtet wird. Die Zusammensetzung ist der Hauptunterschied. Asteroiden bestehen aus Gestein, Kometen aus flüchtigen Stoffen, die in Sonnennähe verdampfen. Außerdem, Asteroiden ziehen Kreise, Kometen haben stark elliptische Bahnen, kommen von weit draußen außerhalb des Sonnensystems bis nahe an die Sonne heran. Jenseits der Plutobahn gibt es zwei große Reservoire an Kometen, den Kuiper-Gürtel, und noch weiter draußen die Oortsche Wolke. Diese Kometen haben Umlaufzeiten von über 200 Jahren. Die kann man praktisch gar nicht vorhersagen. Kometen sind meist so locker aufgebaut, dass sie zerplatzen. Das sind dann die Meteoriten oder Sternschnuppen. Pro Jahr gibt es im Schnitt rund zwei Ereignisse, wo größere Brocken von wenigen Metern Durchmesser in die Atmosphäre eindringen, dort weitestgehend verglühen und in Deutschland auf der Erde einschlagen. Das kommt immer wieder mal vor.

OP : 2008 wurde ein Asteroid entdeckt und „Marburg“ genannt. Was weiß man von dem?

Schrimpf : Der Asteroid Marburg läuft im Asteroidengürtel auf einer stabilen Bahn. Der wird nicht auf die Erde einstürzen. Marburg ist sehr klein. Interessant ist, wieso es einen Asteroiden mit Namen Marburg überhaupt gibt. In der alten Gerlingsternwarte hier in Marburg wurden im 19. Jahrhundert die ersten hessischen Messungen an Asteroiden vorgenommen. Als der Asteroid im Jahr 2008 entdeckt wurde, hat der Frankfurter Entdecker Erwin Schwab den Brocken aus historischen Beweggründen Marburg genannt. Marburg ist lichtschwach und daher sehr klein. Er hat zur Erde einen Abstand von 250 Millionen Kilometern. Man schätzt eine Größe von drei Kilometern.

OP : Kann von Marburg eine Gefahr ausgehen?

Schrimpf : Wenn Marburg auf die Erde zukäme, wäre das schon ein ordentlicher Einschlag. Der Brocken, der die Dinosaurier vernichtete, hatte einen Durchmesser von zehn Kilometern. Das ist aber für Marburg ausgeschlossen.

OP :  Haben Sie Marburg im Weltraum schon gesehen?

Schrimpf : Das ist eine schwierige Messreihe. Man sieht Marburg nicht im Teleskop, sondern nur nach langer Auswertung von Daten am Computer. Das ist uns geglückt. Wir haben eine Aufnahme mit dem Asteroiden Marburg.

Hintergrund
Mit dem „Asteroid Day“ wollen Wissenschaftler heute weltweit über Asteroiden informieren und mögliche Risiken durch diese aufzeigen. Das Datum für den im Vorjahr erstmals abgehaltenen „Tag der Asteroiden“ ist nicht zufällig gewählt: Am 30. Juni 1908 explodierte ein Asteroid knapp über der Erdoberfläche in Sibirien und entwurzelte Bäume im Umkreis von bis zu 30 Kilometern – das sogenannte Tunguska-Ereignis. Die Explosion hatte die Energie von mehreren hundert Hiroshima-Atombomben.
Quelle: futurezone.at

von Martin Schäfer

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