Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Aserbaidschan war eine Reise wert

Fans reisen nach Baku Aserbaidschan war eine Reise wert

Der Weg in die Europa League führt Frankfurt heute über Qarabag Agdam – fünf Mitglieder des Eintracht-Fanclubs „Adlerhorst Stadtallendorf“ führte er auf eine fast 3500 Kilometer lange Reise.

Voriger Artikel
Experte: "Krebsdiät ist großer Unsinn"
Nächster Artikel
CDU wählt Range als Parteichef

Die Grasshoppers aus Zürich mit Frankfurts Ex-Trainer Michael Skibbe wären ein reizvolles Los gewesen. Oder der OGC Nizza. Und schöne Städtereisen noch dazu. Aber FK Qarabag Agdam? Ausgerechnet? Man kann sich die Reaktionen von Edgar Kren und den anderen Mitgliedern des Eintracht-Fanclubs Adlerhorst Stadtallendorf in etwa vorstellen nach der Auslosung der Play-offs zur Gruppenphase der Europa League. „Wir haben uns schon gefragt, was uns da erwartet“, erzählt Kren. „Da sind ja vorher düstere Bilder gemalt worden.“
Der 29-jährige Werkzeugmechaniker aus Wohratal-Halsdorf wollte sich mit seinen Adlerhorst-Freunden Dominik Hofmann, Christian Mark, Steffen Thomas und David Petri  das europäische Comeback der Eintracht nach sieben Jahren Abstinenz aber auf keinen Fall entgehen lassen. Ebenso groß wie die Aufregung war dann die Überraschung – und die fiel überaus angenehm aus. „Die Menschen, die wir in Baku getroffen haben, waren extrem freundlich“, sagt Edgar Kren. „Das ging schon über das normale Maß hinaus.“
Auch die Stadt gefiel den Reisenden in Sachen Fußball ausgesprochen gut. Sehr modern, sehr sauber – viel sei wegen des Eurovision Song Contests entstanden, meint Edgar Kren, den nachts „unglaubliche Lichterchoreographien“ an den Gebäuden beeindruckten. Sein Fazit: „Bis auf das Kaspische Meer, das absolut ölverseucht ist, ist Baku eine wunderschöne Stadt.“

Keine gute Botschaft aus der Botschaft

Dabei drohte die Tour schon an der Organisation zu scheitern. „Das Abenteuer begann mit der Planung“, blickt Edgar Kren zurück. „Das Schlimmste war der Zeitdruck.“ Die Auslosung der Playoff-Runde war am 9. August, das Spiel keine zwei Wochen später am 22. Die erste Botschaft aus der aserbaidschanischen Botschaft klang wenig vielversprechend: Ohne Visum keine Einreise, ein Visum dauert 14 Tage. „Die Fanbetreuung von Eintracht Frankfurt hat für uns eine erleichterte Einreise ermöglicht“, lobt Kren den Verein, bei dem er eine Dauerkarte hat, seit er 13 Jahre alt ist.
Die fünf Adlerhorst-Mitglieder entschieden sich für das „Rundum-sorglos-Paket“ und buchten – wie die meisten der 600 mitgereisten Eintracht-Fans – den Charterflug. „Wir haben uns den Spaß etwas kosten lassen“, meint Kren. 990 Euro für zwei Tage Baku, dafür aber inklusive Flug, Hotel, Transport, Visum und Ticket. „Auch deshalb, weil Aserbaidschan ein absolut unbekanntes Land für uns war“, schiebt er hinterher.
Gemerkt hat es das Quintett vom Adlerhorst, der mit fast 700 Mitgliedern der größte Eintracht-Fanclub Deutschlands ist, bereits nach der Ankunft. „Wir waren einigen Fehlinformationen aufgesessen“, sagt Kren und muss schmunzeln. So deckte sich die kleine Reisegruppe mit US-Dollars ein – im Glauben, damit bezahlen zu können. Zum Glück ließen sich die Scheine im Hotel unproblematisch in die Landeswährung Manat umtauschen.
Ein Happy End gab es am vergangenen Donnerstag auch sportlich dank des Frankfurter 2:0-Siegs in Baku. Dort muss der FK Qarabag seit 1993 seine Heimspiele austragen. Denn die Stadt Agdam wurde im Konflikt um die Region Bergkarabach von armenischen Truppen zerstört.
„Im Stadion selbst hat man gemerkt, dass die Atmosphäre anders ist, als wir es gewohnt sind. Für die Aserbaidschaner war es wie ein Volksfest“, fand Edgar Kren. Der Großteil der Zuschauer seien Kinder und Jugendliche gewesen, viele Freikarten seien verteilt worden, der Stadionsprecher habe dem Publikum bis zum 0:2 richtig eingeheizt und für Stimmung gesorgt.
Außergewöhnlich war auch, dass die Staatsarmee als Sicherheitsdienst fungierte. Ein mulmiges Gefühl habe er schon gehabt, als aus allen Eingängen Soldaten kamen, gibt Edgar Kren zu. Aber letztlich sei alles doch recht locker gewesen: „Wir konnten nach dem Spiel sogar auf die Tartanbahn gehen und Fotos machen.“

Große Vorfreude auf die Gruppenphase

Viel schiefgehen dürfte im Rückspiel am Donnerstag (20.30 Uhr) nicht mehr, denkt Kren. Dafür sei der Gegner nicht stark genug. „Hinteres Drittel in der 2. Bundesliga“, so würde Kren das sportliche Niveau von Qarabag Agdam einstufen. Aber: „Die haben alles gegeben.“ Trotz des aserbaidschanischen Kampfgeistes freut sich der Wohrataler schon auf die Gruppenphase. Zu den 70 Auswärtsfahrten, die Kren seit seinem Adlerhorst-Eintritt im Jahr 2005 mitgemacht hat, dürften dann noch mindestens drei hinzukommen. Seine Wünsche: „Jeder würde doch gerne auf die Insel, Celtic Glasgow wäre mir am liebsten. Ein Gegner aus Skandinavien wäre schön. Und ein südländisches Team – aus Griechenland oder der Türkei vielleicht –, weil da die Stimmung immer gut ist.“
Vor sieben Jahren erlebte Edgar Kren diese hitzige Atmosphäre schon einmal. Damals spielten die Frankfurter am letzten Spieltag der Gruppenphase bei Fenerbahce Istanbul. Das 2:2 reichte nicht zum Weiterkommen. Es war der letzte Europapokalauftritt bis Baku.
Was das Ergebnis angeht, wird ihm diese jüngste Tour – mit fast viereinhalb Stunden Flugzeit nicht seine längste, mit rund 3500 Kilometern Luftlinie dafür aber seine weiteste Reise für ein Eintracht-Auswärtsspiel – in besserer Erinnerung bleiben. Und nicht nur deshalb. „Das war ein Erlebnis, über das wir noch in Jahren sprechen werden“, sagt Edgar Kren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr