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Arzthelferinnen sagen in Missbrauchsfall aus

Gerichtsprozesse Arzthelferinnen sagen in Missbrauchsfall aus

Im Missbrauchsprozess gegen einen Arzt wurden gestern die beiden Arzthelferinnen des Mediziners, dem sexueller Missbrauch einer 13-jährigen Patientin vorgeworfen wird, als Zeuginnen vernommen.

Marburg. Die Taten, die einem niedergelassenen Marburger Allgemeinarzt von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt werden, sollen sich zum größten Teil in den ersten Monaten des Jahres 2009 ereignet haben. Der Arzt soll laut Anklage eine damals 13-jährige Patientin mehrfach in seiner Praxis im Intimbereich untersucht und dabei auch mithilfe eines Gegenstands beischlafähnliche Bewegungen ausgeführt haben (die OP berichtete). Der Arzt bestreitet alle Vorwürfe. Er verweigert aber im Prozess vor dem Marburger Landgericht weiterhin jede Aussage.

Gestern standen die beiden Arzthelferinnen als Zeuginnen vor Gericht, die beide seit Anfang der 90er Jahre in der Praxis beschäftigt sind. Beide sagten aus, dass ihr Chef üblicherweise keine privaten Behandlungstermine außerhalb der üblichen Sprechzeiten mit den Patienten ausmache. Dass sich die dem Arzt vorgeworfenen Übergriffe während der Sprechzeiten hätten abspielen können, scheint den beiden Arzthelferinnen wenig wahrscheinlich. Normalerweise sei es so, dass der Arzt während des Gesprächs mit einem Patienten immer damit rechnen müsse, dass eine Arzthelferin unangemeldet in den Untersuchungsräumen auftauche - um beispielsweise ein Rezept zum Unterschreiben vorbeizubringen. Die als Nebenklägerin vor Gericht anwesende junge Frau hatte behauptet, dass es zu den Übergriffen hinter verschlossenen Türen gekommen sei. Bei der Befragung fokussierten sich der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf sowie die Vertreter von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung vorwiegend auf die möglichen Geschehnisse am 3. April 2009, an dem sich laut Anklage der schwerwiegendste Fall des sexuellen Missbrauchs abgespielt haben soll. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob aus dem Terminkalender für diesen Tag genau zu rekonstruieren ist, wann die junge Frau im Behandlungszimmer des Arztes war. Im Terminkalender stand sie als erste auf der Liste derjenigen, die keinen vorher angemeldeten Termin hatten. Dies müsse aber nicht bedeuten, dass die dahinter stehenden Patienten auch später behandelt worden seien. Beide Arzthelferinnen gaben an, dass sie sich nicht mehr genau erinnern können, wann die damals 13-Jährige am 3. April vor vier Jahren behandelt wurde. Am nächsten Prozesstag am 6. Mai sollen Ehefrau und Tochter des Arztes aussagen.

von Manfred Hitzeroth

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