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Arzt-Aussage: Opfer wollte Sex freiwillig

Berufung Arzt-Aussage: Opfer wollte Sex freiwillig

Im Berufungsprozess gegen einen Arzt, der 2011 einen Drogenabhängigen mehrfach sexuell missbraucht haben soll, will die Verteidigung beweisen, dass das mittlerweile tote Opfer freiwillig Sex mit dem Mediziner hatte.

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Ein Marburger Arzt (links), der vom Amtsgericht zu einem Jahr und zehn Monaten Bewährungs-Haftstrafe verurteilt wurde, hat Berufung beim Landgericht eingelegt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Der 51-Jährige gibt im Gegensatz zur Verhandlung vor dem Amtsgericht im Sommer 2014 ein Bestehen des Arzt-Patientenverhältnisses zu dem damals 23-Jährigen zu. „Das ist unstrittig. Aber der Kernbereich des Vorwurfs ist der Ausnutzungs-Aspekt. Und den sehen wir nicht, weil keine Medikamente für sexuelle Dienstleistungen gegeben wurden“, sagt Rechtsanwalt Frank Richtberg. Wie der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm andeutete, ist für das Landgericht ebenfalls die Erforschung des Missbrauchsvorwurfs als solchem entscheidend.

Der angeklagte Internist schildert in seiner Aussage am Montag, dass er ein „ausgeprägtes Helfer-Syndrom“ habe. „So ist meine innere Struktur.“ Tabletten und Pillen, tausende Euro für Therapiereisen ins Ausland und Taschengeld sowie eine Wohnung in der Straße „Am Grün“ habe er dem Drogenabhängigen zwar gegeben – dafür aber keine Gegenleistung verlangt, was im Gegensatz zu den Aussagen des Opfers bei der Polizei steht.  Wie der langjährige Konsument harter Drogen dort sagte, habe er „ohne Signale zu senden oder homosexuell zu sein, den Sex erduldet“, weil es „nicht ausgesprochen, aber klar war“, dass er nur dann von seinem Hausarzt weiter mit Medikamenten versorgt werde.

Diese Aussagen bestätigte ein Polizist (34), der das Opfer 2012 zweimal vernahm. „Es müsse raus, was vorgefallen sei, damit er mit der ganzen Drogensache abschließen könne, sagte er mir. Er schilderte alles, war bei dem Thema Geschlechtsverkehr aber von hoher Scham erfüllt, blockte bei Details immens ab“, sagt der Polizist.

Der Angeklagte erläutert: „Ich entwickelte früh Sympathie für ihn, fand ihn attraktiv. Irgendwann rückte er als in Patient in den Hinter-, die Freundschaft in den Vordergrund.“ Demnach hatte der 23-Jährige schon erste Erfahrungen mit Männern und „wollte weitere machen“. Es sei dann auch im Frühjahr 2010 zu „Körperlichkeiten gekommen“, jedoch habe der Arzt „keine Perspektive in einer Beziehung“ gesehen. Immerhin sei der junge Marburger drogenabhängig, er selbst in einer Ehe lebend. „Mir wäre das peinlich gewesen.“

Die Verteidigung geht von „einvernehmlichem Sex“ aus, als Indizien sollen ein Amateurporno-Video, das den Arzt und das Opfer in der Südviertelwohnung zeigt, und Partyfotos der beiden auf Schwulenfeiern dienen. Der Mediziner sagt zudem, dass der junge Mann ihm schon länger mit Erpressung gedroht habe. „Missbrauch, Kinderpornos – in die Pfanne hauen wolle er mich, wenn ich ihm nicht weiter Medikament gebe“, sagt der 51-Jährige.

  • Fortsetzung: 27. April, 9 Uhr (Saal 104)

von Björn Wisker

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