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Armand Barreau "war ein prima Mann"

Erinnerung an Kriegsgefangenen Armand Barreau "war ein prima Mann"

Schnelle Reaktion auf den gestrigen OP-Artikel: ­Katharina Junck (83) aus dem Marburger Stadtteil Elnhausen kann sich noch gut an den französischen Kriegsgefangenen Armand Barreau erinnern.

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Dieses Foto aus den 40er Jahren entstand bei einer Rast von der Feldarbeit. Hinten rechts sitzt Armand Barreau, direkt davor (ganz rechts auf dem Foto) sitzt Katharina Junck. Ganz links auf dem Foto sieht man in der hinteren Reihe ihren Vater Jost Muth Pr

Marburg. Als Katharina Junck, geborene Muth, gestern Morgen die Zeitungsseiten der OP aufschlug, stieß die 83-Jährige auf zwei Fotos mit bekannten Gesichtern. Auf einer der beiden Schwarzweiß-Fotografien aus dem Jahr 1942 ist die damals 13-Jährige als Zweite von rechts zusammen mit Freundinnen und Bekannten aus Elnhausen zu sehen. Sie erinnert sich noch genau, dass dieses Foto zum Abschied von Armand Barreau gemacht wurde.

Der Franzose war Anfang der 40er Jahre als einer der Kriegsgefangenen aus einem Arbeitskommando in der Stellmacherei ihres Vaters in Elnhausen beschäftigt, berichtete Junck im Gespräch mit der OP. Und so erkannte Katharina Junck Barreau auch sofort auf dem zweiten gestern in der OP abgedruckten Foto.

„Er war so ein prima Mann. Er war wie ein Vater“, erinnert sich die Elnhäuserin an den Franzosen, der damals „schon über 50“ gewesen sein muss.

Damals sei das Kriegsgefangenenlager auf den Neuhöfen gewesen. Der Tag, an dem sie Barreau das erste Mal gesehen hat, ist Katharina Junck noch genau im Gedächtnis geblieben. „Wir waren auf dem Feld bei der Dammühle. Da hieß es: Heute kommen die Franzosen. Wir können unseren in Empfang nehmen“.

Barreau habe dann viel im Geschäft ihres Vaters, einer Stellmacherei, geholfen. Eine Stellmacherei war die Werkstatt eines Stellmacher genannten Handwerkers, der Räder, Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz herstellte.

Die sprachliche Verständigung sei auch nicht so schwer gefallen: So habe Barreau den Deutschen französische Worte beigebracht und umgekehrt auch Deutsch gelernt. Besonders gerne habe Armand Barreau Kuchen und Weißbrot gegessen, erinnert sich Katharina Junck.

Aufgrund des Zeitungsartikels in der OP hat Katharina Junck noch einmal in ihren Fotoalben geschaut, um die Erinnerungen an den Franzosen aufzufrischen.

Dabei stieß sie auf ein Foto, auf dem sie als junges Mädchen zusammen mit ihrer Schwester und Nachbarn bei einer Rast nach der Feldarbeit zeigt (siehe Foto oben). Die zwei erwachsenen Männer auf dem Bild sind ihr Vater Jost Muth und Armand Barreau, die ihrer Schätzung nach damals ungefähr im selben Alter waren.

Auch auf dem Feld habe Barreau mitgeholfen. Nach getaner Arbeit habe er aber jeden Abend wieder ins Lager zurückgehen müssen. Es muss im August 1942 gewesen sein, als für den Franzosen die Stunde des Abschieds schlug, wobei er nach Wissen von Katharina Junck damals wieder nach Frankreich zurück durfte.

Jetzt verliert sich seine Spur. Nachdem der Franzose Elnhausen verlassen hatte, hatte Katharina Junck bis heute keinen Kontakt mehr zu Barreau oder dessen Familie. Das könnte sich aber ändern, denn Barreaus Tochter hat über die Gedenkstätte Trutzhain eine Suchanfrage gestartet, über die die OP gestern berichtet hatte.

Dass es zu ehemaligen französischen Kriegsgefangenen auch jahrzehntelange Freundschaften geben konnte, das zeigt sich am Beispiel von Gretel Jacobi, die gestern in der OP anrief, nachdem sie den Bericht über die Suchanfrage mit den Fotografien entdeckt hatte. So habe ihre Familie seit Mitte der 60er Jahre freundschaftlichen Kontakt zur Familie eines in den Kriegsjahren in Michelbach zum Arbeitseinsatz verpflichteten Kriegsgefangenen.

von Manfred Hitzeroth

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