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Arbeiten wir, um zu leben oder leben wir, um zu arbeiten?

SMD Herbstkonferenz Arbeiten wir, um zu leben oder leben wir, um zu arbeiten?

Arbeiten wir, um zu leben oder leben wir nur, um zu arbeiten? Wie lässt sich mit dem beruflichen Druck einer immer rasanter werdenden Arbeitswelt umgehen und wie kann der Glaube da helfen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die rund 600 Teilnehmer der diesjährigen SMD-Herbstkonferenz.

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Gut besucht waren am Samstag die Seminare der SMD-Konferenz. Während einer Podiumsdiskussion gaben die Referenten Erfahrungswerte und Tipps für den Berufseinstieg an junge Studierende weiter.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. „Arbeit ist das halbe Leben“ lautete das Motto der Herbstkonferenz der SMD (Studentenmission in Deutschland). Die alltägliche Arbeit, der berufliche Werdegang und der Umgang mit steigenden beruflichen Anforderungen standen im Mittelpunkt.

Schließlich verbringen wohl die meisten Menschen ein Drittel ihres Lebens in jener Phase, die zwischen Ausbildung und der Rente liegt. Für viele mag es sich vielleicht auch so anfühlen, als wäre die Arbeit mindestens das halbe Leben oder gleich das ganze Leben bestünde nur noch aus Arbeit. Ist es schlimm, immer viel zu arbeiten? Geht dies nicht auf Kosten von Gesundheit und Lebensqualität und darf man nicht auch einfach mal sorglos leben, ohne den steten Druck etwas zu leisten im Nacken?

Zu dieser Thematik regte das SMD-Netzwerk zum Nach- und Mitdenken an. Rund 600 Teilnehmer nutzten das Angebot und informierten sich in Seminaren, Bibelarbeiten und Vorträgen namhafter Psychiater, Theologen und Vertreter aus Wirtschaft und Industrie.

„Arbeit und Leistungsdruck sind Themen, die heute in der ganzen SMD und auch im Alltag überall auftauchen“, sagt Christian Enders von SMD. Gerade in der heutigen Zeit entwickele sich die Arbeitswelt rasant weiter, seien viele einer zunehmenden Beschleunigung von Arbeitsabläufen und wachsender Selbstständigkeit am Arbeitsplatz ausgesetzt.

„Man wird nicht über Nacht zum Profi“

Diesem Thema widmete sich die Gießener Psychiaterin Heike Gerhardt in ihrem Einführungsreferat „Arbeiten am Limit“. Hoch problematisch werde der Wandel in der auf höchste Effizienz ausgelegten Arbeitswelt, wenn der daraus resultierende Druck zum gesundheitlichen Problem wird – Erschöpfung und Depression können die massiven Folgen sein.

Einem steten Leistungsdruck sind sowohl Berufstätige wie bereits Studenten ausgesetzt: Heutzutage wächst die Vielfalt, die Dichte an Studiengängen, die nicht alle auf einen bestimmten, klar definierten Beruf hinauslaufen. „Die ­Fächer zielen nicht mehr wie früher auf ein klares Berufsbild – das setzt schon die Abiturienten stark unter Druck und kann zur Verunsicherung führen“, so Enders.

Der Spagat zwischen einem gesunden Maß an beruflichem Einsatz und einer bleibenden, guten Lebensqualität wird da schon zu einer Herausforderung. Dabei gelte es, den Leistungsdruck von außen wie den Druck, unter den man sich selber setzt, vernünftig zu händeln, die eigenen Grenzen nicht auf Kosten der Gesundheit zu überschreiten.

Einfach mal innehalten

Für viele Christen bedeute dies auch, sich Kraft aus ihrem Glauben zu holen, sich im Wissen um die eigenen Grenzen Gott zu überlassen und so wie dieser, nach der Schöpfungsgeschichte, auch mal zu ruhen. Das beginne bereits an jedem Abend, an dem man nach getaner Arbeit, ob im Beruf oder bei der Hausarbeit, „einfach mal innehalten, betrachten und genießen“ sollte, sich über das vollbrachte Tagwerk freuen soll, betonte Enders.

Seit mittlerweile 65 Jahren ist Marburg Sitz der SMD und Veranstaltungsort der Herbstkonferenz. Ursprünglich wurde das heutige Netzwerk als Studentenmission in Deutschland gegründet, setzt heute einen generellen Schwerpunkt im akademischen Bereich, mit dem Ziel, „zu einem glaubwürdigen, intellektuell verantworteten Christsein zu motivieren“.

Heute zählen zur SMD rund 600 Schülerbibelkreise, Hochschulgruppen in 80 Städten sowie 20 Regional- und Fachgruppen von Akademikern. Einen „enormen Anstieg“ verzeichnet das Netzwerk derzeit in der internationalen Studentenarbeit. Auch an der Konferenz nahmen zahlreiche Studenten teil, die sich mit den Anforderungen im Studium und der plötzlichen Verantwortung als Berufseinsteiger auseinandersetzten.

Ein Konsens in einem der Seminare, wie man im späteren Berufsleben auf gesundem Wege Fuß fassen kann, lautete dabei: „Man muss sich Zeit geben, sich nicht überfordern – man wird schließlich nicht über Nacht zum Profi“, fasste Referentin und Studienrätin­ Iris ­Illgen zusammen.

von Ina Tannert

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