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"Arbeit hat mich immer ausgefüllt"

Waldorfpädagogik "Arbeit hat mich immer ausgefüllt"

Mehr als 14 Jahre arbeitete Andreas Maria Schäfer als Geschäftsführer für den Verein für Waldorfpädagogik Marburg. Jetzt geht er mit dem Wissen, dass in Volker Muth ein guter Nachfolger gefunden wurde.

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Zwei, die sich verstehen: Andreas Maria Schäfer (rechts) war 14 Jahre lang Geschäftsführer des Vereins für Waldorfpädagogik Marburg. Seine Arbeit setzt nun Volker Muth fort.Foto: Götz Schaub

Marburg. Seit 2000 engagiert sich Andreas Maria Schäfer aus der Gemeinde Ebsdorfergrund als Geschäftsführer an der Waldorfschule und erfüllte sich damit einen beruflichen Lebenstraum. „Seit gut vier Jahrzehnten beschäftige ich mich intensiv mit der Waldorfpädagogik, von der ich sehr überzeugt bin“, sagt Schäfer. Nach 25-jähriger Tätigkeit in der Industriebranche ergriff er die Chance, für eine Waldorfschule tätig zu werden.

„Meine damalige Entscheidung habe ich nie bereut, die Arbeit hat mich sehr gereizt und auch sehr ausgefüllt“, sagt Schäfer. Und sein Gesichtsausdruck verrät, dass es ihm durchaus schwerfällt, sich von diesem Lebensabschnitt zu verabschieden. Doch er hat sich entschieden und hat noch andere Pläne, die er nun ins Zentrum seines Lebens rücken möchte. Zum einen bietet er seine Dienste als professioneller Fotograf an, zum anderen als beratender und begleitender Zukunftsentwickler etwa für Konfliktbewältigung, Prozessentwicklung, Selbsterziehung und Haltungsänderung. Also Coaching und Consulting für Einzelpersonen und Unternehmen. Sicher ein spannendes Arbeitsfeld, auf das sich Schäfer sehr freut.

Das Kapitel „Geschäftsführung Waldorfschule“ schlägt er nun sanft mit dem Wissen zu, dass sein Nachfolger die Arbeit in seinem Sinne weiterführen wird. Wie kann er sich da so sicher sein? „Nun, wir haben uns für einen fließenden Übergang entschieden“, sagt Schäfer. Das heißt, Schäfer kennt seinen Nachfolger Volker Muth, der unter anderem sechs Jahre Bürgermeister der Gemeinde Weimar war, schon sehr gut, weil er die vergangenen acht Monate mit ihm zusammengearbeitet hat. „Wir haben sofort gespürt, dasss wir auf einer Wellenlänge liegen“, freut sich Muth, dem der Einstand nach eigenen Worten „sehr leicht gemacht“ wurde. „Alle haben mich herzlich aufgenommen, ich fühle mich hier sehr wohl und freue mich darauf, an der weiteren Entwicklung der Schule teilhaben zu können.“

„Uns eint, für das Wohl der Kinder zu arbeiten“, bringt es Schäfer auf den Punkt. Für ihn war es immer das Größte, die Kinder aufwachsen zu sehen, zu erleben, wie sich die Persönlichkeiten herausbilden. „Die eigene Arbeit verlebendigt sich, wenn man direkt sieht, für wen und für was man sie macht“, sagt Schäfer. Und weiter: „Anders als viele Geschäftsführer eines Unternehmens musste ich hier nie mit unternehmerischem Risiko agieren.“ So war es einerseits möglich, eine gute finanzielle Substanz zu erhalten, andererseits aber auch ausreichend in die Substanzerhaltung der Gebäude zu investieren, beziehungsweise Gebäude nach Bedarf und modernen Gesichtspunkten zu erweitern und zu erneuern. In seiner Zeit als Geschäftsführer wurde diesbezüglich sehr viel angegangen und erfolgreich umgesetzt. Wer heute die Waldorfschule in Marburg besucht, kann nur staunend umherschauen und das attraktive Schul- und Kindergartengelände bewundern. Schäfer möchte dafür aber nicht die Lorbeeren einheimsen, denn Entscheidungen werden immer im Gremium gefasst. Ein Geschäftsführer könne nur mit dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen so sind, dass es Gestaltungs- und Handlungsspielräume gibt, und die Beziehungen zu anderen Geschäftspartnern auf guten Fundamenten stehen. Schäfer dazu: „Mein Dank richtet sich deshalb auch an die Behörden und die Politiker der Stadt Marburg, welche in wunderbarer Weise für die Vielfalt der Bildungsmöglichkeiten in Marburg so viel tun und deshalb auch immer kooperativ für unseren Kindergarten und die Schule mitgewirkt haben.“

Auf Muth warten auch schon Herausforderungen. So gilt es, die Inklusion an der Schule und im Kindergarten weiter zu entwickeln und dafür auch baulich die Voraussetzungen zu schaffen. Und dann stehen auch die Vorbereitungen zur 70-Jahr-Feier im kommenden Jahr an. Die Waldorfschule war schließlich die erste in Marburg, die nach Kriegsende 1945 wieder einen Schulbetrieb aufnehmen durfte.

Die offizielle Verabschiedung mit geladenen Gästen findet am Freitag ab 14.30 Uhr in der Waldorfschule statt.

von Götz Schaub

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