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App soll beim Deutschlernen helfen

Flüchtlinge App soll beim Deutschlernen helfen

Eine an der Marburger Universität entwickelte App soll mit dazu beitragen, dass Flüchtlinge schneller und leichter berufsspezifische Sprachkenntnisse erwerben.

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Mit Hilfe der neuen App für den Sprachunterricht „Deutsch als Fremdsprache“ wird unter anderem die Bedeutung des Wortes „Heftgerät“ gezeigt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Hunderttausende von Flüchtlingen kommen in diesen Tagen nach Deutschland. Viele von ihnen werden bleiben und sollen auch beruflich integriert werden: So lautet die Vorgabe durch die Bundesregierung. Doch die Deutschkenntnisse der Neuankömmlinge sind meistens zunächst kaum vorhanden. Zudem können besonders die Flüchtlinge aus den arabischsprachigen Ländern nicht unsere Buchstaben in der lateinischen Schrift schreiben. Mit Blick auf die aktuelle Migrations- und Flüchtlingsdebatte ist deswegen der gezielte berufsbezogene Spracherwerb von Flüchtlingen ein besonders wichtiges Thema.

Nutzer lernen alleineWörter für den Beruf

Hier setzt die App „Wörter für den Beruf“ an, die jetzt von Sprachwissenschaftlern der Marburger Universität gemeinsam mit weiteren Anleitungen für Sprachkurs-Leiter in den vergangenen anderthalb Jahren entwickelt wurde. Erprobt und entwickelt wurden die neuen Materialien bei Kursen in Zusammenarbeit mit dem Verein „Arbeit und Bildung“.

„Mit unserer App für Smartphones und Tablets können die Deutsch-Lernenden Wörter für verschiedene Berufe lernen“, erklärt die Projektleiterin, Professorin Ruth Albert, von der AG Deutsch als Fremdsprache der Philipps-Universität. Dabei geht es um die Berufssparten Küchenhilfe, Reinigungskraft, Bauhelfer oder Lagerarbeiter. Bewusst seien für das Projekt diese Arbeitsfelder ausgewählt worden, weil es der Arbeitsrealität entspräche, dass Flüchtlinge vorwiegend dort Jobangebote hätten, die ihnen als Einstieg in die Arbeitswelt dienen würden, erklärt Albert.

Für jedes der vier Berufsfelder verzeichnet die App derzeit zwischen 40 und 60 Begriffe als eine Art Basisvokabular. Auf der App werden beispielsweise komplexe Wörter wie Wasserwaage, Suppenkelle oder Heftgerät schriftlich und bildlich dargestellt. Die Lernenden sollen die Begriffe entweder selbstständig oder nach einem Diktat schreiben lernen. Praktiker aus den entsprechenden Berufssparten haben die Worte ausgesucht. Der Clou der App: Mit relativ geringem Aufwand kann der berufsspezifische Wortschatz ergänzt werden, wenn deutsche Arbeitskollegen einen speziellen Gegenstand fotografieren und benennen.

Hinzu kommen in der App noch 70 Begriffe aus einem berufsübergreifenden Wortschatz. Hier geht es um die Themen Gesundheit (Sicherheit, Arbeitskleidung) sowie „Maße und Gewichte“.

Beteiligt an der App-Entwicklung waren an der Uni Marburg auch die AG Softwaretechnik und die AG Sprechwissenschaft, die gemeinsam mit Studierenden die Tonaufnahmen für die Vorlesefunktion erstellten.

„Nutzer können sowohl im Unterricht als auch allein zu Hause oder am Arbeitsplatz Wörter für den Beruf lernen. Jeder Begriff ist vertont und verbildlicht. Außerdem kann der eigene Lernstand anhand unterschiedlicher Testformate überprüft werden“, sagt Susanne Krauß, die das Teilprojekt wesentlich vorangebracht hat.

Die App wurde für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung von Januar 2013 bis September 2015 mit insgesamt 460000 Euro geförderte Projekt „Alphamar 2 – berufsbezogene Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch“ entwickelt. Das Projekt „Alphamar“ hat die „berufsbezogene Alphabetisierung von Migranten und Migrantinnen in der Fremdsprache Deutsch“als Ziel.

Angelaufen war das Projekt, als noch nicht klar war, dass sich der Ansturm der Flüchtlinge so vervielfachen würde wie gerade aktuell. Die Marburger Sprachwissenschaftlerin Professorin Ruth Albert, Leiterin des Projektes, sieht durchaus Bedarf für Folgeprojekte.

Zusätzlich zur App hat das Projekt-Team auch Arbeitshefte mit berufsspezifischen Übungsmaterialien erstellt. Sie enthalten Materialien und Übungen zur Gestaltung des Unterrichts in kleinen Schritten. Beispielsweise geht es um Begrüßungen und einfache Wörter für alltägliche Unterhaltungen. Zudem sollen gezielte Strategien für den Wortschatzerwerb vorgegeben werden. Trainiert werden sollen die Fertigkeiten Sprechen, Hören, Lesen, Schreiben und Rechnen, erklären Dr. Frauke Teepker und Judith Reisewitz, zwei Projekt-Mitarbeiterinnen.

Soeben vermeldete Professorin Albert einen großen Erfolg der Marburger Wissenschaftler, wie sie der OP auf Anfrage mitteilte: Das von ihnen entwickelte neue Lehrbuch wird im Klett-Verlag veröffentlicht und kann so flächendeckend für den Unterricht verwendet werden.

von Manfred Hitzeroth

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