Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Anzeichen für Depression

Cappeler Messerstecher-Prozess am Landgericht Anzeichen für Depression

Im Prozess gegen einen 24-Jährigen, der seine Schwiegermutter erstochen, Ehefrau und Schwager mit Messerstichen verletzt hat, stößt eine Depressions-Diagnose die Debatte um die Schuldfähigkeit des Täters an. Ein Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Voriger Artikel
"Flüchtlinge sind eine Bereicherung"
Nächster Artikel
Keine Angst vor politischem Vollzeitjob

Dr. Marina Marschall (links) und Elke Edelmann vertreten die Nebenklage.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Drei Tage vor dem Messerangriff auf die Familie in Cappel (30. Mai 2014) war der Angeklagte bei einem Gießener Psychiater. Der 55-jährige Arzt diagnostizierte nach dem Gespräch eine „depressive Episode, schwere Verstimmungen“. Diese, so sagte der Zeuge bei der gestrigen Verhandlung, resultierten aus der damals laufenden Trennungsphase zwischen dem Patienten und dessen Ehefrau. „Das alles machte ihm sehr zu schaffen.“

Jedoch: Es handelte sich bei dem Gespräch um eine einmalige, rund 30 minütige Sitzung. „Akut gefährdet war er nicht, auch nicht suizidal, es gab meines Erachtens keine Anzeichen etwa für eine Zwangseinweisung. Ihm ging es ehrlich schlecht, aber so schlimm war sein Zustand nicht“, sagte er.

Eine vorübergehende stationäre Behandlung, die der Psychiater dem Angeklagten nach dem Gespräch empfahl, lehnte dieser ab. Grund laut Verteidigung: Die Angst um den endgültigen Verlust des Sorgerechts für die Kinder. Kurz zuvor endete ein Familiengerichtsstreit, in welchem der Metallbauer unterlag.

Behandelnde Psychotherapeutin als Zeugin geladen

Der Gießener Arzt war aber wohl nicht der einzige Therapeut, den der Metallbauer nach der Trennung von seiner mittlerweile geschiedenen Frau aufsuchte. Wie der Zeuge aussagte, habe er bei dem Treffen deshalb nicht detailliert nach privaten Problemen gefragt, da von einer Kollegin bereits eine Depressions-Diagnose gestellt wurde, er den Metallbauer „bei einem ersten Gespräch nicht unter Druck setzen wollte“. Rechtsanwalt Professor Jürgen Rath sieht in der gestellten Depressions-Diagnose Anzeichen dafür, dass bei dem Täter eine „verminderte Schuldfähigkeit vorliegt“. Das nach der Tat erstellte Gutachten von Psychologin Dr. Petra Bauer, welches das Verhalten des Angeklagten eher in Mord- als in Totschlagnähe rückt, lasse keine Rückschlüsse auf die psychische Verfassung des 24-Jährigen vor den Messerattacken zu.

Die Psychotherapeutin, bei welcher der Angeklagte in den Wochen vor der Tat in Behandlung gewesen sein soll, wird am Donnerstag als Zeugin geladen.

von Björn Wisker

Hintergrund

Der Tathergang: Der geständige Angeklagte erstach im Mai 2014 in einem Mehrfamilienhaus in der Moischter Straße erst das 51-jährige Opfer, verletzte seinen Schwager und jagte dann seine 23-jährige Ex-Frau durch das Haus, stach mit einem Keramikmesser, das bei dem Angriff abbrach, mehrfach auf die Hausfrau ein. Via SMS kündigte er die Attacke an.

Fortsetzung: Donnerstag, 9 Uhr in Saal 101

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr