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Anwohnerin bleibt auf Müll sitzen

Streit um Entsorgung Anwohnerin bleibt auf Müll sitzen

Müll-Posse in Elnhausen: Obwohl das städtische Entsorgungsunternehmen regelmäßig in den Ort kommt und Dutzende Container leert, gibt es im Weißdornweg Ärger: Denn eine Tonne bleibt stets ungeleert zurück.

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Sabine Seemann hält Ausschau nach ihren Rettern: Müllmännern, die nach Monaten mal ihre Tonne leeren

Quelle: Björn Wisker

Elnhausen. Sabine Seemann (50) ist verzweifelt. Jedesmal, wenn sie die schwarze Müll-tonne den kleinen Hang ihres Carports hinauf schiebt, fürchtet sie das Schlimmste: Dass die Tonne am nächsten Tag immer noch randvoll ist. Denn seit Monaten ignoriert die Marburger Müllabfuhr den schwarzen Behälter. Wann immer der DBM-Wagen durch die Spielstraße Weißdornweg rollt, Haus für Haus abklappert, peilen die Mitarbeiter einen Müllsammelplatz am Ende der Sackgasse an. Dort stehen mehrere Container aus der Nachbarschaft - wenige Meter davor fristet Sabine Seemanns Tonne ein einsames Dasein.

„Alles wird mitgenommen, nur meine Mülltonne bleibt traurig am Straßenrand stehen“, sagt die Elnhäuserin. Zu übersehen ist die Tonne nicht. Sie steht einige Meter vor dem Haus, direkt an der Straße. Mittlerweile stellt Seemann sie etwas tiefer hinein in den Weißdornweg, der breite Müllwagen müsste sich beinahe daran vorbeiquetschen, Fahrer und Helfer müssten sie eigentlich gezwungermaßen wahrnehmen. Pustekuchen: Auch das ist zwecklos - „die Müllleute scheinen nur die Froschperspektive zu kennen, Scheuklappen aufzuhaben“. Seemann schmiedete zuletzt Pläne, wie sie trotz des Versagens der DBM auf das Schicksal ihrer Tonne aufmerksam machen kann.

„Eine Idee ist, einen roten Pfeil mit Kreide auf die Straße zu malen“, sagt sie. Auch an die Montage eines Blinklichts auf dem Plastikdeckel hat sie bereits gedacht. Oder an ein funkelndes Werbeschild im Stil von Las Vegas. „Vielleicht helfen solche Signale ja mal, dass die Müllleute nicht ständig an unserem Haus vorbeifahren“, sagt sie. Der Galgenhumor ist das letzte, was ihr bleibt. Schließlich haben auch zig Anrufe bei den Dienstleistungsbetrieben bislang nichts an der Schusseligkeit geändert. „Ich habe wirklich alles versucht. Bei den ersten Anrufen war ich freundlich, später bestimmt und nun werde ich mit jedem Anruf wütender“, sagt sie. Offenbar nimmt man das bei der DBM stoisch hin - nicht mal in dem Moment als Seemann sich direkt an die Führungsebene des Beriebs wandte, wurde es besser.

„Nach jeder Leerung und jedem Beschwerdeanruf dachte ich: Okay, jetzt haben sie es bestimmt nicht vergessen“, sagt sie. Von wegen: Kaum klappt sie den Deckel auf, schaut sie in eine randvolle Tonne. „Dieses Gefühl ist absolut skurril! Ich kann ja fast nur noch annehmen, dass das Absicht ist“, sagt sie. Anfangs lachte sie, nahm es mit Humor. Mittlerweile ist sie genervt.

Die DBM reagiert auf Nachfrage der OP: Das Unternehmen macht Personalprobleme für die Misere verantwortlich. „Uns standen über einen längeren Zeitraum große Teile des Stammpersonals nicht zur Verfügung. Daher waren wir gezwungen, wechselnde und revierfremde Teams einzusetzen“, sagt Ralf Laumer, Sprecher des kommunalen Unternehmens. „Wir bedauern sehr, dass einzelne Leerungen nicht termingerecht erfolgt sind.“

Einzelne Leerungen? Das hält die betroffene Seemann für untertrieben. Doch die städtischen Dienstleistungsbetriebe geloben Seemann nun Besserung: Die Disponenten und die Fahrer der Müllsammelfahrzeuge werden Laumer zufolge „nochmals sensibilisiert, dass unbedingt darauf zu achten ist, dass die Touren vollständig abgefahren werden und seitens der Besatzungen eine tägliche Meldung an die Disponenten erfolgt.“

Sabine Seemann und ihre zuletzt so oft verwaiste Tonne warten bereits gespannt auf den nächsten regulären Leerungstermin. „Und sehnsüchtig warte ich vor allem darauf, dass ich nicht mehr hinterher telefonieren, oder mir gar patzige Antworten anhören muss“, sagt sie.

von Björn Wisker

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