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Anwohner tragen ihre Probleme vor

Erstaufnahmeeinrichtung Anwohner tragen ihre Probleme vor

Das Flüchtlingscamp in Cappel bekommt Zuwachs: Heute treffen 111 Flüchtlinge aus Herborn ein. Damit leben wieder gut 200 Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Umgehungsstraße.

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Das Flüchtlingscamp in Cappel: Heute besteht es aus sechs Holzhäusern, der Bau der Außenanlagen ist nahezu abgeschlossen. Vor dem Zaun soll ein Kunstprojekt des Marburger Künstlers Richrad Stumm Farbe in das eher eintönige Umfeld bringen.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Regierungspräsidium bestätigte auf Anfrage der OP, dass heute am späten Vormittag 111 Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Herborn in Marburg eintreffen werden. Die Einrichtung in Herborn wird aufgrund der zurückgegangenen Flüchtlingszahlen nicht mehr gebraucht.

Die „alten“ wie die „neuen“ Bewohner kommen überwiegend aus Afghanistan, Iran, Irak und Syrien, sagte ein Vertreter des Regierungspräsidiums gestern auf einer Informationsveranstaltung für die Anlieger des Flüchtlingscamps.

„Flüchtlinge sind in Marburg willkommen“, erklärte Oberbür­germeister Dr. Thomas Spies (SPD), der besonders die Veränderungen in der Erstaufnahmeeinrichtung hervorhob. Bei der Eröffnung des Camps vor knapp einem Jahr handelte es sich hier um eine Ansammlung von nebeneinander stehenden Betten, die in fünf großen Zelten standen. Bis zu 650 Menschen waren hier untergebracht. Daran erinnert heute nichts mehr: Die inzwischen errichteten sechs Holzhäuser haben Zimmer für jeweils sechs bis acht Geflüchtete. Nach der Ankunft der Menschen aus Herborn werden wieder drei dieser Holzhäuser bewohnt sein.

Ortsvorsteher kritisiert Informationspolitik

Betrieben wird die Erstaufnahmeeinrichtung vom Regierungspräsidium. Dessen Aufgabe besteht darin, die Flüchtlinge zu registrieren, sie mit Kleidung, Nahrung und medizinischer Behandlung zu versorgen und ihre Asylverfahren vorzubereiten. „Ziel ist, die Menschen möglichst schnell an die Landkreise zuzuweisen, wo dann das Wichtigste stattfindet: die Integration“, sagte Bastian Büchner vom Regierungspräsidium. In der Erstaufnahmeeinrichtung werde keine langfristige Integration geleistet.

„In Cappel hat die Erstaufnahmeeinrichtung keine Probleme bereitet“, sagte Ortsvorsteher Heinz Wahlers, der aber die Informationspolitik des Regierungspräsidiums kritisierte. Nicht immer seien Anlieger frühzeitig und umfassend informiert worden. Auch gestern kritisierten Anlieger die Belastungen, die ihnen im Zusammenhang mit dem Camp entstünden. Die meisten Kritikpunkte betrafen Belästigungen durch Lärm - unter anderem auch, was der Campleitung neu war, durch die Lüftungsanlage im großen Essenszelt - und Licht. OB Spies bat die Vertreter des Regierungspräsidiums um schnelle Rückmeldungen, wenn diese Probleme gelöst sein.

Nicht nur Freude löste bei Anwohnern die Mitteilung aus, dass die Umbauarbeiten im Camp nun nahezu abgeschlossen sind. Die Fläche im Außenbereich ist nun begradigt und mit Schotter und Erde aufgefüllt. Randsteine wurden gesetzt und Grünanlagen angelegt. Sitzgelegenheiten zwischen den Häusern sollen das Camp für kurze Zeit zu einem Zuhause machen.

Ein Anwohner sieht in dieser Ankündigung der Stadt ein Zeichen dafür, dass die Einrichtung dauerhaft in Cappel bestehen bleiben wird. „Das war anders versprochen“, sagte der Mann. Spies wies darauf hin, dass sich seit dem Sommer 2015 die Flüchtlingszahlen zunächst dramatisch nach oben entwickelt hätten. Trotz jetzt sinkender Zahlen sei noch nicht abzusehen, ob und wie lange die Einrichtung in Cappel noch gebraucht werde. Eine Anschlussverwendung als Wohnheim für Studierende sei nicht auszuschließen.

Land soll Kunstrasenplatz am Köppel mitfinanzieren

Auf Ärger stößt in Cappel vor allem, dass der verloren gegangene Bolzplatz an der Umgehungsstraße nicht ersetzt wurde. Spies trat aber Gerüchten entgegen, dass die im Gegenzug versprochene Umwandlung des Sportplatzes „Am Köppel“ in einen Kunstrasenplatz wegen der Haushaltslage auf die lange Bank geschoben sei. Die Stadt warte aber auf eine verbindliche Zuschusszusage aus Wiesbaden. Das Land nutze das städtische Gelände an der Umgehungsstraße kostenlos. An das Versprechen, sich an den Kosten für den Rasenplatz angemessen zu beteiligen, müsse es aber leider regelmäßig erinnert werden.

von Till Conrad

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