Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Anwohner fürchten Neubau-Viertel

Ortsbeirat Anwohner fürchten Neubau-Viertel

Die mögliche Bebauung am "Sonnenhang" sorgt für eine hitzige Debatte im Ortsbeirat Marbach.

Voriger Artikel
Kinder lesen Katzen vor
Nächster Artikel
Brillen für Schüler in Afrika

Das umstrittene Baugebiet. Foto: Marcus Hergenhan

Marburg. Ortsvorsteher Dr. Ulrich Rausch und die Mitglieder des Gremiums beschäftigten sich mit dem strittigen Thema des potentiellen Neubaugebiet an der Straße „Sonnenhang“.

Der Grundstückseigentümer möchte das Gebiet entwickeln und es gewinnbringend an einen Investor verkaufen. Die Alteingesessenen hingegen möchten gerne weiter im Grünen wohnen. Brisant: Die Anwohner gingen davon aus, in dieser Gegend langfristig von Neubauten verschont zu werden. „Uns wurde immer erklärt, dass dieses Gebiet aufgrund seiner Bedeutung als Frischluftschneise und der schwierigen Zugänglichkeit, nicht mehr bebaut werden würde, deswegen haben wir uns ja auch dafür entschieden dort hin zu ziehen,“ sagt Anwohner Karl-Heinz Grzeschik.

Die Entscheidungen des Ortsbeirats zu der Bebauung der Gegend waren in den letzten zehn Jahren, seit denen das Projekt bereits in der Entwicklung ist, wechselhaft. In diesem Zeitraum war zunächst der Bau einer Grundschule auf dem Gelände in Betracht gezogen worden, was dann aufgrund der demografischen Entwicklung verworfen wurde. „Eine endgültige Aussage, dass an dem Hang nie wieder gebaut würde, bestand jedoch definitiv nicht,“ sagte Stadtplaner Reinhold Kulle.

Die Anwohner sind empört, war ihnen doch bereits mit dem Umbau des in Sichtweite befindlichen Europabades erst eine längere Phase der Lärmbelästigung zugemutet worden. „In dieser Gegend ist es nicht nur recht steil, wir haben auch sowieso schon ein Parkplatzproblem. Wenn jetzt noch Baufahrzeuge und nachher weitere Autos der neuen Anwohner hinzu kommen und uns darüber hinaus auch noch unsere Balkonaussicht verbaut wird, bedeutet das ganz klar einen Einschnitt in unsere Lebensqualität und eine Wertminderung,“ sagte eine Anwohnerin.

Die Probleme seien auch der Gegenseite bewusst, erklärte der Vertreter des Grundstückseigentümers, Notar Hans-Ulrich Ostrowitzki: „Wir haben in der bisherigen Planung, die nur einen von noch vielen Vorentwürfen bis hin zur möglichen gültigen Baugenehmigung darstellt, die lockere Bebauung dieses Viertels berücksichtigt und fortgeführt.“ Derzeit seien etwa elf Gebäude auf dem rund 10000 Quadratmeter großem Gelände geplant. Diese Dimension sei auch notwendig, damit sich die Entwicklungskosten von 500000 Euro „für einen Investor lohnen“. Aus Sicht der Anwohner ist die Planung aber deutlich zu dicht, auch das Versprechen, dass es sich allein um freistehende Einfamilienhäuser handeln werde, konnte sie nicht überzeugen.

„Wir möchten wissen, warum jetzt auf einmal die Argumente zum Schutz dieser attraktiven Grünfläche nicht mehr greifen. Meine Nachbarn und ich sind größtenteils über 70 Jahre alt und sehen dem Bauprozess sehr besorgt entgegen,“ sagt Karl-Heinz Grzeschik. Für den Eigentümer ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar. „Viele Häuser da sind ja auch kaum zehn Jahre alt, das mussten die damaligen Alteingesessenen ja auch ertragen.“

Der Ortsbeirat kann bei dem Projekt nur Empfehlungen aussprechen, entscheiden wird das Stadtparlament. Dieses hat jedoch vor einiger Zeit den Beschluss für einen Bebauungsplan in der Gegend - nur gegen den Willen der Marburger Linken - gefasst.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr