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Anwohner fordern Fachwerk-Rettung

Brandruine Anwohner fordern Fachwerk-Rettung

Schutz für das Marbacher Top-Fachwerkhaus: Die Marburger Linke fordert den Erhalt des im Sommer bei einem Brand stark beschädigten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in der Brunnenstraße.

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Das Fachwerkhaus in der Brunnenstraße ist am 15. August 2014 ausgebrannt. Bis heute sind keine Reparaturen erfolgt.

Quelle: Nadine Weigel

Marbach. „Das, was ansehn­licher Mittelpunkt des Stadtteils sein sollte, ist zur Dreckecke geworden“, sagt Dr. Ulrich Rausch (SPD), Ortsbeiratsvorsitzender.

Dass in Richtung Reparatur des denkmalgeschützten Fachwerkhauses nichts passiere, mache Bewohner der Marbach „sehr unglücklich, sie sind richtiggehend fassungslos, dass diese Gegend den Bach runtergeht“. Dem Stadtteil drohe ein ähnlicher Schandfleck wie es die Bauruine in Gisselberg seit Jahrzehnten sei.

Sorgen um Sicherheit

„Die abgebrannte Scheune neben dem Haus in der Brunnenstraße steht ja jetzt schon seit Jahren. Wir befürchten, dass es mit dem Wohnhaus genauso wird, wenn die Stadt nicht Geld für die Sanierung in die Hand nimmt“, sagt Rausch.  Die Sicherheit für Fußgänger und Autofahrer in der Brunnenstraße sei nicht mehr gewährleistet. „Die Sorge ist, dass der Giebel irgendwann einstürzt und jemand, der vorbeiläuft oder -fährt, erschlagen wird.“

Die Eigentümer-Familie könne die Sanierung finanziell „nicht stemmen“, der Magistrat müsse helfen, um das Denkmal zu retten. Das fordert auch die Marburger Linke: „Dieses Kulturdenkmal ist seit dem Brand am 15. August 2014 ohne Dachabdeckung und somit der Witterung schutzlos ausgesetzt“, heißt es in einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung. Da bis jetzt keine Reparaturen am Haus geschehen seien, gehe die Linke davon aus, dass „alle gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen, um den Inhaber zur Sicherung des Gebäudes zu bewegen, gescheitert sind“.

Erst sichern, dann wieder aufbauen

„Was da passiert ist, die Schäden, das ist ganz schlimm. Im Grunde steht von dem Haus, mit dem wir als Familie so viele Erinnerungen verbinden, nur noch das Gerippe“, sagte der Immobilien-Eigentümer in einem Gespräch mit der OP.

„Erstmal muss dafür gesorgt werden, dass das Gebäude nicht weiter verfällt. Danach kann man über den Wiederaufbau nachdenken“, sagt Rausch.

Die Stadt, so fordert die Linke, solle nun bis zum Stichtag 31. Januar ihre „Pflicht zur Einleitung eines Verfahrens zur Ersatzvornahme“ umsetzen. Ein Ziel neben der Schadensbehebung: beim Landes-Kunstministerium Sanierungs-Fördergelder zu beantragen. Die Stadt müsste demnach anfallende Kosten nicht alleine tragen.

Magistrat will Sanierung nicht zahlen

Laut Hessischem Denkmalschutzgesetz richtet sich die Höhe der Hilfsgelder „nach der Bedeutung des Kulturdenkmals und der Dringlichkeit des Falls“. Gewährt wird die Hilfe bei Wiederherstellung von teilzerstörten Kulturdenkmälern, wenn hierbei die originale Substanz gesichert wird und für die rekonstruierende Wiederherstellung, so weit untergegangene, aber für den Gesamtzusammenhang, in dem das Kulturdenkmal steht, unverzichtbare Teile eines noch bestehenden Kulturdenkmals ergänzt werden.“

Der Magistrat stuft das marode Haus mittlerweile als „Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ ein, wie Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sagt. Den Eigentümer habe man erfolglos zur Sanierung aufgefordert. Derzeit arbeitet die Stadtspitze daran, vom Eigentümer, der nach eigenen Angaben das Geld dazu nicht hat, Mittel für Reparaturen, die die Kommune dann durchführt, einzufordern. „Erst wenn das scheitert, würden wir versuchen, öffentliche Mittel und auch Zuschüsse zu bekommen“, sagt Kahle.

Denkmalschutz darf Existenz des Eigentümers nicht bedrohen

Derzeit geht man von 20 000 bis 50 000 Euro Kosten aus, um das Fachwerkhaus vorerst zu sichern.  „Die Frage ist aber, was danach mit dem Objekt passiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir als öffentliche Hand ein Haus für einen späteren Käufer herrichten.“ Ein Abriss des Kulturdenkmals sei nicht ausgeschlossen – der Denkmalschutz greife nicht, wenn Investitionen für den Eigentümer existenzbedrohend seien.

Hintergrund: Das Feuer sorgte im Sommer für Aufsehen, da bereits zum fünften Mal binnen zwei Jahren Immobilien des Eigentümers brannten. Nach OP-Informationen aus Polizeikreisen gab es vor dem Feuer Mitte August bereits einen Brandanschlag auf das Fachwerkhaus. Am 10. Mai soll demnach im Keller ein Brandsatz gelegt worden sein. Die Brandstifter sollen bislang nicht ermittelt worden sein.

von Björn Wisker

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