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Anwohner feiern „Tempo 30“ mit Straßenfest

Bürgerinitiative frohlockt Anwohner feiern „Tempo 30“ mit Straßenfest

Mit einem kleinen Fest feierten Anwohner des Wehrdaer Wegs und der Wehrdaer Straße die Einführung von „Tempo 30“.

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Anwohner freuen sich über „Tempo 30“ am Wehrdaer Weg und in großen Teilen der Wehrdaer Straße.

Quelle: Thorsten Richter

Wehrda. Entlang beider Straßen, die von der Abzweigung an der Elisabethstraße bis in den Wehrdaer Ortskern führen, hingen am Freitag zur Feier des Tages Luftballons mit der Aufschrift „20“.

Direkt am Ort der symbolischen Enthüllung eines der neuen Straßenschilder durch Verkehrsminister Tarek Al-Wazir war unter einem Hausdach ein kleines Buffet aufgebaut, an dem es auch selbstgebackene „Tempo 30“-Kekse zu essen gab. Rund 50 Anwohner und Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) für die Einführung des Tempolimits hatten sich versammelt.

„Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk für uns“, freute sich BI-Sprecherin Christiane Dörbecker. Im Jahr 1984 habe sich die Initiative gegründet, und jetzt sei sie endlich erfolgreich. Auch ein großer Wunsch des Wehrdaer Ortsbeirates sei jetzt in Erfüllung gegangen, sagte Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU). Denn auch der Ortsbeirat habe jahrelang für die Einführung des Tempolimits gekämpft.

Neuer Erlass ermöglicht Tempolimit

Und jetzt ist es so weit: Seit Freitag ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Wehdaer Weg und in der Wehraer Straße bis zur Mengelsgasse auf 30 Stundenkilometer begrenzt. Die Einführung des Tempolimits sei „ein wichtiger Beitrag zum Lärmschutz“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, der nach der Übergabe des Förderbescheids für die Weidenhäuser Brücke auch zum offiziellen Enthüllungstermin nach Wehrda gekommen war. Vor rund einem Jahr hatte ihn BI-Sprecherin Dörbecker bei einem Termin im Marburger Rathaus auf das Thema angesprochen. Er habe damals versprochen, an dem Thema dranzubleiben, sagte Al-Wazir.

„Bei einer klassifizierten Landesstraße muss es besondere Gründe für eine Tempo-Reduzierung geben“, sagte der Minister. In diesem Fall hätten Lärmmessungen entlang der beiden Straßen ergeben, dass die nach einem neuen Erlass im Juni neu festgelegten Lärmgrenzwerte für solche Straßen durch den Autolärm überschritten gewesen seien und dass das nun festgelegte „Tempo 30“ „zu einer für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Lärmreduzierung“ führe. Zudem stelle das Tempolimit auch einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit an den teilweise sehr engen Straßen dar.

Ein zwischenzeitlich im November 2013 durch den damaligen Oberbürgermeister Egon Vaupel flächendeckend am Wehrdaer Weg verhängtes Tempo 30“-Limit war damals noch vom Regierungspräsidium Gießen wegen eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung wieder gekippt worden.

Ortsvorsteher Vaupel fordert weitere Tempolimits

Auch der neue Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) freute sich über die neuen „Tempo 30“-Schilder. Es sei ein langer und schwieriger Weg gewesen. Grundsätzlich sei er aber auch der Meinung gewesen, dass es am Wehrdaer Weg und in der Wehrdaer Straße zu laut gewesen sei und dass zu schnell gefahren worden sei.

Ortsvorsteher Vaupel und BI-Sprecher wollen sich aber jetzt ebenso für Tempo 30 an der Goßfeldener Straße und an der Cölber Straße einsetzen. Zudem hoffen sie, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auch noch am restlichen Teilstück der Wehrdaer Straße verwirklicht werden kann.

von Manfred Hitzeroth

Autoverkehr
 bewegt Politik

Verkehrsthemen sind stets heiße Eisen. Das ist in Marburg nicht sehr viel anders als anderswo. Und so ist es auch kein Wunder, dass dabei stets Emotionen freigesetzt werden, wie letztens nach dem Start des Verkehrsversuches in der Nordstadt.

Am Freitag freuten sich Anwohner des Wehrdaer Wegs und der Wehrdaer Straße so sehr über das von ihnen nach 31 Jahren erkämpfte „Tempo 30“ an ihren Straßen, dass sie bei der offiziellen Enthüllung eines neuen Verkehrsschildes ein großes Fest feierten. Der einen Freud, der anderen Leid. Während die Begeisterung der Anwohner über die langsameren Fahrten verständlich ist, 
ärgern sich manche Durchfahrende nun über das ihnen verordnete Schneckentempo.

Das zeigt, dass Verkehrspolitik in einem schwieriges Terrain stattfindet, in dem viele unterschiedliche Interessen gegeneinander abgewogen werden müssen. Der Autoverkehr 
bewegt die Politik. Bei allem Verständnis für die „Tempo 30“-Mode sollten die Tempolimits aber nicht dazu führen, dass sich irgendwann gar nichts mehr bewegt.

von Manfred Hitzeroth

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