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Ansturm auf die Show-Seminare

Campus Marburg Ansturm auf die Show-Seminare

Tausende Besucher strömen zum Wissenschaftsfest. Vor allem im Hörsaalgebäude und auf den Lahnbergen drängen Forschungs-Fans in die Räume. Die Akademiker ernten Applaus für das, was und wie sie den Marburgern erklären, wieso ihr jeweiliges Fach wichtig ist.

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Axel Hegele erklärt das „Robotorassistierte Operieren“ am Uniklinikum Gießen-Marburg während des Wissenschafts-Fests am Freitagabend. Hunderte Besucher strömten auf die Lahnberge und in die Innenstadt, um sich von Forschern erklären zu lassen, wieso sie sich für ihr jeweiliges Fachgebiet interessieren. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kodikologie - beim Lesen dieses Wortes legt Markus Teichmann die Stirn in Falten. Der 29-Jährige ist zwar selbst Student, aber von Handschriftenkunde hat er bis jetzt noch nie gehört. Nun müht er sich, aus einer Feder einen Stift zu schnitzen. „Das ist eine ganz schöne Fuddelei“, sagt er. Dann kritzelt er ein paar Buchstaben auf das Pergament. „Schreiben ist sehr viel und mühsame Arbeit - im Mittelalter“, sagt Alissa Theiß, Mitarbeiterin von Germanistik-Professor Jürgen Wolf. Der Forscher erklärte im Gang des Hörsalgebäudes Dutzenden den Umgang mit Wachstafel, Griffel und Radierstein. „Je wertvoller ein Text war, desto mittiger wurde auf dem noch heute teuren Pergament geschrieben“, sagte er. Carsten Becker, einer seiner Studenten flößt indes Wachs in ein Holzkästchen, nicht größer als ein Handy. „Tada! Ein mittelalterliches Notizbuch“, sagt er.

Physik-Show mit Georg Otto. Foto: Nadine Weigel

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Indes brandet Applaus auf, als nebenan ein freier Redner auf den Stuhl klettert, Lyrik vorträgt. Aufmerksam verfolgt Besucherin Martina Weigand (58), von Beruf Büroangestellte, das Treiben. „Oft wirkt das, was Wissenschaftler machen, abgehoben und sehr kleinteilig“, sagt sie. „Aber jetzt habe ich gesehen, dass da wirklich Leute am Werk sind, die ihren Stoff auch mir lebensnah erklären können“.

 

Ein Zimmer voller weißer Holzklötze ist das Zuhause von Michael Siegel. Auf den Kisten stehen knappe Sätze wie „aus Eichenholz gefertigt“, wiegt 28,45 Kilogramm“, „1902 hergestellt“. Das Wirrwarr der Gegenstände soll Möbel darstellen - und man soll sie nicht anhand einer eindeutigen Form, sondern anhand der geschriebenen Fakten erkennen. „Ästhetik der Theorie“ nennt Siegel die Installation. Er ist Philosoph und Vorstand des Marburger Vereins Denkwelten. Er bastelt mit anderen Akademikern an Exponaten für ein Deutsches Museum für Philosophie in Marburg. „Wir führen einen Kampf gegen Kalendersprüche“, sagt er. Die akademische Philosophie als Denksport für jedermann voran zu treiben, das ist erklärtes Vereinszeil. „Dass Wissenschaftler oft die Nase rümpfen über populäre Vermittlung von Philosophie, ist eine falsche Haltung“, sagt er.

Wie verzahnt Uni und Stadt sind, wurde im BiP deutlich. Dort sprach Dr. Petra Engel über Forschungsergebnisse von Marburger Humangeografen, die Konzepte für das Altern in den Außenstadtteilen entwarfen. „Wohnen, Mobilität, Freizeitwünsche, Gesundheit: Die jungen Leute haben von Ginseldorf bis Elnhausen ein echtes Praxisfeld für ihre Projekte bekommen“, sagt sie.Zuletzt entwickelten die Hochschüler Fragebögen zum Thema Altern, seit diese ausgewertet werden, sprießen überall Ideen hervor, wie die Ortsteile attraktiver gestaltet werden könnten. „Seit diesem Real-life-Stadtlabor ist klar, dass Uni und Einwohner, dass Uni und Verwaltung nicht nebeneinander her existieren, sondern füreinander Nützliches tun“, sagt Engel.

von Björn Wisker

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