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Ansturm auf Jura-Studium in Marburg

Fachbereich Rechtswissenschaften Ansturm auf Jura-Studium in Marburg

Riesenansturm im Fachbereich Jura: Rund 400 Neuanfänger mehr als im vergangenen Wintersemester müssen die Dozenten adäquat betreuen.

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Die Ruhe vor dem Ansturm: Bibliotheksaufsicht Sabine Blenn sortiert in der Jura- Bibliothek Bücher. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Jura-Dekan Professor Hans-Detlef Horn kritisierte im Gespräch mit der OP, dass das Uni-Präsidium verfügt habe, die lokale Zulassungsbeschränkung für das Jura-Studium aufzuheben. Dagegen habe sowohl der Fachbereichsrat als auch er als Dekan und die Fachschaft Jura vergeblich protestiert. Mit dem jetzt nicht mehr geltenden „lokalen Numerus clausus“ waren Anfängerzahlen von höchstens 300 Studierenden für ein Wintersemester und 150 für ein Sommersemester festgelegt.

Ohne Zulassungsbeschränkung wird es jetzt erheblich voller. Statt 290 Jura-Erstsemestern im vergangenen Wintersemester werden in dem Mitte Oktober beginnenden neuen Wintersemester nach dem bisherigen Stand 674 neue Studenten ihr Studium aufnehmen - also rund 400 mehr als noch vor einem Jahr. Bereits Ende August hatte die Uni-Leitung aufgrund des großen Ansturms das Online-Bewerbungsportal für Rechtswissenschaften geschlossen - und das obwohl die Einschreibung eigentlich noch bis Ende September möglich gewesen wäre.

„Was jetzt eingetreten ist, das war eigentlich schon vor einigen Monaten absehbar. Es war klar, dass es stark erhöhte Anfängerzahlen geben wird“, kommentierte der Dekan. Uni-Vizepräsident Professor Harald Lachnit hält auf OP-Anfrage dagegen: „Wir hatten den lokalen NC im vergangenen Jahr eingeführt, es waren aber trotz der Zulassungsbeschränkung noch Plätze frei“. Für dieses Wintersemester sei eine überproportionale Nachfrage also nicht absehbar gewesen. Eine solche Nachfrage sei aber Vorrausetzung dafür, einen „lokalen Numerus Clausus“ zu beantragen.

Die Bewältigung des Studentenandrangs stelle den Fachbereich vor große Herausforderungen, meint der Dekan. „Wir haben gewaltige Schwierigkeiten, die Qualität der Lehre aufrechtzuerhalten. Dazu gehört eben auch ein günstiges Betreuungsverhältnis zwischen der Zahl der Professoren und der Studierenden“, erläutert Horn.

Die jetzt eintretende Belastung des Fachbereichs Jura sei auf jeden Fall überproportional. „Wir müssen im Interesse der Studierenden und im Eigeninteresse der Universität dafür sorgen, dass wir möglichst gute Studienbedingungen schaffen“, sagt Lachnit.

Der Fachbereich hat eine zusätzliche Sonderfinanzierung bei der Uni-Leitung beantragt. Uni-Vizepräsident Lachnit sagte der OP, dass das Präsidium eine einmalige Sonderzahlung an die Juristen in Höhe von 120000 Euro genehmigt habe, damit der Studentenansturm bewältigt werden kann. Zu wenig Räume für die Lehre, zu wenig Lehrpersonal und zu wenig Lehrbücher: Auf diese knappe Formel kann man das Problembündel zusammenfassen.

Einführungs-Vorlesungenfinden im Audimax statt

So können die drei Einführungs-Vorlesungen in den Fachgebieten Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht aus Platzgründen nicht im größten Hörsaal im Landgrafenhaus stattfinden, sondern müssen in das Audimax - den größten Hörsaal der Universität im Hörsaalgebäude in der Biegenstraße - verlegt werden. Auch die Zweitsemester, die im Sommersemester ihr Studium aufgenommen haben, müssen diese Vorlesungen besuchen. Deswegen rechnet Horn mit jeweils rund 800 Studierenden in den drei Einführungs-Vorlesungen.

Diese hohe Zahl von Anfängern hat eine Reihe von Konsequenzen. So wird sich nach Angaben Horns der Unterrichtsstil ändern. „Man kann nicht mehr so häufig Fragen stellen. Statt eines dialogischen Unterrichts muss es zwangsläufig mehr Frontal-Vorträge geben“, sagt Horn.

Begleitet werden die Einführungs-Vorlesungen im Fachbereich Jura von Tutorien, in denen Gruppen von je 30 Studierenden meist von erfahrenen Studenten angeleitet werden, die auch die Vorlesung nachbereiten. Einen Großteil der Gruppenräume will die Uni-Leitung in Räumen der Universität zur Verfügung stellen. Aufgrund der großen Zahl von Anfängern fehlen aber wohl noch einige Räume. „Wir müssen vielleicht Räume anmieten, beispielsweise im Kino, oder bei der Hochschulgemeinde“, erläutert Horn. Zudem müsse der Fachbereich nun auch mehr Korrek­turkräfte für die Klausuren und mehr Lehrbeauftragte verpflichten.

Auch zusätzliche Lehrbücher für die neuen Studenten werden benötigt: Für die drei verschiedenen Fächer Zivilrecht, Strafrecht und Öffentliches Recht rechnet Horn damit, dass jeweils 50 weitere Exemplare angeschafft werden müssen. „Wir haben in der Jura-Bibliothek dafür noch ausreichende Regalkapazitäten. Aber es fehlen Tische und Stühle, um auch noch die letzte Ecke mit Arbeitsplätzen auszustatten“, erklärt der Dekan. Für die kommenden Semester hat er beim Uni-Präsidium beantragt, die lokale Zulassungsbeschränkung wieder einzuführen. „Es ist wahrscheinlich, dass wir auf jeden Fall zum Wintersemester 2014/2015 wieder einen lokalen NC beantragen werden“, sagte Lachnit.

von Manfred Hitzeroth

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