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Anselm Grün entzückt Zuhörer

Vortrag Anselm Grün entzückt Zuhörer

Der Benediktinerpater und Autor Anselm Grün hat während des Katholikentags einen Vortrag im voll besetzten Audimax gehalten. Ein Eindruck.

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Der Benediktinerpater und Bestseller-Autor Anselm Grün (rechts) hat während des Katholikentags am Sonntag im Marburger Audimax einen Vortrag gehalten. Foto: Ines Dietrich

Marburg. „Was hat dieser Mann nur für eine Ausstrahlung!“ sagt eine Katholikentag-Teilnehmerin und schaut Anselm Grün an, der kurz vor seinem Festvortrag entspannt am Büchertisch sitzt und in eine Unterhaltung vertieft ist. In der Tat strahlt der Benediktinerpater vor allem eines aus: Gelassenheit und Frieden mit sich selbst - jene Eigenschaften, die er durch Kurse, Vorträge und zahlreiche Buch- und Zeitschriftenpublikationen auch anderen Menschen nahebringen will.

Zu seinen Aktivitäten gehören Kurse für Manager, die geistliche Begleitung von Priestern und Ordensleuten, Einkehrtage, das Schreiben von Büchern, die Teilnahme an Fernsehsendungen, und bis vor kurzem war der studierte Betriebswirt auch für die wirtschaftliche Leitung der Abtei Münsterschwarzach verantwortlich. Dennoch wirkt er, im Foyer des Hörsaalgebäudes sitzend, wie jemand, der sich ausschließlich auf die Gegenwart und seine aktuelle Aufgabe besinnt und diese Zugewandtheit spürt jeder, der in seiner Nähe ist. „Ich bin gekommen, um Anselm Grün zu hören“, erzählt eine evangelische Besucherin und ist damit nicht allein. Das Audimax ist voll besetzt, die gespannte Erwartung spürbar. „Es freut mich, dass die Marburger Katholiken den Mut hatten, so einen Tag zu organisieren“, sagt Grün, bevor er mit seinem Vortrag zum Thema „Die acht Seligpreisungen - Pfad zum gelingenden Leben“ beginnt. Die Seligpreisungen, die im Matthäus-Evangelium zu finden und Teil der Bergpredigt sind, könnten „ein Weg der Weisheit zum gelingenden Leben“ sein, so der Benediktinerpater, der außerdem als Theologe promoviert hat. Die Bergpredigt sei nicht nur spirituell zu deuten, sondern beinhalte ganz konkrete Unterstützung für das tägliche Leben und den Weg zur innerer Zufriedenheit und Authentizität.

Dass Grün, dessen tiefe Gottverbundenheit immer wieder in seinen Worten deutlich wird, sich nicht nur auf christliche Traditionen und Werte beruft, wird rasch deutlich. Gleich zu Beginn etwa weist er darauf hin, dass die acht Seligpreisungen eine Entsprechung im Achtfachen Pfad des Buddhismus finden.

Auch Elemente aus Tiefenpsychologie, griechischer Philosophie, katholischer wie evangelischer Theologie finden Einlass in seine Überlegungen. Hier spricht keiner, der sich hinter einem Dogma verstecken muss aus Angst, sein Glaube könne bedroht sein. Anselm Grün ist vielmehr jemand, dessen Interesse, Klugheit und Aufgeschlossenheit aus einer großen persönlichen Freiheit entspringt - und einem großen Sinn für Humor. Kleine Tontechnik-Pannen nimmt er gelassen hin, streut heitere Anekdoten in den zuweilen sehr dichten und anspruchsvollen Vortrag ein, dessen Hauptanliegen die Notwendigkeit ist, gut für sich selbst zu sorgen, barmherzig zu sein, wie Grün es nennt. Nur dann könne auch die Umgebung davon profitieren - denn gesellschaftliche Verantwortung ist ihm ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Tosender Applaus ertönt, als er nach etwa einer Stunde seine Rede beendet und Pfarrer Klaus Nentwich es auf den Punkt bringt: „Waren es nicht zwölf Seligpreisungen? Wir könnten noch stundenlang zuhören!“

von Ines Dietrich

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