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Anonymes Schreiben belastet Sex-Arzt

Prozess vor dem Amtsgericht Anonymes Schreiben belastet Sex-Arzt

Im Prozess gegen einen Marburger Arzt, der einen jungen Mann mehrfach sexuell missbraucht und mit Drogen versorgt haben soll, sorgt der Brief einer anonymen Tippgeberin am Donnerstag für Aufsehen.

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Der Arzt soll dem Opfer regelmäßig vor und nach dem Sex KO-Tropfen gegeben haben. Archivfoto

Marburg. In einem Schreiben, das am Mittwoch bei der Polizei einging, belastet eine eigenen Angaben zufolge langjährige Arzthelferin den 49-jährigen Angeklagten. Entgegen dessen Aussagen, dass er mit dem Opfer – einem mittlerweile verstorbenen, damals 21-Jährigen – kein Arzt-Patienten-Verhältnis gehabt habe, spricht die Autorin von regelmäßigen Praxisbesuchen und einer systematischen Drogen-Versorgung von Süchtigen durch den Beschuldigten. „Er löscht und manipuliert Daten in Patientenakten“, heißt es in dem Brief. So soll er etwa aus Dokumenten Einträge zu verschriebenen Betäubungsmitteln entfernt haben.

Der Mediziner, so die Autorin, verschreibe „in großem Maße Drogenabhängigen verschiedene Medikamente“. Der Brief dient allerdings nicht als Beweis – dazu müsste die Verfasserin am nächsten Verhandlungstag (31. Juli, 8.30 Uhr) als Zeugin aussagen.

Während des gestrigen zweiten Verhandlungstages schilderte der Psychologe (50) des Opfers, dass der 21-Jährige ihm von „der Masche Sex gegen Drogen“ erzählt habe, er wolle „endlich raus aus der Abhängigkeitsbeziehung“ und Anzeige erstatten.  Ähnlich die Aussage eines

Sozialpädagogen der Jugendkonflikthilfe, der das Opfer ein Jahr lang betreute: „Absoluter Ekel war in ihm, wenn es um den Arzt ging“, sagte der 36-Jährige. „Geschrien und geheult“ habe der junge Mann bei Gesprächen, von „Vergewaltigung und gezieltem Unter-Drogen-Setzen“ geredet. „Nachmittags Pillen rein, abends von dem Arzt vergewaltigt. Manchmal auch kurz davor, damit es nicht so wehtut“, sagt der Pädagoge.

Polizei findet Privat-Pornos

Wie schon beim Prozessauftakt herauskam, diente eine Unterkunft Am Grün als Sex-Wohnung. Auf Festplatten des Angeklagten fanden Polizisten Privatporno-Bilder, die unter anderem den Arzt beim Geschlechtsverkehr mit dem 21-Jährigen zeigen.

Für den Vorsitzenden Amtsrichter Tobias Friedhoff sind die widersprüchlichen Aussagen, die das Opfer bei Polizei und mehreren richterlichen Vernehmungen machte, problematisch. Mal erhob das Opfer Vorwürfe gegen den Mediziner, mal nahm er sie zurück. Die Verteidigung vermutet zudem, dass der Ex-Geliebte des Arztes von anderen – etwa Drogen-Entzugshelfern – zu einer Anzeige gedrängt worden sei. Entlastungs-Zeugen sagten gestern zudem aus, dass der junge Mann schon länger damit gedroht habe, „den Hausarzt fertigzumachen, mit Missbrauchsvorwürfen und Kinderpornos“, so eine 36-jährige Biedenkopferin.

Hintergrund: Der mehrfache sexuelle Missbrauch soll zwischen Mai und September 2010 geschehen sein. Im Gegenzug zum Geschlechtsverkehr soll der Mediziner dem Opfer verschiedene Medikamente besorgt, ihn systematisch abhängig gemacht haben. Der Beschuldigte gestand beim Prozessauftakt, dreimal Sex mit dem Opfer, das seit 2003 sein Patient war, gehabt zu haben. Das sei aber freiwillig geschehen.

von Björn Wisker

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