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Angst vor der Grundwasserabsenkung

Stadthalle Marburg Angst vor der Grundwasserabsenkung

Während der Umbau der Stadthalle sichtbare Fortschritte macht, fürchten viele Hausbesitzer in der Nachbarschaft um ihre Immobilien.

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In der Savignystraße wurden an den Gebäuden in der Nachbarschaft der Stadthallen-Baustelle Setzbolzen (rechts unten) an den Fassaden angebracht. Damit lässt sich kontrollieren, ob sich die Gebäude durch die Tiefbauarbeiten absenken.

Quelle: Carsten Beckmann

Marburg. Am 14. November kam es in der Zeit zwischen 8 und 8.45 Uhr zu starken Vibrationen in den Gebäuden, die rings um die Stadthalle liegen. Als „minutenlang mit sich wiederholenden Schüben“ beschreibt Stefan Oberhansl, Besitzer des Gebäudes Biegenstraße 21, die Vibrationen, die offenbar im Zusammenhang mit Tiefbauarbeiten an der Stadthalle stehen. Bereits im Sommer, so Oberhansl, hätten im Auftrag der Stadt Mitarbeiter eines Ingenieurbüros die umliegenden Wohngebäude inspiziert und für ein Beweissicherungsverfahren auch sogenannte Setzbolzen an den Fassaden angebracht. „Das war eine Nacht-und-Nebelaktion“, sagt Oberhansl, der es für angemessen gehalten hätte, im Vorfeld das Einverständnis der Hausbesitzer für die Begehung der Gebäude einzuholen.

Imobilienbesitzer lassen eigene Gutachten anfertigen

Im Zuge eigener Recherchen stießen Oberhansl und andere Hausbesitzer auf baugeschichtliche Details, die ihre Sorge um mögliche Bauschäden durch das Stadthallenprojekt noch erhöhten: „Zum einen haben wir herausgefunden, dass das Biegen- und Klinikviertel vor seiner Bebauung ein Sumpfgebiet war, das Mitte des 19. Jahrhunderts um drei Meter aufgeschüttet wurde, um es bebaubar zu machen.“ Wie schwierig das Terrain im Zusammenhang mit Tiefbauaktivitäten zu sein scheint, habe die Anlage einer Tiefgarage unter dem Audimax gezeigt, so Oberhansl: „Das war damals schon ein Millionengrab, die Garage musste massiv abgeschottet werden und lief trotzdem immer wieder voll Wasser.“ Nun befürchten Anlieger, dass im Zuge der Bauaktivitäten an der Stadthalle das Grundwasser massiv abgesenkt werden muss. „Darunter werden spätestens im Frühjahr die Sandsteinfundamente der alten Häuser leiden - Sandstein muss immer feucht gehalten werden, was nicht mehr garantiert werden kann, wenn das Grundwasser abgesenkt wird.“ Zusätzlich zu dem von der Stadt in Auftrag gegebenen Beweissicherungsverfahren lassen mittlerweile auch die Immobilienbesitzer eigene Gutachten anfertigen, um im Fall auftretender Schäden eine eigene Expertenmeinung auf den Tisch legen zu können. Denn die Expertenmeinung aus dem Ingenieurbüro lautet zumindest bis jetzt: „Aus unseren Ergebnissen können wir aktuell keine Setzung bei Ihrem Gebäude feststellen.“ Das teilte der städtische Fachdienst für Vermessung Oberhansl auf Anfrage mit.

Stadt stellt Bewohnern Messprotokolle zur Verfügung

Auch Tilmann Pfeiffer von der Haus- und Grundstücksverwaltung Pfeiffer-Ehlebrecht schließt nicht aus, dass es durch die Bautätigkeiten zu Schäden an Gebäuden kommen könnte, die sein Unternehmen betreut: „Auch wir haben einen Sachverständigen damit beauftragt, Aufnahmen machen zu lassen, um im Zweifelsfall unsere eigene Gutachtermeinung zu haben.“ Pfeiffer sagte, er betrachte die Angelegenheit derzeit so unaufgeregt wie möglich: „Es muss ja nicht zwingend etwas passieren, und wir sind weit davon entfernt, der Stadt etwas vorwerfen zu wollen.“ Der Architekt Mathias Ehrig, der seinerzeit beim Bau des Cineplex-Kinos und des neuen Volksbank-Gebäudes federführend war, spricht im Zusammenhang mit der Stadthalle von „normalen Tiefbauarbeiten, die man ingenieurtechnisch in den Griff bekommen kann“. Allerdings sei in der Tat immer Gefahr im Verzug, wenn wegen Tiefbauarbeiten der Grundwasserspiegel abgesenkt werden müsse. Ähnlich wie jetzt bei der Stadthalle sei auch beim Kinoneubau bis zu acht Meter in die Tiefe gearbeitet worden. Probleme, so Ehrig, habe es seinerzeit aber nicht gegeben. Auch bei den von Ehrig verantworteten Bauten habe es damals Beweissicherungsverfahren für die Nachbargebäude gegeben - damals wie heute eine reine Vorsichtsmaßnahme. Der Sprecher der Stadt, Ralf Laumer, erklärte ebenfalls, dass die Stadt ihrer Bausicherungspflicht nachkomme und Anwohnern sogar Messprotokolle zur Verfügung gestellt habe. Am 14. November seien Arbeiten an der Bodenplatte durchgeführt worden, und weil mehrere Maschinen gleichzeitig im Einsatz waren, gab es Erschütterungen. Schäden seien grundsätzlich nicht mehr möglich, aber derzeit gebe es keinen Anlass für Befürchtungen - auch nicht vor der Grundwasserabsenkung, die erforderlich sei. Derzeit hat das Stadthallenprojekt eine Bauverzögerung von sechs Wochen - „aufgrund von nicht vorhersehbaren Schadstoffbelastungen, die bei den Abrissarbeiten festgestellt wurden und beseitigt werden mussten“. Doch da keine große Winterpause geplant sei, werde man die Zeit wieder aufholen.

von Carsten Beckmannund Anna Ntemiris

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