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Angst vor Steinschlag von Brücken

Brücken in Marburg Angst vor Steinschlag von Brücken

Der Albtraum jedes Autofahrers: Von einer Brücke aus schmeißen Tunichtgute Steine auf die Fahrbahn. Ähnliche Folgen befürchteten Marburger unter der Kurt- Schumacher-Brücke. Gestern Abend gab Hessen Mobil Entwarnung.

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Unter der Brücke sammelt sich sich der abgebröckelte Mörtel.

Quelle: Robert Mohme

Marburg. Wer aus Richtung Sommerbadstraße um das Rewe-Einkaufszentrum herum in Richtung Parkhaus Media Markt fährt, kann schon mal mächtig erschrecken. Unter der Kurt-Schumacher-Brücke besteht, so hat es zumindest den Anschein, Lebensgefahr durch herabstürzende Steinbrocken. Ursache des Problems ist eine bröckelnde Fassade an der Kurt-Schumacher-Brücke. Seit Wochen herrscht an dieser Stelle das gleiche Bild.

Ein Leser, der die OP auf das Problem aufmerksam machte, kommentiert: „Die Gefahr für den Verkehr ist offensichtlich, denn wenige Meter weiter überspannt die Schumacher-Brücke die Stadtautobahn.“

Das Problem ist der Stadt bekannt. Edith Pfingst vom Presseamt der Stadt teilte der OP auf Anfrage mit, dass die Gefahrstelle zunächst gesichert worden sei. Außerdem sei der bröckelnde Mörtel am Gesims abgeschlagen worden. „Da kann nach menschlichem Ermessen jetzt nichts mehr passieren“, sagte Pfingst.

Leserhinweis und OP-Recherche führen zum Ortstermin

Zuständig für die Behebung des Schadens sei aber Hessen Mobil. Hessen Mobil, das frühere Amt für Straßen- und Verkehrswesen, handelt im Auftag des Landes und des Bundes, der in diesem Fall die Baulast- und Unterhaltsträgerschaft für die Kurt-Schumacher-Brücke hat. Hessen Mobil kontrolliert ebenso wie die Stadt Marburg selbst die sichere Unterfahrt von Brücken.

Und die Behörde reagierte sofort: Nach der OP-Anfrage fand noch gestern Abend ein Ortstermin statt, an dem sich ein Mitarbeiter von Hessen Mobil ein Bild über den Schaden machte.Nach eingehender Besichtigung dann die gute Nachricht: keine Gefahr für die Stabilität der Brücke, weil kein tragendes Teil betroffen ist, und keine Gefahr für den Verkehr auf den darunter liegenden Straßen, weil kein weiterer Mörtel mehr abplatzen kann.

Gemacht werden muss die Stelle trotzdem. „Wir tun, was wir können“, sagte der Mitarbeiter, „aber das kostet alles Geld.“

Generell gilt: Straßenwärter von Hessen Mobil fahren regelmäßig die neuralgischen Stellen ab, an denen Brücken andere Straßen überqueren. „Wenn uns etwas auffällt, handeln wir sofort“, so Willi Kunze, der Generalbevollmächtigte von Hessen Mobil.

Weidenhäuser Brücke wird ab 2015 saniert

Die Stabilität und Belastbarkeit von Brücken ist aber ein Dauerthema. Bundesweit für Aufsehen sorgen die Autobahnbrücken auf der Sauerlandlinie zwischen dem Gießener Südkreis und Olpe: Elf Brücken sind marode, müssen teils neugebaut werden. Bis dahin versucht man, durch Geschwindigkeitsbeschränkungen für Lkw den Schaden an den Brücken in Grenzen zu halten.

Brücken haben Stress: Die Vielzahl Autos, die auf den Hochstraßen fährt, schadet den Bauten - auch in der Stadt Marburg. Vor allem die Weidenhäuser und die Konrad-Adenauer-Brücke ächzen unter der tonnenschweren, rollenden Last, die sie jedes Jahr stemmen müssen.

Das alarmiert die Stadtverwaltung, die ab 2015 eine Sanierungsoffensive für die am stärksten befahrenen Brücken starten will. „Die Weidenhäuser Brücke muss saniert und ertüchtigt werden“, sagt Edith Pfingst, Pressesprecherin der Stadt. Voraussichtlich 2015 und 2016 werde dies geschehen.

Darauf folgen soll die Konrad-Adenauer-Brücke. „Dort wird dann unter anderem eine Kappen- und Belagserneuerung durchgeführt“, sagt Pfingst. Die Kurt-Schumacher-Brücke weist nach Einschätzung der Stadt keine Mängel auf, so dass dort perspektivisch keine Bauarbeiten geplant sind. Und für die Hochstraße B 3 ist der Bund, ist Hessen Mobil zuständig. Ihr Zustand, sagt Willi Kunze, sei aber „eins a“. Im Zuge der Neugestaltung der Ab- und Zufahrt am Hauptbahnhof im vergangenen Jahr sei die Brücke auf den technisch neuesten Stand gebracht worden.

Ständiger Pflege bedürfen die Holzstege

„Insbesondere dort fallen immer wieder Reparaturarbeiten an“, sagt Pfingst. In den kommenden Wochen rückt zunächst der Richtsbergsteg in den Fokus. 50 000 Euro investiert Marburg jährlich in die Reparaturarbeiten. Ergänzt wird der Betrag durch schwankende Summen, sobald größere Bau- und Sanierungsarbeiten anfallen.

Belags- und Geländer- sowie Vandalismusschäden beseitige die Stadt fortlaufend an allen Brücken. Alle Brücken werden nach Angaben der Stadtverwaltung auf ihre Stabilität und Belastungsgrad regelmäßig gecheckt. An den sensiblen Stützpfeilern und Trägern wurden in den letzten drei Jahren jedoch keine Arbeiten durchgeführt.

Die Stadt erklärt das Vorgehen: Bei der Hauptprüfung (HP) seien alle, auch die schwer zugänglichen Bauteile, zur Not auch unter Zuhilfenahme von Besichtigungsgeräten, zu prüfen. Diese Hauptprüfung hat die Weidenhäuser Brücke im vergangenen Jahr hinter sich gebracht. Drei Jahre nach der Hauptprüfung folgt die Einfache Prüfung (EP) ohne zwingende Verwendung von Besichtigungsgeräten. Sie ist eine intensive Sichtprüfung. Die HP und EP werden alle drei Jahre im Wechsel durchgeführt.

Erst gestern, so Willi Kunze, habe die Einfache Prüfung der B3-Brücke am Hauptbahnhof stattgefunden und keine Beanstandungen ergeben. Zusätzlich könnten Prüfungen aus besonderem Anlass, etwa nach einem Hochwasser, erforderlich werden. Bei jedem Check werde ein Prüfbericht erstellt, der auch die bei früheren Checks festgestellten Mängel berücksichtige.

So würden sämtliche Schadstellen am Bauwerk, „die nicht zwingend kostenaufwändig als Einzelmaßnahme saniert werden müssen, ständig beobachtet und bewertet“, sagt Pfingst.

Einen Kommentar zum Thema von Till Conrad finden Sie hier.

von Björn Wisker und Till Conrad

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