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Angst vor „Schlucht vom Pilgrimstein“

Bauvorhaben der Universität Angst vor „Schlucht vom Pilgrimstein“

Das zweite Bauvorhaben der Universität auf dem Brauereigelände stößt bereits im Vorfeld der konkreten Planungen auf Kritik vonseiten der IG Marss.

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Die Baustelle auf dem Brauerei-Areal: Im Hintergrund rechts sieht man das fast fertige Sprachatlas-Gebäude. Der grüne Bauzaun vorne rechts markiert, wie nahe das dreieckige „Bildarchiv“-Gebäude an den Gehweg heranreichen könnte.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Bebauung des ehemaligen Brauereigeländes durch die Universität schreitet voran. Schon im kommenden Monat soll der laufende Betrieb im Sprachatlas eröffnet werden. Dieser erste Bau auf dem Brauerei-Areal ist nahezu fertiggestellt.

Klar ist seit einiger Zeit auch, dass dort neben einem weiteren kleinen Seminargebäude auch ein Forschungsbau für das Bildarchiv Foto Marburg errichtet werden soll. Die möglichen Dimensionen dieses Gebäudes stoßen nun bereits im Vorfeld eines Bauantrags auf Kritik bei der Initiativgruppe Marburger Stadtbild und Stadtentwicklung (IG Marss).

In einer Pressemitteilung der Gruppe wurde Bezug genommen auf eine öffentliche Sitzung des Denkmalbeirats, in der erste Vorplanungen für das „Foto-Marburg“-Gebäude vorgestellt worden seien.

„Kommt am Fuße des Schlossbergs die ‚Schlucht vom Pilgrimstein?‘“: Diese Frage stellt Claus Schreiner von der IG Marss in einer Pressemitteilung, die sich mit dem geplanten „Foto Marburg“ auf dem Brauereigelände befasst. Vor allem stoßen sich die Baukritiker daran, dass mit dem viergeschossigen Bau nur ein Mindestabstand von 2,50 Meter zum Gehweg am Pilgrimstein eingehalten werden soll.

„Die IG Marss hofft, dass die im Parlament vertretenen Parteien den Magistrat veranlassen werden, den Bebauungsplan so eindeutig zu überarbeiten, dass ein Mindestabstand zum Gehweg Pilgrimstein von vier Metern nicht unterschritten werden darf“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Da nun nachweislich die Neubauten von Bildarchiv und Seminargebäude weniger Raumbedarf als die nicht realisierte Juristische Fakultät haben werden, sieht die IG Marss keinen Grund für eine Beibehaltung des knappen Abstands“, so Schreiner weiter. Selbst die ehemalige Brauerei auf diesem Gelände sei mit ihren höchsten Gebäuden hinter einer langen Mauer weit vom Pilgrimstein abgerückt, während die Universität das Bildarchiv-Gebäude mit vier Stockwerken nun nahe an der Straße bauen wolle.

Die Marburger Uni-Präsidentin kann die Aufregung nicht verstehen. „Es gibt einen Bebauungsplan, und an den halten wir uns“, sagte sie auf OP-Anfrage. Und in diesem Plan sei der Mindestabstand von 2,50 Meter zwischen einem Baukörper und dem Gehweg vorgeschrieben. Sie sagte zudem, dass das Land Hessen nicht einfach ein Grundstück erwerbe wie in diesem Fall, um es dann nicht auch nutzen zu können. Im Übrigen wies sie darauf hin, dass der geplante Jura-Neubau auf dem Brauerei-Areal nicht hätte realisiert werden können, weil es dafür zu wenig Platz gegeben hätte.

Die Bedenken Schreiners, dass es mit dem neuen Gebäude zu einer „Schlucht vom Pilgrimstein“ kommen könne, teilt die Präsidentin nicht. Sie betonte aber, dass es vonseiten der Universität noch keinen Bauantrag und keinen baureifen Plan gebe. Es gebe nur eine grobe Massenfestlegung für den Baukörper. Es müsse auch erst in einem vergaberechtlichen Verfahren bestimmt werden, wer für die architektonische Detailplanung zuständig sein werde.

Baudezernent Dr. Franz Kahle (Grüne) sagte auf OP-Anfrage, dass er in der Angelegenheit zunächst einmal die Beratungsergebnisse aus dem Denkmal- und dem Gestaltungsbeirat abwarten wolle.

von Manfred Hitzeroth

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