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Angeklagter schon vor der Tat auffällig

Landgericht Angeklagter schon vor der Tat auffällig

Weil er eine geistig behinderte Frau sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll, muss sich ein 38-jähriger Mann aus Homberg/Ohm seit gestern vor dem Landgericht Marburg verantworten.

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Marburg. Der seit Jahren an Schizophrenie erkrankte Angeklagte gab zu, dass er mit der behinderten Patientin auf der Toilette einer psychiatrischen Klinik in Haina Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Seiner Ansicht nach sei dies im Einvernehmen mit der Frau geschehen. Die seit ihrer Geburt an einem Hirnschaden erkrankte 42-Jährige wurde von der Staatsanwaltschaft als widerstandsunfähig bezeichnet.

Der seit sechs Jahren im Wohnheim einer gemeinnützigen Reha-Klinik in Homberg-Ohm lebende Angeklagte war bereits mehrfach durch ungebührliches und aggressives Verhalten sowie tätlichen Übergriffen gegenüber den Bewohnern und dem Pflegepersonal aufgefallen. Insbesondere den weiblichen Mitarbeitern gegenüber hätte er sich immer wieder provokant verhalten und sexuelle Obszönitäten ausgesprochen. Medikamente gegen seine Krankheit habe er zudem nur unregelmäßig genommen und oft verweigert, erläuterten einige Mitarbeiter der Einrichtung, die als Zeugen auftraten. Wegen seines Verhaltens sei er schließlich im Juni 2012 stationär in einer psychiatrischen Klinik in Haina aufgenommen worden.

Dort traf er die geistig eingeschränkte Frau, die nicht vernehmungsfähig ist. Am nächsten Tag folgte ihr der Angeklagte auf die Toilette und verschloss die Tür. Dort zog er der Patientin und sich selber die Hose herunter. Schließlich ließ er sich auf dem Toilettensitz nieder, setzte die bewegungseingeschränkte Frau vor sich auf den Schoß und vollzog mit ihr den Geschlechtsverkehr. „Ich wollte eine Beziehung mit ihr und dachte, sie wäre einverstanden“, sagte der Angeklagte. Ein Pfleger der Klinik hörte nach eigener Aussage schließlich die Schreie der Patientin und schloss den Toilettenraum auf. Dort fand er sie während des Geschlechtsaktes vor, woraufhin der Angeklagte die Frau sofort von sich stieß. „Ich glaube nicht, dass sie es wollte“, sagte der Zeuge.

Angeklagter befindt sich in Sicherungsverwahrung

Die 42-Jährige sei in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und nicht in der Lage sich ausreichend zu artikulieren. Einzelne Worte könne sie aber aussprechen. Zudem habe sie noch nie sexuelles Interesse gezeigt, sagte eine Mitarbeiterin des Wohnheims der Frau. Sie bezweifelte, dass die Patientin überhaupt wisse, was das ist. Fremden gegenüber sei sie sehr distanziert. Eine gynäkologische Untersuchung ergab, dass die Frau nach dem Akt geblutet hatte. Es konnten keine Verletzungen an den Genitalien festgestellt werden. Der Angeklagte gab an, dass er sich zu ihr hingezogen gefühlt habe. „Wir waren Freunde“, sagte er. Während der Verhandlung betonte er seine Unzufriedenheit in dem offenen Wohnheim. Er befindet sich seit dem Vorfall in Sicherungsverwahrung.

von Ina Tannert

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